Liebe ART

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Dialog-Beratung in Text und Gespräch. Themen: Persönlichkeit, Privatleben, Karriere.

Kuscheln mit Fremden

Fremdeb.jpgDieses Novum ist bestimmt nicht
jedermanns Sache. Jeder Frau
schmeckt’s gewiss auch nicht.
Tatsache ist aber, dass
Kuschelpartys immer größeren
Zulauf erfahren – vor allem
in Großstädten.

Für alle Altersgruppen

Die Idee stammt aus New York. Die Diplompsychologin Wiebke Schierding griff sie auf und bietet unter dem Motto „Kuschelparty“ Gruppenabende für Ungebundene in Heidelberg und Mannheim an.

Mit ihrer Initiative entspricht sie einem Wandel der Gesellschaft. Immer mehr Menschen leben als Single, aber was noch vor Jahren stolz als Gewinn bringende Individualisierung gepriesen wurde, führt vielfach zu Vereinzelung und Vereinsamung. Eine Begleiterscheinung ist, dass es kaum noch zu Körperkontakten kommt. Aber die sind wichtig – nicht nur für Kleinkinder, sondern für Menschen jedes Alters. Durch körperliche Kontakte wird das Immunsystem gestärkt, Stress baut sich leichter ab, und Menschen erleben mehr Freude.

Es gibt Regeln

Da „Kuschelparty“ kein geschützter Begriff ist, kann sie jeder anbieten und das nach seinen eigenen Vorstellungen. Zum ursprünglichen Konzept, nach dem auch Wiebke Schierding verfährt, gehört, dass zuerst Übungen zum gegenseitigen Kennenlernen stattfinden. Dann gibt es Berührungen unter Anleitung. Moderatoren sorgen für eine liebevolle Atmosphäre und dafür, dass die Regeln eingehalten werden. Und die lauten unter anderem: Nacktheit und Sex sind tabu. Wobei diese Regel zum Grübeln darüber anregt, wo und wann bei wem sexuelle Empfindungen beginnen.

Ein Abend mit und bei Wiebke Schierding kostet 18 Euro pro Kopf. Zu ihr kommen unterschiedlichste Menschen zwischen 30 und 60 Jahren. Die Organisatorin geht davon aus, dass zwei Drittel ihrer Teilnehmer Singles sind, und denen gehe es nicht vornehmlich um Partnersuche: „Sie kommen zu Kuschelpartys, weil sie andere spüren möchten.“ Sie finden Gelegenheit, sich bei jemandem anzulehnen oder mit geschlossenen Augen dessen Hände zu erkunden.

Erinnerung an die Urhorde

Was an diesen Abenden passiere, könne man mit den Körperkontakten in der menschlichen Urhorde vergleichen, sagt die Psychologin. Auf ihrer Website nennt sie ein Beispiel aus anderen Zeiten und Kulturen: „Früher war es oft so, dass es für alleinstehende Männer und Frauen jeweils eigene Schlafhütten gab. So verbrachte man die Nacht in der Wärme und Nähe von anderen Menschen.“ Um dieses menschliche Grundbedürfnis geht es bei den Kuschelpartys.

Bei der Organisation der Abende achtet Wiebke Schierding nicht auf ein besonders ausgewogenes Frau-Mann-Verhältnis. Dennoch kam es bisher meistens so aus, dass ebenso viele Frauen wie Männer teilnahmen. Und das ist gut so, denn die Psychologin macht die Beobachtung, dass es den meisten einfacher erscheint, mit Menschen des anderen Geschlechts zu kuscheln.

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