Das wäre ein Risiko
EMMI: Danke für Ihre SMS, lieber Leo.
LEO: Bitte!
–
LEO: Die hab ich Ihnen übrigens gern geschrieben, liebe Emmi. Ich finde, das musste einfach mal raus.
EMMI: Was musste raus?
LEO: Das alles.
EMMI: Und was besonders?
LEO: Das mit dem Treffen. Meinen Sie nicht auch, dass es Zeit wird?
EMMI: Ist vielleicht etwas überstürzt?
LEO: Wie bitte? Nach mindestens neunhundertvierundachtzig SMS habe ich das Gefühl, Sie schon im vorgeburtlichen Zustand gekannt zu haben.
EMMI: Trotzdem. Ich weiß ja noch gar nicht, wie Sie sich anfühlen. Wie Sie riechen. Riechen Sie nach Mann, lieber Leo?
LEO: Ich glaube schon. Ich meine, ich hoffe es. Wie soll denn ein Mann in Ihrer Nase ankommen?
EMMI:Leo, ich Sie übrigens auch.
LEO: Liebe Emmi, Sie mich was?
EMMI: Ich meinte die vorgeburtliche Phase. Kommt mir auch so vor. Dieses Gefühl berührt mich.
LEO: Ach so. Schön. Emmi, wie soll ein Mann riechen? Ich meine, was will IHRE Nase?
EMMI: Dasselbe wie ich.
LEO: Und was will Emmi?
EMMI: Wenn ich einen Mann umarme, will ich ihn riechen können.
LEO: Soweit sind wir leider noch nicht. Ich finde, wir sind noch weit davon entfernt, einander zu berühren.
EMMI: Könnte aber doch passieren. Oder glauben Sie nicht daran?
LEO: Gestern glaubte ich es noch. Aber vorhin fanden Sie schon ein berührungsfreies Treffen überstürzt. Sagten Sie jedenfalls. Ich glaube, solange Sie Ihre Handyrechnung bezahlen können, scheint Ihnen eine ausgemalte Wirklichkeit lieber zu sein als eine anfassbare.
EMMI: Sie wollen mich anfassen? Lieber Leo, jetzt sind Sie schon wieder zu eilig. Wir waren bei der Nase, noch nicht bei den Fingern.
LEO: Okay, liebe Emmi, stellen Sie sich mal vor, das, was Ihnen bei mir in die Nase steigt, würde riechen wie das, was Sie sich lesend erträumen. Was wäre dann?
EMMI: Das wäre ein Risiko.
LEO: Warum?
EMMI: Es könnte sein, dass ich dann mehr wollen würde.
LEO: Ich gehe gleich duschen.
EMMI: Sagen Sie mir vorher noch, würden Sie das Risiko eingehen?
LEO: Dieses Risiko ist nicht größer als das des Lebens.
EMMI: Wann fangen wir damit an?
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Wunderschön…loslassen und anfangen. Auf in die Zweisamkeit!
So klingt es gar nicht beängstigend sondern einfach nur fantastisch.
Genau das ist es, liebe Unbekannte: loslassen von der Furcht, es könnte schiefgehen.
Was wäre die Alternative? In der Furcht zu verharren?
Wenn wir das vorziehen, verharren wir in der Illusion eines lebendigen Lebens.