Liebe ART

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In jeder Beziehung.



Dialog-Beratung in Text und Gespräch. Themen: Persönlichkeit, Privatleben, Karriere.

Die heimliche Lust der Reichen

Luxus: Zeichen für Macht oder für eine heimliche Lust?Wenn Reiche sich illegal bereichern,
kann’s ihnen nicht nur um Geld
gehen. Was sie treibt, hat vielleicht
mit einer Lust zu tun, die auch
Arme kennen.

Warum tun sie das?

Bei der Frage, warum die, die schon „alles“ haben, noch mehr wollen, denke ich nicht nur über Post-Chef Zumwinkel, Konsorten und Geld nach. Der Gedanke ans Materielle liegt hier gewiss nahe, aber ich bezweifle, ob er der Antwort auf die aktuelle Frage nahe genug kommt.

In diesem Zusammenhang denke ich an die Binsenweisheit, dass Geld nicht glücklich macht. Dieser Spruch ist nicht erstlinig probates Beruhigungsmittel all jener armen Seelen, die vor Hunger nicht in den Schlaf kommen. Dieser Satz ist vor allem formulierte Einsicht jener, die es gewohnt sind, aus dem Vollen zu schöpfen und vom Rest der Welt darum beneidet werden.

Was Reiche betrübt

Diese Reichen – und dafür gibt es im Showgeschäft wie im Spitzenmanagement – zahllose Beispiele – beschleicht mit der Zeit nämliche eine armselige Erfahrung und Ahnung: Sie merken erstens, dass es kaum oder gar keine Erfüllung materieller Wünsche mehr gibt, die sie vor Freude fast vom Vorstandshocker reißt. Zweitens – und das stimmt noch trübseliger – begreifen sie, dass allzu viele ihrer Freunde in Wahrheit allenfalls Maden sind, die sich an des Reichen Speck laben (wollen).

Wer sich als Erfolgreicher dieser Ahnung ein wenig zu lange hingibt, sieht ruckzuck, was ihm bleibt, wenn sein Erfolg ausbleibt: Die Maden bohren sich umgehend so tief in den nächsten Speck, dass sie vom einstigen nichts mehr hören und sehen, und seine Freunde kann der Reiche vorschulkinderleicht an maximal zwei Fingern abzählen. Eine Lebenserfahrung, die der simpel gestrickte Hitparaden-Troubadour ebenso verzeichnet wie der akademisch gebildete Spitzenmanager.

Im Grunde wollen sie nur eins

Warum also diese verbissene bis illegale Jagd nach Geld und Erfolg? Was treibt diese Menschen an, sich beruflich so sehr ins Zeug zu schmeißen, dass sie keine Zeit mehr finden, zu Hause die Jacke auszuziehen? Was verleitet sie, das Risiko in Kauf zu nehmen, ihren Altersruhesitz nicht im Eigenheim, sondern im Knast zu beziehen?

Ich komme immer wieder auf eine einzige Antwort, die auf alle noch so unterschiedlichen Typen passt. Sie alle haben nämlich einen gemeinsamen Nenner – das sensible Seelchen ebenso wie der knochenharte Finanzjongleur und auch der grausame Despot: Sie sind Menschen, und als solche haben sie alle die elementare Sehnsucht, Anerkennung zu finden. Man könnte auch sagen, wenn es nicht so sentimental klingen würde: Im Grunde wollen sie vor allem lieb gehabt werden.

Der “geliebte” Despot

Mir ist klar, dass so gut wie keiner einen über Leichen gehenden Manager oder gefährlichen Despoten lieb hat. Da diese Mächtigen in ihrem Kern aber auch nur Menschen sind, ist es für sie im Alltagsgeschäft verdammt verführerisch, etwas Wesentliches schlichtweg zu übersehen. Und dies immer und immer wieder. Sie blicken liebend gern darüber hinweg, dass tosende Jubelrufe um sie herum und dass Massen, die sich als Bücklinge vor ihnen verbiegen, keine aufrichtige Verehrung zeigen. Sie bekunden eher die (menschliche) Schwäche, an der Seite eines Starken eigene Stärkung er erhoffen.

Kaum auszuhalten

Ein Erfolgreicher beziehungsweise Mächtiger braucht nicht nur Mut, sich dieser Erkenntnis zu stellen. Er braucht eine Stärke, die mit Macht und Geld wenig zu tun hat. Hat er sie nicht, hält er seine Erkenntnis nicht aus. Dann redet er sich lieber ganz, ganz schnell wieder in die Tasche, Jubelrufe seien Zeichen von Anerkennung. Hat er sie, hat er auch einen Sinn für die, die schweigen oder ihn kritisieren. Denn dann ist die Kraft seiner sozialen inneren Stimme sein wesentliches Kapital.

Comments

  1. März 6th, 2008 | 02:0

    Hah! Endlich bringts mal jemand auf den Punkt “Im Grunde wollen sie vor allem lieb gehabt werden.” :-D

    Toll geschrieben!

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