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Dialog-Beratung in Text und Gespräch. Themen: Persönlichkeit, Privatleben, Karriere.

Erlöste Scheidungskinder?

Scheidungskinderb.jpgImmer wieder gern stelle ich hier
die Ergebnisse neuer Studien und
Forschungsergebnisse vor. Dabei ist
mir klar, dass solche Erkenntnisse
nicht allesamt kritiklos geschluckt
werden sollten. Das gilt auch für
das Ergebnis einer Studie der
Münchner Ludwig-Maximilians-
Universität, das ich bei EliteBlog
fand. Sie hat sich mit der Frage befasst, wie Kinder mit der Scheidung
ihrer Eltern klarkommen.

Eine Binsenweisheit

Fazit der Studie: Heranwachsende finden im Durchschnitt zwei Jahre nach der Scheidung ihrer Eltern wieder zur Normalität zurück. Manchmal sei die Trennung der Eltern für Kinder auch eine Entlastung, so die Psychologie-Professorin Sabine Walper. Vor allem dann, wenn sie endlich nicht mehr den jahrelangen Streitereien ausgesetzt seien.

Letzteres ist zweifelsohne richtig. Darum werde ich demnächst noch detailliert auf dieses Thema eingehen. Aber während die Professorin ihre Erkenntnis verkündet, höre ich sämtliche Anhänger der Resilienz-Theorie applaudieren. Resilient nennt man Kinder, die traumatische Erlebnisse und soziale Krisen recht unbeschadet verkraften.

Das hätte ich gern erfahren?

Aufschlussreich wäre es gewesen, zu erfahren, welche Langzeitfolgen sich bei Scheidungskindern abzeichnen. Mich interessiert zum Beispiel, ob diese Kinder im Erwachsenenalter in der Lage sind, eine Beziehung in kniffligen Situationen konstruktiv anzugehen oder ob sie eher dazu neigen, in ernsten Krisen die Flinte ins Korn zu werfen.

Ganz abwegig scheint mir Letzteres nicht zu sein. Denn immerhin belegen zahlreiche andere Studien, wie sehr wir jedes Verhalten unserer Eltern – auch das schlechteste – verinnerlichen und nachleben. Selbst dann, wenn wir wissen, dass es nicht taugt.

Comments

  1. N.M.Betsch
    Juni 4th, 2007 | 08:0

    Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, egal wie es Eltern machen, in den Augen der Kinder ist es irgendwie immer falsch!

    Wenn man sich scheiden lässt, wird man früher oder später mit dem “warum” konfrontiert. Hält man der Kinder wegen eine Beziehung aufrecht, die keine mehr ist, muß man sich später mit der Frage “warum nicht” auseinander setzen!

    Ich glaube, dass ALLER WICHTIGSTE ist, das Erwachsene, die sich trennen, weil keine Beziehung mehr vorhanden ist, es schaffen auf einer freundschaftlich- partnerschaftlichen Ebene ein gutes Vorbild für die Kinder sind.

    Nur so werden Kinder auch den Respekt vor Ihren Eltern behalten, denn es bleiben ja die Eltern!!!

    Dies wiederum erleichtert den Kindern dann sicher in der Zukunft, eigene Beziehungen mit Respekt und Verantwortung zu gestalten.

    Denn eines ist sicher, “bis das der Tod Euch scheidet” hat heute einen ganz anderen Wert als noch vor Hundert Jahren, als Menschen schon rein versorgunstechnisch darauf angewiesen waren, einem Partner verbunden zu bleiben.

    In diesem Sinne

    NB

  2. tristan
    Juni 8th, 2007 | 11:0

    dass ergebnisse einer studie schon feststehen, bevor untersucht wird, weiß man. sprich: alles, was bewiesen werden soll, kann man beweisen. auch das gegenteil, so man will, nämlich dass das gros der scheidungskinder ebenfalls auf gescheiterte beziehungen zusteuern wird.

    man könnte sich hier stundenlang darüber unterhalten, wie repräsentativ dieser angeblich repräsentative querschnitt der befragten wirklich ist, ohne zu einem ergebnis zu kommen.

    das ist auch überflüssig, denn darum geht es gar nicht.

    viel wichtiger ist doch, sich zu überlegen, welche funktion oder welchen anspruch diese untersuchungen haben oder haben wollen.

    wollen sie uns zeigen, welche bandbreite an reaktionen, verhalten, konsequenzen es gibt – und damit den horizont erweitern, vielleicht nachdenklich machen, auch im zweifelsfall ein wenig erleichterung schaffen?

    oder fordern sie anspruch auf alleinige gültigkeit, wollen sie uns ein rezept anbieten, nach dem wir leben können?

    dazu brauchen wir keine untersuchungsergebnisse, die nur trocken sind im vergleich zu den möglichkeiten der rezeptbücher, die uns die tv-sender täglich in grellen farben bieten. da lernt der, der es gern bequem hat, in endlosen, grellfarbigen soaplektionen, wie heute beziehungen ablaufen.

    freilich, es ist eine andere klientel, die sich an sogenannten wissenschaftlichen untersuchungsergebnissen orientiert. aber gemeinsam ist diesen konsumenten doch eins: ihre suche nach orientierung in einer zeit, wo es immer weniger allgemein anerkannte regeln gibt, wie man sein leben zum erfolg führen wird.

    an sich wäre das kein problem. es ist einfach der preis, den wir alle zahlen, weil wir so viel raum gewonnen haben, unseren ganz individuellen weg zu gestalten, nachdem wir uns von den gesellschaftlichen zwängen, den normen und ihrem ballast befreit haben.

    nur leider haben es die meisten von uns – es sei dahingestellt, auf welche weise und warum – verlernt, auf das zu achten, was dann noch als richtungsweisend bleibt: unsere innere stimme, manche nennen es auch den bauch, oder das herz. der zugang dazu scheint verstellt, in der zu lauten, zu hektischen zeit, die keine ruhe mehr gibt, immer wieder drauf zu hören, ob das, was sich grade abspielt in meinem leben, sich auch wirklich richtig anfühlt.

    wäre das möglich, so könnte sich wieder eine innere sicherheit einstellen, die es überflüssig macht, irgendwelche ergebnisse oder fragwürdigen vorbilder vor den wagen zu spannen.

    und genau das wäre das beste, was eltern ihren kindern mitgeben könnten. ganz egal, ob man sich nun trennt, zusammenbleibt, sich auseinandersetzt, es nochmal probiert, immer wieder abwägt und dann vielleicht doch die oder eine andere konsequenz zieht. die kinder würden schon spüren, dass, egal mit welchem resultat, die erwachsenen es sich nicht leicht gemacht haben. sie würden lernen, was wichtig ist im leben – nämlich nicht, verantwortungslos zu handeln und sich durch bezugnahme auf einen der vielen freibriefe, die heutzutage überall zu haben sind, aus der pflicht zu ziehen, aber auch nicht, dass auf jeden fall der äußere schein der intakten welt aufrechterhalten werden muss, nur weil bei den nachbarn auch alles in ordnung scheint.

    sie würden ihre eltern als authentische menschen kennen lernen, die ihnen vermitteln, dass lebendigsein ein zustand der bewegung ist, der nicht irgendwann einer endgültigen etabliertheit weicht, dass aber dennoch werte existieren und wachsen, die veränderungen überdauern.

    und dass daraus genau dieser einzigartige lebensweg wird, den es immer nur einmal gibt, und dessen konzept uns keiner abnehmen kann.

    dass das anstrengender ist, als im rezeptebuch zu blättern, ist klar. aber vergessen wir nicht: bei dem thema geht es um dauerhafte beziehungen, das gründen einer familie und alles, was dann an lebendigem und unerwartetem geschehen mag. das darf schon mal ein halbes leben dauern, da dürfen wir uns schon ein bisschen mühe geben, oder nicht? und dass alles , was ein kleiner mensch in dieser zeit erlebt, länger prägen wird als nur zwei jahre, versteht sich auch von selbst.

  3. Juni 30th, 2007 | 02:0

    Ich selbst bin ein 41jähriges “erwachsenes Scheidungskind” und weiß aus eigener Erfahrung, dass mich die Scheidung meiner Eltern sehr geprägt hat und auch meine eigene Ehe dadurch beeinflußt wurde.

    Wer also heute noch behauptet, dass ein Kind nach 2 Jahren dieses Scheidungserlebnis verarbeitet hat, handelt in meinen Augen mehr als fahrlässig.

    Seit ich mich mit dieser, meiner Thematik mehr auseinandergesetzt habe, wurde mir klar, woran es liegen kann, dass auch heute noch so unterschiedliche Sichtweisen über mögliche Spätfolgen von Scheidungskindern herrschen. Ich konnte feststellen, dass viele Scheidungskinder sich in ihrer Kindheit einen Schutz zulegen und deshalb auch anfangen zu Verdrängen. Dies führt dazu, dass es kaum öffentliche Statements von “erwachsenen Scheidungskindern” gibt und meist nur von ein paar wenigen Langzeitstudien (die es erst seit ca. 1997 gibt)berichtet wird.

    Diese Studien können nicht die einzelnen Individuen darstellen, jedoch zeigen sie uns deutlich, dass eben Spätfolgen in einer höheren Rate, als zuvor angenommen, aufgetreten sind. Ich persönlich will mich nicht alleine nur auf diese Studien stützen und habe deshalb ein Selbsthilfe-Forum für erwachsene Scheidungskinder eingerichtet ( http://www.eskhilfe.de.vu ) wo es mir besonders darum geht, mit Einzelschicksale deutlicher zu machen, was denn da eigentlich passiert. Ich mußte feststellen, dass wirklich jede Geschichte anders ist, jedoch sehr prägende Verhaltensweisen bei vielen aus diesem Trennungs-Erlebnis kommen und sich ähnlich in späteren Jahren zum Vorschein kommen können.

    Ich habe z.B. Studien gelesen, wo darüber berichtet wurde, dass Scheidungskinder weniger konfliktfreudig wären und meist auch in Ihren eigenen Ehen scheitern (der prozentualle Anteil war höher, als bei sogenannten “heile-Welt-Kindern”). Diese Ergebnisse decken sich auch mit meinen persönlichen Erfahrungen und teile dies auch mit vielen weiteren Scheidungskindern, mit denen ich aufgrund meiner Selbsthilfeseite in Kontakt kam.

    Dies ist auch der Grund, warum ich nun verstärkt an die Öffentlichkeit gehe, weil m.E. immer noch zu wenig darüber aufgeklärt wird, welche gravierende Spätfolgen es geben kann. Zum einen hoffe ich sehr, dass weitere Betroffene meinem Beispiel folgen werden, weil ich nur allzu gut weiß, dass Verdrängen nicht Verarbeiten heißt und so, ähnlich einer “tickenden Zeitbombe”, sich dies irgendwann sehr negativ auswirken kann. In meinem Fall begann die Bombe zu ticken, als mein Vater starb.

    Ich habe hierzu ein Fernseh-Interview gegeben, welches auch auf meiner Selbsthilfe-Site hinterlegt ist.
    Ich lade besonder die Eltern ein, die meist aus Hass auf das anderen Elternteil dem gemeinsamen Kind dadurch erheblichen Schaden zufügen können. Aufgrund meiner Recherche konnte ich erfahren, dass diese nur allzu menschliche Verhaltensweise auch heute noch sehr verbreitet ist (siehe: http://www.eskhilfe.de.vu im Menue “Videos (PAS & eSK)”.

    Viele Grüße,

    emuc

  4. Frank
    Februar 4th, 2008 | 04:0

    Meine Ehefrau ist ein 30-jähriges Scheidungskind.
    Ihre Eltern haben sich scheiden lassen, als sie 3 Jahre alt war. Der Vater war Alkoholiker.

    Wir haben 2 Kinder, 4 und 1 Jahr alt. Im letzten Jahr hatten wir viel Stress, weil wir ein Haus gebaut haben. Ich gebe es zu, die Liebe ist zu kurz gekommen. Mir hat es nicht so viel ausgemacht: ich hab viel gearbeitet und war abends fertig.

    Meine Frau hat sich nie beschwert. Statt dessen hat sie eine Affäre angefangen, an der unsere Ehe fast zerbrochen wäre. Jetzt nach Beendigung der Affäre sucht sie permanent nach Anzeichen für ihre Annahmen, ich würde sie nicht lieben, hätte sie nie geliebt, würde nur der Kinder wegen bei ihr bleiben, würde sie für dumm halten.

    Ihr Arzt sagt: Psychose.

    Ich meine, sie hat nie verwunden, daß ihr Vater die Familie verlassen hat und projeziert ihre Selbstzweifel auf mich.

    So leidet unsere ganze Familie darunter, auch unsere Kinder: unter der Affäre, die sie mitbekommen haben, und unter dem Streit, den wir haben.

    Ich kann hier nichts von “erlösten Scheidungskindern” erkennen, eher unter einem Fluch, der sich auf die nächste Generation fortsetzt.

  5. Regina
    März 19th, 2008 | 11:0

    Ich bin kein Scheidungskind, sondern selbst geschieden. Ich habe heute noch manchmal Mitleid mit meinen Kindern (18 und 20), dass ihre heile Welt vor 10 Jahren zerbrach. Das war in der Pubertät sehr unproduktiv für die Erziehung. Aber ich sehe heute auch, was sie an Positivem dadurch mitbekommen haben: statt nur das schlechte Vorbild sich streitender Eltern haben sie bei ihrem Vater eine positive und eine negative Beziehung erlebt. Da ich einige Jahre allein war, haben sie erlebt, dass eine Frau auch allein ihre Existenz bestreiten kann – meine Tochter profitiert gerade auf ihrem Weg ins eigene Leben sehr davon. Und seit Jahren erleben sie bei mir, dass eine Beziehung kein Selbstläufer ist, sondern Höhen und Tiefen hat und bei “guter Pflege” für alle eine Bereicherung ist.
    Sicher geht vor allem meine Tochter vorsichtiger mit Beziehungen um als ihre Freundin aus heiler Familie, die die Zerbrechlichkeit nie am eigenen Leib erlebt hat. Aber ist das schlecht? Sind nicht viele Ehen deshalb so übel, weil man sich des anderen zu sicher ist und sich nicht mehr um ihn bemüht? Und seit die Ehe der Eltern einer 50jährigen Bekannten zerbrach, weiß ich, dass es auch mit 50 als schmerzhaft erlebt wird, wenn die Eltern sich trennen.
    Aber ich erwarte von jedem Erwachsenen, dass er mit den Rechten, die er als Erwachsener selbstverständlich haben will, auch die Verantwortung für sein eigenes Leben übernimmt. Ansichten à la “ich bin so …, weil meine Eltern …” sind bequem und feige. Eltern geben, was sie können, und das ist manchmal sehr wenig. Die Geschichte ist voll von Menschen – prominenten und unbekannten – die gerade deshalb bewundernswerte Persönlichkeiten wurden, weil sie Schwierigkeiten erlebten, an denen sie wuchsen.
    Damit komme ich zum Kern: in der Kindheit erlebte Scheidungen sind nur ein Aspekt von in der Kindheit erlebten Schwierigkeiten. Man sollte nicht nur Scheidungen betrachten, sondern Schwierigkeiten ganz allgemein. So wie ein Baum mehr Halt hat, wenn er als Schößling seine Wurzeln durch Erde und Steine schieben musste als wenn er in Sand gepflanzt wurde.
    Und solange ich eigenes Fehlverhalten begründe mit “weil meine Eltern …”, so lange gebe ich ihnen Macht über mein Leben und bin nicht Herr bzw. Frau meiner selbst.

  6. Daniela
    Januar 3rd, 2009 | 12:0

    Ich bin 25 Jahre alt und zukünftige Scheidungskind. Vor ein paar Tagen hat mein Vater meiner Mutter eröffnet, er habe eine Freundin, die er liebt, und für meine Mutter nur noch freundschaftliche Gefühle.
    Bisher dachte ich immer, dass die Scheidung der Eltern für Erwachsene viel leichter zu verarbeiten oder verstehen sei, aber ich bin taub vor Trauer und Wut. Ich bin selber verheiratet und habe eine kleine Tochter. Jetzt fürchte ich, dass meine Ehe unter der Trennung meiner Eltern leiden könnte, weil ich dadurch völlig lethargisch bin.
    Leider finde ich im Internet kein Forum, an das ich mich wenden kann, sondern nur Seiten für Scheidungskinder die bei der Trennung der Eltern tatsächlich noch Kinder waren und nun erwachsen geworden sind. Kann mir vielleicht Jemand helfen?

    Ob Scheidung als Befreiung empfunden werden kann…ich weiß es nicht. Die Ehe meiner Eltern war seit Jahren nicht mehr schön. Kein Streit, keine Gewalt ohne Ähnliches. Ich würde es eher Desinteresse seitens meines Vaters gegenüber meiner Mutter nennen. Dass sich etwas ändern musste, empfand ich auch so, aber ich hatte nach 26 Ehejahren eigentlich darauf gehofft, dass man die Ehe zu retten versucht. Es ist keine Befreiung für mich. Es ist eine Sperre.

  7. djtoktok
    Januar 11th, 2009 | 01:0

    was die worte von tristan versuchen zu erklären….kann besser hier keiner wiedergeben!!! danke für diesen beitrag…wohl gewählte worte – ohne den sinn, ausser acht zu lassen – tres bien!!!

    solltest du jemals wieder auf dieser seite sein…so sende mir bitte deine mail adresse…merci beaucoup…und häbbie nju jear:)

    djtoktok@googlemail.com

    ansonsten euch allen, glück und gesundheit auf all euren wegen….und weil dies nicht immer reicht…auch gottes segen!!!

  8. Lutz
    Juni 1st, 2009 | 04:0

    Ich bin 41 Jahre alt, selbst ein Scheidungskind und gebe diese Last – denn das ist es – leider an meine Kinder weiter, denn meine Frau lässt sich von mir scheiden. Das Kinder bei einer Scheidung keine Verletzungen davontragen, ist möglich. Aber meiner Meinung nach geschieht dies nicht oft, die Wunden werden versteckt, und bei Gelegenheit tun sie dann weh – die eigene Ehe scheitert, man gibt Verhaltensweisen weiter, von denen man weiß, dass sie falsch sind etc. Natürlich muss ich für mein eigenes Leben Verantwortung übernehmen, was ich auch getan habe, aber ich (jetzt spreche ich für mich, bitte nicht verallgemeinern, auch wenn es Parallelen gibt) war mir dieser Verletzungen nicht sehr bewußt. Ich merkte zwar, dass da was ist, aber das aufzuarbeiten tat teilweise so weh, dass ich es gelassen habe. Ich dachte ja, dass es nicht so schlimm ist. Die Quittung habe ich nach 12 Jahren Ehe und 4 Kindern erhalten.
    Dass die Verhaltensweisen der Eltern eine Rolle spielen und auch mein Verhalten beeinflussen, brauche ich nicht erst zu erwähnen. Jetzt knabbere ich halt an den Folgen. Was ich nie gelernt hatte, war mich mitzuteilen. Und was unsere Ehe am meisten zerstört hat, war eine fehlende Beziehung, und diese wird über Kommunikation aufgebaut und gepflegt.
    Meiner Meinung nach geht Scheidung immmer mit Verletzungen einher – egal wie alt man ist – und diese Verletzungen MÜSSEN aufgearbeitet werden, sonst gibt man sie nur weiter und weiter und weiter …..

  9. November 21st, 2009 | 07:0

    Ich bin selbst ein Scheidungskind (44), habe 2 Kinder und lebe erstaunlicherweise noch immer in erster Ehe mit Mann und Kindern zusammen.

    “Erlöste Scheidungskinder” gibt es m. E. nur im Gewalt- und Missbrauchskontext. Ansonsten erleben – denke ich fast alle – Kinder eine Scheidung als “Bruch” in ihrem Leben, und das hat ganz einfache und auch einsichtige Gründe: Mit der Scheidung endet das gemeinsame Projekt “Kind(er)” auf die eine oder andere Weise. Die Eltern orientieren und konzentrieren sich verständlicherweise auf “neue” Interessen/Partner etc.

    Diese neuen Interessen kollidieren – zumindest zeitmäßig – mit den Interessen der Kinder.

    M. E. handelt es sich um einen systhemischen Zielkonflikt, der auf Elternseite sehr schwer oder gar nicht zu lösen ist (….es müssten beide Eltern ihr Leben beinahe “aufopfern”….);

    Scheidungskinder sollten sich daher bewusst sein,

    - dass es ein “Systemkonflikt” ist, der sie leider benachteiligt

    - sich nicht mit Kindern aus intakten Familien zu vergleichen, denn das vergrößert ihr empfundenes Leid

    - dass sie es mit ihrer “eigenen Familie” besser machen sollten

    LG
    Christiane

  10. Michaela
    Januar 12th, 2010 | 11:0

    Ich bin 36 Jahre alt und auch ein Scheidungskind. Dies hat mir – so war ich überzeugt – eigentlich nicht viel ausgemacht, da ich meinen leiblichen Vater nicht kannte und mein Stiefvater mir, durch übermäßigen Alkoholgenuss und Gewalttätigkeiten an meiner Mutter, nicht sonderlich sympatisch war. Meine Mutter, eine sehr labile Frau, verfiel ebenfalls dem Alkohol. Folglich kümmerte sich meine Mutter nicht mehr in dem Maße um uns Kinder, wie es eigentlich ihre Aufgabe gewesen wäre. Wir (4) waren also auf uns selbst gestellt und haben zu dem noch ständig versucht unsere Mutter zu “heilen”.

    Mit 16 hatte ich dann die erste Begegnung mit dem männlichen Geschlecht, bei dem sich auch Verliebtheit einstellte. Ich wurde schwanger. Später heiratete ich den Vater meines Sohnes. 15 Ehejahre gingen ins Land, in denen ich mehr oder weniger glücklich war. In diesen Ehejahren bekam ich zwei weitere Kinder, Mädchen. In unserer Ehe habe ich nie einen Widerspruch meines Mannes mir gegenüber erfahren, obwohl ich das, ich weiß nicht wie oft, erbeten habe. Nun nach außen schien alles Friede-Freude-Eierkuchen. Wir waren für unser Umfeld eine “Bilderbuch-Familie”. Ich wurde bewundert, für die Geduld, die ich meinen Kindern gegenüber aufbrachte, für die Zeit die ich mit ihnen verbrachte. So war ich mit meinem Sohn bis zu seinem 16. Lebensjahr joggen und später Inline skaten. Die Mädchen habe ich auch ans skaten rangeführt. Die Kleine (8 Jahre) macht das auch bis heute mit Begeisterung. Sie freut sich jetzt schon auf die nächste Möglichkeit. Außerdem liebt sie Pferde über alles und sie reitet seit einem halben Jahr.

    Seit Sommer 2007 sind meine Kinder auch Trennungs-/Scheidungskinder. Ich konnte einfach nicht mehr. Mein Ex-Mann war ein super toller Hausmann, aber ich habe weder Liebe mir, noch den Kindern gegenüber gespürt. Die Erziehung der Kinder bestand darin, ihnen in lautem Tonfall mitzuteilen, wie er es gerne hätte. Gemeinsame Aktivitäten gab es nur, wenn ich sie organisiert habe und jedesmal hatte ich das Gefühl, dass er das nicht wirklich will. Er hatte einen Job als LKW-Fahrer und nutzte seine Freizeit hauptsächlich, um sich auszuruhen. Er war einfach zufrieden mit seinem Leben. Ich wollte nicht so dahin vegetieren.

    Für unsere Kinder waren die letzten 2 Jahre sehr belastend und das werden sie auch weiterhin sein. Mein Ex-Mann, hat beide Mädchen (mein Sohn ist inzwischen erwachsen und hat vor ein paar Tagen seine eigene Wohnung bezogen) vor Gericht gezogen. Erst hat er ihnen erzählt, was ich für eine schlechte Mutter wäre, dass ich ihn betrogen hätte… und was ich alles falsch machen würde. Er erzählt ihnen wie schön sie es doch bei ihm haben könnten. So hat er mir die große Tochter (11 Jahre) im Sommer 2008 nicht mehr zurückgebracht. Er hatte sie dann endlich soweit, dass sie bei ihm bleiben wollte. Dort waren ja auch ihre Großeltern und der große Bruder. Die konnte ich ihr aus o. g. Gründen nicht bieten. Mein Ex-Mann hat das ABR für sie bekommen, mit der Begründung, dass sie die negativen Einstellungen des Vaters gegenüber der Mutter schon so verinnerlicht hätte, dass es nicht zum Wohle des Kindes wäre, sie bei der Mutter zu lassen.

    Im Sommer 2009 wollte er mir die kleine Tochter auch nicht mehr zurückgeben. Er hat sie mit zu seinem Anwalt geschleppt, bei dem sie eine Aussage gegen mich als Mutter tätigte. Ich bekam sie per einstweiliger Verfügung zurück. Sie erzählte mir später eine Geschichte die sie dem Richter in ihrer Anhörung erzählen sollte. Es war ein einziges Durcheinander, dessen Bedeutung meine Tochter nicht verstand. In dieser Anhörung gab sie später nur das wieder, was sie tatsächlich empfindet und ich bin richtig stolz auf sie. Sie sagte, sie könne sich nicht für einen Elternteil entscheiden, da sie beide liebe. Ich möchte ihr dieses Gefühl, beide Eltern lieben zu dürfen, möglichst erhalten, aber es funktioniert nicht, wenn nur ein Elternteil mit den Augen des Kindes schaut.

    Mein großer Sohn spricht zwar mit mir, aber nur wenn es sich nicht vermeiden lässt. (Er lernt in der gleichen Firma, in der auch ich arbeite.) Ich habe ihn immer wieder angesprochen, bis ich gemerkt habe, dass er mir aus dem Weg geht. Meine große Tochter kommt nur an den Besuch-Wochenenden zu mir, weil sie, nach eigener Aussage: “vom Gericht herkommen muss.” (Sie hat mir gegenüber im Frühjahr 2009 schon mal angedeutet, dass sie ja sobald sie 12 Jahre alt ist, nicht mehr zu mir kommen muss.)

    Gestern gab es wieder eine Verhandlung bezüglich meiner kleinen Tochter, bei der wir aufgefordert wurden, uns friedlich zu einigen und über den Verbleib der Kinder nachzudenken. Von meiner Seite gab und gibt es keine Einwendungen. Obwohl ich weiß, dass ich meine Kinder wahrscheinlich verlieren werde, werde ich mich nicht auf das Niveau meines Ex-Mannes herablassen. Die Reaktion meines Ex-Mannes war, dass er seinen Sorgerechts-Antrag auf jeden Fall aufrechterhalten will, weil er im nächsten Jahr nicht wieder vor Gericht sitzen will.

    Ich denke es ist nicht schwer herauszufinden, um was es hier eigentlich geht. Vielleicht sollte ich noch sagen, dass ich die Ehe beendet habe und sehr schnell einen neuen Partner hatte. Mit diesem bin ich heute verheiratet. Wir führen seit über zwei Jahren eine Beziehung mit Höhen und Tiefen. Wir haben gemeinsame Interessen, streiten aber auch ganz gerne mal miteinander. Aber das Wichtigste ist, wir lieben uns. Abgesehen von den Angriffen von außen, ist unsere Beziehung einfach wunderbar.

  11. Karolin
    Mai 5th, 2010 | 08:0

    Ich bin 30 Jahre und wie Daniela auch NOCH kein Scheidungskind, ich empfinde es ganz ähnlich wie Daniela und bin auch ganz verzweifelt auf der Suche nach einem Forum oder sogar Selbsthilfe Gruppe für Kinder die erst im Erwachsenenalter Scheidungskinder wurden oder werden. Es ist schwierig was zu finden und würde mich freuen wenn hier jemand einen Tipp geben könnte. Es tat auf jeden Fall schon gut von Daniela zu lesen. Man kommt sich etwas doof vor wenn man als Erwachsene noch wie ein Kind heulend zusammenbricht. Meine Eltern streiten seit Jahren bzw Jahrzehnten immer wieder aufs neue man kann sich drauf verlassen wie auf die Jahreszeiten. Sie hatten eine Eheberatung was meiner Meinung nach lange Ruhe und vorallem Frieden brachte. Jetzt sind sie beide so dickköpfig und beide nicht stark genug auf seine Gewohnheiten und Trotzreaktionen zu verzichten. Mein Vater hat es jetzt zum ersten Mal ausgesprochen und schaut sich schon nach einer Wohnung um. Seit ich meinen Mann an meiner Seite habe stecke ich nicht mehr in tagelangen Heulereien fest. Seit meine Tochter auf der Welt ist habe ich auch nicht mehr das Gefühl es zerreist mich innerlich, einsig und alleine aus dem Grund dass ich sie davor schützen will. Sie soll nicht mitbekommen wie Oma und Opa sich steiten und auch noch darunter leiden.
    Daniela, (und alle anderen Scheidungskinder) wir müssen eines auf jeden Fall tun: Wir müssen alles dafür tun dass wir es besser machen. Ich möchte auf keinen Fall dass meine Tochter nur annähernd diese Trauer spüren soll wenn Mama und Papa sich streiten. Ich würde ohne mit der Wimper zu zucken mein Leben für meine Tochter geben also muß es doch eine Leichtigkeit sein mit dem Mann den ich von ganzem Herzen liebe eine glückliche Beziehung bis zum Schluß führen zu können. Ich kann nur hoffen dass es gelingt und daran arbeiten und diese Liebe hegen und pflegen. Das größte Ziel in meinem Leben ist eine harmonische Familie zu haben.
    Und das wünsche ich jedem von Euch, ganz viel Liebe und Harmonie die ihr weitergeben könnt!

  12. J.Schr.
    Mai 28th, 2010 | 10:0

    Ich bin ein 21jähriges Scheidungskind. Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich 12 jahre alt war.

    Ich höre von vielen anderen Scheidungskindern, was es für eine Erleichterung gewesen wäre, dass die Streitereien zu Ende gegangen wären. Hierbei kann ich nicht mitreden. Meine Eltern haben NIE vor meinem Bruder und mir gestritten. Mitbekommen habe ich die Sache erst, als der altbekannte Satz beim Abendessen “Mami und Papi haben sich nicht mehr lieb” verkündet wurde. Herausgerissen aus einer heilen Welt.

    Ich hatte damals große Rückenprobleme, bin im Kader Springen geritten und stand kurz davor, mit dem Reiten aufhören zu müssen. Unser Hausarzt emfahl einen Experten. Mit diesem Experten bandelte meine Mutter an und betrog meinen Vater. Der Mann, den sie durch mich kennengelernt hatte, weil ich unbedingt weiterhin reiten wollte… Dies war der Scheidungsgrund.

    Mein Vater war am Ende, später laß ich aus seinen damals geführten Tagebüchern von Selbstmordgedanken… Meine Mutter streitet bis heute ab, dass sie meinen Vater betrogen hat (durch heimliches Lesen ihrer SMS weiß ich, dass sie lügt…).

    Bis jetzt war ich der Meinung, dass ich alles relativ gut verarbeitet habe. Mit den neuen Partner meiner Eltern komme ich gut aus. Mit Beziehungen hat es meist nicht funktioniert, die Schuld daran gebe ich aber nicht dem Erlebten.

    Ich war letzte Woche mit einer Freundin im Kino. “Mit dir an meiner Seite”, nach der Hälfte des Films (der AM RANDE auch das Thema Scheidug aufgreift) habe ich das Kino verlassen und hatte Minuten später einen Nervenzusammenbruch. Vergessene Gefühle, Heulkrämpfe, Muskelzittern,…
    Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich hatte in den letzten Jahre keine Probleme, über Scheidung zu reden (sei es allgemein oder persönlich erlebt). Nie kamen dabei Gefühle oder sonstiges hoch. Und nun nach all diesen Jahren das…

    Momentan bin ich mit der gesamten Situation überfordert. Ich will mich meinen Eltern was das angeht nicht anvertrauen.

    Hat hier vll jemand ähnliche Erfahrungen? Ich weiß nicht, wie ich damit umgehn soll… seit diesem besch*** Film stehe ich emotional total neben mir, ahbe wegen jeder Kleinigkeit einen Kloß im Hals, etc… so bin cih sonst nicht und diese Seite kenne ich auch nicht von mir!

  13. Karolin
    März 26th, 2011 | 01:0

    Hallo J. Schr., 21 jähriges Scheidungskind,

    etwas spät, man sieht man kommt immer mal wieder über die Scheidung hinweg weil es im eigenen Leben wirklich gute Phasen gibt, aber ganz…. kann ich noch nicht sagen, vielleicht in 50 jahren.

    Was ich Dir und vielleicht auch anderen raten kann. Es gibt ein Forum im Internet http://www.scheidungskinder.de Bei Rat und Hilfe kann man selbst posten und es wird fast immer geantwortet. Was mir sehr geholfen hat war seltsamer weise auch die Geschichten anderer zu lesen, ob das nun scheidungskinder mit hohem oder niedrigen Alter sind oder Eltern die ihre Geschichte erzählen. Es ist interessant, ich weine fast immer beim lesen, aber irgendwie hilft es und wie gesagt man kann auch selbst posten, auch die antworten anderer haben mir manchmal etwas geholfen.

    Ich wünsche Dir dass Du bald wieder besser damit umgehen kannst, schon seltsam wieviel die Eltern ohne das zu wollen in ihren Kindern kaputt machen können. Wie Du vielleicht hier gelesen hast…ich versuch mein Bestes es einfach nur Besser zu machen. Ich erwarte mein zweites Baby und das oberste Gebot ist diese Liebe zu meinem Mann zu pflegen, weil es unser beider Wille ist bis zum Schluß zusammen zu leben. Ich wünsche jedem dass er den passenden Partner findet und es mit diesem schafft in Harmonie zu leben. Zumindest wenn Kinder da sind.

    In diesem Sinne, ein harmonisches Wochenende!

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