Liebe ART

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Maria Furtwängler wirft Fragen auf

1b.jpg“Davon möchte ich meinen Kindern
erzählen, weil es um Werte geht,
die so unendlich fern scheinen”.
Das sagt Maria Furtwängler (links),
“Tatort”-Kommissarin, über ihre Rolle
als Lena Gräfin von Mahlenberg
in dem TV-Film “Die Flucht”.

Eine Pflicht, die größer ist

Film.jpgIn dem Zweiteiler geht es nicht nur um die Flucht aus Ostpreußen vor der Roten Armee. In ihrer Rolle als ostpreußische Gräfin wirft Maria Furtwängler auch Fragen nach einer preußischen Disziplin auf, die das Relikt einer längst vergangenen Zeit zu sein scheint. Was sie in ihrer Rolle spürbar macht, ist: Über die eigene Not und über alle emotionalen Verletzungen hinaus gibt es eine Pflicht, die größer ist. Gegenüber dem TV-Magazin Gong sagt die Schauspielerin: “Heute beschäftigen wir uns dauernd mit unseren emotionalen Befindlichkeiten. Meine Gräfin erlebt ständig Extremsituationen. Aber über ihren eigenen Interessen steht für sie die höhere Idee: Die Verantwortung für die Leute.”

Liebe ART fragt

Preußische Diszipin zu zeigen, heißt: selten Gefühle zeigen, sich selbst gegenüber streng sein, Autorität ausstrahlen, ein Ziel mit eisernem Willen verfolgen. Ist das eine erstrebenswerte Haltung? Wo muss Disziplin ihre Grenzen haben? An ihrer allzu preußischen Haltung können Menschen auch vor die Hunde gehen – auch die, die der eisernen Disziplin ausgesetzt sind. Das zeigt die Lebensgeschichte der Karin Krogmann im Liebe ART-Roman TOTgeliebt.

3b.jpgWeitenteils ist heute eine ganz andere Lebensform gefragt, gefördert, akzeptiert: die eigene Lust entdecken, tun, was Spaß macht, miese und großartige Gefühle zeigen, der eigenen Leidenschaft folgen, Erfüllung suchen und finden.

Maria Furtwänglers Rolle wirft diesbezüglich Fragen auf: Geben Menschen heutzutage in schwierigen oder unangenehmen Situationen des Berufs oder der Partnerschaft zu schnell auf? Verliert man bei der Suche nach schneller Erfüllung seine eigentlichen fern liegenden Ziele aus den Augen? Ist wahre Erfüllung vielleicht gerade durch preußische Disziplin erreichbar?

Liebe ART-Leser sind gefragt!

Comments

  1. März 3rd, 2007 | 08:0

    Es erscheint mir fragwürdig, mit dem Begriff der preußischen Disziplin die in Zeit und Ausdehung weitaus umfassendere Tabuisierung aller Sexualität, des Körperlichen, ja, des Körpers überhaupt benennen zu wollen und so in Folge die preußische Disziplin symmetrisch der Freizügigkeit oder gar der Spaßgesellschaft gegenüber zu stellen.
    Ich denke, das Schlüsselwort liegt im Satz von Maria Furtwängler von der höheren Idee: “Die Verantwortung für die Leute”, wobei ich das Wort Verantwortung betonen möchte. Und noch differenzierter: die Eigen-Verantwortung.
    Nur derjenige, der den Mut und die Kraft hat, für sich selbst verantwortlich zu handeln, hat die Größe, auch mit anderen und für andere wirken zu können. Aus dieser Eigenverantwort-lichkeit heraus läßt sich Beziehung in jeder Hinsicht erfüllbar leben.
    Die eigentliche Differenzierung liegt vielleicht darin, daß zur Zeit Preußens die Verantwortung hierarchisch abgetreten wurde, wohingegen es heute, innerhalb einer größeren Freiheit und auch Freizügigkeit, immer dringender erscheint, eigenver-
    antwortlich zu handeln.

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