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Da vergeht manchem Mann das Lachen

Da vergeht manchem Mann das LachenDie US-Humorforscherin Gina Barreca
analysiert, warum auf Damentoiletten
viel mehr gelacht wird als nebenan bei
den Männern. – Das ist kein Witz. Und
das Ergebnis ist auch nicht witzig.

Zwei Dinge weiß der Mann

Was der Wissenschaftlerin klar geworden ist, klingt überspitzt ausgedrückt so: Steckt man drei Frauen länger als drei Minuten zusammen, haben sie – egal, ob sie sich vorher kannten oder nicht – hochwichtige Details ihres Innenlebens ausgetauscht und angefangen zu lachen. Männer hingegen können ein halbes Leben lang miteinander Karten dreschen und wissen allenfalls zwei Dinge über ihre Mitspieler: ihre Vornamen und die Marke ihrer Autos.

Natürlich können Männer auch Witze erzählen. Ja, dies scheint geradezu ihre Domäne zu sein, denn es fällt auf, dass Frauen die Gesellschaft eher selten mit Witzen unterhalten. Wenn sie es tun, folgen sie meistens einer weiblichen Tradition des Humors: Sie bleiben unter sich. Ihr Gelächter in der Küche oder im Umkleideraum macht hörbar, dass Frauen in einer ausschließlich weiblichen Runde witzeln und Spaß daran haben.

Lachen ist männlich, Weinen ist weiblich

Lange Zeit war Humor tatsächlich reine Männersache. Der Philosoph Immanuel Kant sprach Frauen sogar jeglichen Humor ab, indem er behauptete: „Lachen ist männlich, Weinen ist weiblich.“ Und im Zirkus waren weibliche Clowns eine Ewigkeit lang undenkbar.

Helga Kotthoff ist Humorforscherin und Professorin an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg. In einem Gespräch mit der Zeitung „Die Welt“ sagt sie: „Männer sind nach wie vor die Meister des vorgefertigten Witzes, den sie jederzeit und überall wiederholen können.“ Ein Phänomen, das laut Kotthoff seine Ursache vor allem darin hat, dass Männern die „monologische Vortragsart einfach mehr liegt als Frauen“.

Das sollte eine Frau mal versuchen

Aber Frauen erzählen nicht nur seltener Witze als Männer, ihre Witze sind auch anders. Männer können sich über Witzfiguren doofer Frauen totlachen. Ebenso über Blondinen, Nutten, Emanzen, Hausfrauen, Ehefrauen, Schwule und Geliebte. Aber es sollte mal eine Frau versuchen, Männern einen Witz über typische Männer zu erzählen. Ihre Zuhörer zögen ein Gesicht, als würden sie unterm Bohrer ihres Zahnarztes liegen.

Frauen hingegen neigen dazu, sich per Witz selbst durch den Kakao zu ziehen. Sie erzählen Geschichten aus ihrem täglichen Leben, indem sie humorvoll gestehen, wie sie es geschafft haben, die eigene Stoßstange in Nachbars Kotflügel zu rammen.

Das traut sich nicht jeder

Zahlreiche soziologische und psychologische Studien beweisen, dass die Gesellschaft von Jungen einen anderen Humor erwartet als von Mädchen. Nach Meinung des amerikanischen Soziologen Paul McGhee schreiben diese sozialen Normen vor, dass „Männer den Humor initiieren, Frauen hingegen darauf reagieren.“ Er weist drauf hin, dass Jungen schon ab dem Alter von drei Jahren häufiger in der Rolle des Spaßmachers brillieren, während Mädchen in erster Linie darüber lachen dürfen. „Die Jungen machen die Witze, Albereien und Clownereien, und die Mädchen lachen“, erklärt McGhee.

Sich vor eine Gesellschaft zu stellen und Witze zu machen, verlangt Selbstbewusstsein. Denn wer einen Witz macht, macht den Mund auf – und das traut sich längst nicht jeder. Es tun die, die zu dem Bewusstsein erzogen worden sind, wer zu sein, und jene, die ihren gesellschaftlichen Marktwert bereits als beträchtlich erkannt haben. Beide sind gewissermaßen in den Genuss eigener positiver Ausstrahlung gekommen. Und nicht nur das. Sie spüren auch, dass sie mit dieser Ausstrahlung gesellschaftlichen Einfluss oder gar Macht ausüben können. Und auf diese Dominanz wollen sie nicht verzichten.

Da wird Männern unwohl

So gesehen hört sich McGhees Folgerung gar nicht mehr nach grauer Theorie an. Er sagt: „Aufgrund der Macht, die mit dem erfolgreichen Einsatz von Humor assoziiert wird, wird die Initiierung von Humor inzwischen auch mit anderen traditionell männlichen Charakteristika wie Aggressivität, Dominanz und Selbstsicherheit assoziiert.“

Viele witzige Frauen haben bereits als Kind gespürt, wie leicht sie Gegnern sämtlichen Wind aus den Segeln nehmen, indem sie sich selbst humorvoll verunglimpfen. Mal angenommen es stimmt, was Studien behaupten, dass nämlich der Witzbold zu den einflussreichsten Mitgliedern der Gesellschaft zählt: Dann sollte Gesellschaft wachsam sein. Sie sollte sehen, dass so mancher Männertyp keinerlei Interesse daran hat, Mädchen in Sachen Humor zu fördern. Dies werden sich nur jene trauen, die sich nicht ohnmächtig fühlen, wenn Frauen Macht erlangen und sie ausüben.

Foto:AllzweckJack/Quelle: PHOTOCASE

Comments

  1. Dezember 11th, 2008 | 10:0

    lieber herr kläne!

    sehr interessanter und gelungener artikel! :-)
    es erklärt mir auch eindrucksvoll, weshalb es weniger weibliche kabarettistInnen gibt.

    ich scheine jedenfalls eine weibliche grenze zu überschreiten, da ich es noch viel reizvoller finde bei männern meinen humor einzusetzen als in der umkleidekabine mit freundinnen zu witzeln! ;-) )

    liebe grüße
    margit picher
    http://www.karrierewerkstatt.at

  2. Barockengel
    Dezember 16th, 2008 | 11:0

    Humor ist, wenn man trotzdem lacht… Also ich gehöre zu dem Typ Frauen, die keine Witze erzählen können und sich auch sehr selten welche merken.
    Am witzigsten ist für mich echte Situationskomik, zu der mir dann auch mit Sicherheit eine treffende spitze Bemerkung einfällt. Das komische für mich, meist können nur Männer darüber lachen, Frauen reagieren meist pikiert.
    Dafür sagen Freunde meine Selbstironie, über die ich viel und herzlich lachen kann, wäre unübertroffen. Aber deshalb muß ich keine Komikerin sein. Am schönsten und wirkungsvollsten ist doch immer die Reaktion, die aus dem Bauch kommt, egal ob bei Mann oder Frau.
    Nur das wissenschaftlich erklären zu wollen finde ich nicht so interessant, da bleibt der Hunor auf der Strecke und das Lachen im Hals stecken…

  3. Oktober 15th, 2009 | 10:0

    toller Artikel, hihi, komme gerne wieder!

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