Liebe ART

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Dialog-Beratung in Text und Gespräch. Themen: Persönlichkeit, Privatleben, Karriere.

Sehnsucht nach dem erotischen Freibrief

Sehnsucht nach dem erotischen FreibriefSie sagen, sie lebten seit zwölf Jahren
zusammen, seien glücklich miteinander,
hätten aber dennoch beide den Wunsch,
einmal eine sexuelle Beziehung mit einem
anderen Partner zu erleben. Das Paar spricht
offen miteinander darüber und fragt Liebe ART,
ob eine Beziehung solche Freiheit aushalte.

“Wie gefährlich wäre es, es nicht zu tun?”

Weil Fragen wie diese in Internet-Foren ständig kursieren, wollte ich’s wissen. Ich fragte zwei Paartherapeuten, las, was Hans Jellouschek, einer der prominentesten deutschen Paarexperten darüber denkt, und fand schließlich eine kluge Antwort im Magazin “Emotion”.

Auf die Frage eines Paares, ob es gefährlich für die Beziehung sei, sich gegenseitig einen erotischen Freibrief auszustellen, antwortet dort die Diplompsychologin Berit Brockhausen mit einer Gegenfrage: „Wie gefährlich wäre es denn, es nicht zu tun?“ Sie schreibt: „Egal, wie Sie sich entscheiden: Schwierig für Ihre Beziehung kann es in jedem Fall werden.“

Begrabene Wünsche ruhen nicht

Brockhausen meint, wenn das Paar seinen Wunsch nicht auslebe, könne genau dieses Begraben von Wünschen und Sehnsüchten Konsequenzen haben. Entweder verleugneten beide einen Teil von sich, oder jemand versuche heimlich, seine Wünsche auszuleben. Jedoch beides schade der Liebe.

Die Psychologin sagt, es sei illusorisch, außerhalb der Partnerschaft sexuelle Erfahrungen machen zu können, ohne dass sich in der Beziehung etwas verändere. In der Partnerschaft werde schon deshalb etwas anders, weil beide sich durch ihre neue Erfahrung verändern würden. Das lasse sich nicht vermeiden, „ja, es ist noch nicht einmal wünschenswert, es zu vermeiden.“

An dieser Frage kommen sie nicht vorbei

Aber warum denken zwei, die laut eigener Aussage glücklich miteinander sind, überhaupt über einen erotischen Freibrief nach? Berit Brockhausen antwortet: „Weil sich beide in den vergangenen Jahren weiterentwickelt haben.“ Wenn das Paar seine Beziehung an seine jetzigen Bedürfnisse anpassen wolle, müssten beide für sich herausfinden: „Wer bin ich inzwischen geworden, und was brauche ich heute?“ Und diese Frage bezieht die Psychologin nicht ausschließlich auf Sex.

Sie schlägt vor, beide sollten sich fragen: „Wer bin ich ohne dich?“ Beide Seiten müssten für sich eine Antwort darauf finden – ob mit oder ohne ein neues sexuelles Erlebnis. „Nur dann kann Ihre Beziehung wachsen.“

Völlig ungewiss sei, ob die Partnerschaft sich dadurch vertiefen oder auflösen werde. „Sich diese Frage jedoch nicht zu stellen,“ sagt Berit Brockhausen, „bedeutet in jedem Fall das Ende einer Beziehung, zu der Sie mit ganzem Herzen Ja sagen können.“

Foto: Now/Quelle: PHOTOCASE

Comments

  1. Doris
    November 4th, 2008 | 10:0

    Was wäre der Mensch ohne Veränderungen? Das Leben ist doch ein ständiger Weiterentwicklungsprozess. Dazu gehört auch, sich selbst und damit auch seine Beziehung immer wieder in Frage zu stellen, sie zu überdenken. Vor 10, 15 oder 20 Jahren hatte ich sicher nicht die gleichen Bedürfnisse wie heute. Gerade mit zunehmendem Alter und zunehmendem Alter der Beziehung ändern sich bei beiden Partnern auch bisher bestehende Sichtweisen.

    Mir selbst ist es immer wieder passiert, dass ich Wünsche und Bedürfnisse nicht ausgelebt habe, sie unterdrückt habe, vielleicht sogar aus vermeintlicher Rücksicht auf meinen Partner. Das hat meiner Partnerschaft sicher mehr geschadet als sich offen zu meinen Bedürfnissen zu bekennen. Das Problem ist doch in einer Partnerschaft ein eigenständiger Mensch zu bleiben und das geht nur, wenn man sich die Frage stellt, wer oder was bin ich (ohne den anderen) und was möchte ich (für mich). Um das heraus zu finden oder zu erkennen, bedarf es manchmal eben auch eines sexuellen Erlebnisses mit einem anderen Partner.

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