Liebe ART

Sprechen.  Verstehen.  Beziehung schaffen.
Dialog, der Partner schafft.
In jeder Beziehung.



Dialog-Beratung in Text und Gespräch. Themen: Persönlichkeit, Privatleben, Karriere.

Der abwesende Mann

Abwesendb.jpgKennen Sie das? Sie sind ihm
noch nie begegnet. Aber am
Telefon und per Mail sind Sie
ihm näher gekommen als allen,
die auf Ihrer Vertrauten-Liste
stehen. Die Chemie stimmt
einfach. Dann nach langer
Zeit des virtuellen Beschnupperns
das erste Treffen – und Sie
stellen fest, dieser Mensch ist
nicht der, den Sie wollten. Und eigentlich kennen Sie ihn
gar nicht (mehr).

Fatale erste Begegnung

Bei der Begegnung springt das ins Auge, was wir bisher nicht sehen konnten. Tonlage, Wortwahl, Ansichten, Temperament waren bereits vertraut. Vielleicht haben wir auch ein Foto von ihm gesehen. Jedenfalls hat all dies gereicht, um vor unserem geistigen Auge ein ziemlich komplettes Bild zu malen, auf dem nicht nur Äußerlichkeiten, sondern scheinbar auch so gut wie sämtliche Wesenszüge sichtbar sind.

Je länger wir das Bild in unserem Innern betrachten, desto deutlicher malen wir uns genau den Menschen, den wir uns wünschen. Wenn’s dann irgendwann zur greifbaren Begegnung kommt, begreifen wir kaum, wieso unser Gegenüber uns so fremd ist. Doch eigentlich müssten wir uns mächtig wundern, wenn da tatsächlich jemand wie der leibhaftige Traum um die Ecke gebogen käme – einer, den wir schon lange zu kennen glauben.

Der selbst gemachte Partner

Dabei kennen sich nicht einmal Paare, die seit Jahren zusammen leben – jedenfalls nicht so richtig. „Es ist bemerkenswert“, schrieb Max Frisch in seinem „Tagebuch“, „dass wir gerade von dem Menschen, den wir lieben, am mindesten aussagen können, wie er sei.“ Stimmt. Dieser Mensch ist kaum komplett der, für den wir ihn halten und schon gar nicht der, von dem wir immer geträumt haben. Denn das Bild, das wir von dem haben, den wir lieben, ist immer auch eine Projektion unserer Wünsche.

Wenn dieser Partner (oder die Partnerin) tatsächlich die Verkörperung unseres Ideals wäre, gäbe er uns nicht so oft Rätsel auf, Rätsel, vor denen nicht zuletzt Frauen häufig stehen. Zum Beispiel dies: Sie sieht ihn vor sich, und dennoch ist er nicht da. Jedenfalls nicht im Kopf und womöglich auch nicht im Herzen. Dann fragt Frau sich: „Nimmt der mich überhaupt wahr?“

Die sinnlosesten Fragen

Um Rätsel dieser Art geht es in dem Buch „Der abwesende Mann – Hoffst du noch oder spricht er schon?“ Geschrieben hat es Renate Brackhahn-Witt. Sie ist Autorin, Regisseurin und als Trainerin im Bereich Lebensberatung tätig. „Kleine Durchblicke, kleine Durchbrüche – keine Fast-Food-Seelenheilung, dafür Verbundenheit und Nähe im Wiedererkennen“ will sie erreichen. Und dies schafft sie nicht nur durch bewusstes Überzeichnen, sondern auch mit Warnungen vor so sinnlosen Fragen wie „Was denkst du gerade?“ oder der krasseren Version: „Liebst du mich?“

In den “Salzburger Nachrichten” vertritt Renate Brackhahn-Witt die Auffassung, junge Frauen „suchen entweder einen Märchenprinzen oder handeln nach dem Motto ,Nicht so einer wie Papi.’“ Junge Männer hingegen würden häufig vorbild- und strukturlos hin- und herpendeln: „Sie haben nicht erlebt, wie man Zärtlichkeit und eine Partnerschaft gestalten kann, wie man Konflikte austrägt, ohne den Kopf in den Sand zu stecken. Kaum kommen welche auf, drehen sie sich um und gehen weg.“ Dennoch rät die Autorin ihren Leserinnen, bloß nicht zu resignieren: „Wer sein Leben lang an der Klagemauer jammert, bewirkt keine Veränderung.“ Die Versuche, einen Mann ändern zu wollen, klappten nicht. „Schon die Griechen haben ja ,Erkenne dich selbst’ aufs Tempelportal in Delphi gemeißelt – und nicht: ,Erkenne Knut’.“

Comments

  1. Oktober 9th, 2007 | 06:0

    Das hat man ja oft auch bei Blind-Dates, wenn man vorher oft miteinander telefoniert hat. Man macht sich ein Bild vom Gegenüber und ist dann beim realen Treffen über-
    rascht – entweder positiv oder negativ.
    So ist das Leben halt. Es wird nie langweilig.

  2. Oktober 28th, 2007 | 10:0

    Traumpartner zu suchen,wäre müßig !
    Denn Traumpartner existieren nicht
    in der Aussenwelt.
    Man muss Selbst zum
    Traumpartner werden……….
    und gemeinsam die
    Grenzen suchen.

  3. Doris
    Dezember 3rd, 2007 | 12:0

    Man muss sich vom Bild des Traumpartners freimachen. Jeder Mensch ist ein Individuum, hat seine Stärken und Schwächen. Sein Leben lang nach dem Traumprinzen zu suchen, ist vertane Zeit. Man verliert den Blick für das, was einen Menschen liebenswert macht. Die erste Begegnung kann eine Bestätigung des Bildes sein, was man sich gemacht hat oder auch nicht. Die Stärken – und auch Schwächen – dieses Menschen herauszufinden, macht das Leben doch spannend. Nur einen guten Freund gefunden zu haben kann auch ein Gewinn sein.

  4. fabiana
    April 9th, 2008 | 06:0

    Traumpartner sind ein Mythos; ich denke, man kann seinem Ideal nahe kommen, doch wirklich kennen tun wir unseren Partner selbst nach etlichen Jahren nicht wirklich, wir kennen nur Fragmente, einige Facetten, doch wir können nun eben auch nicht in jeden Winkel des Denkens unseres Partners eindringen; ich hab mal einen Artikel zu einer Studie gelesen, demnach hat es sich herausgestellt, dass Paare sich oft trotz Jahren des Zusammenseins nicht wirklich kennen, sie MEINEN nur zu wissen, wie der andere ist. Faktisch stellte sich heraus, dass sie meist daneben lagen, wenn es um Fragen in Bezug auf das Wünschen und Denken des Partners ging, um dessen Meinung zu verschiedenen Bereichen des Lebens; ich denke, man neigt zu schnell dazu, wenn man einmal zusammen ist, gar nicht mehr den Partner wirklich weiter erforschen zu wollen, dabei ist dies, so denke ich, eine lebenslange Aufgabe.

    Seinen Partner kann man nur als “Traumpartner” annehmen, wenn man keine abstrusen Vorstellungen davon hat, wie märchenhaft dieser sein soll.

    Wenn man mit einer gewissen Lebenserfahrung und vor allem mit einer Selbstakzeptanz und Eigenliebe an das Thema herangeht, wird man feststellen, dass der eigene Partner dann ganz anderen Vorstellungen und Wünschen unterliegt, als ein Traummann es je tun könnte.

Leave a reply