Liebe ART

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Dialog-Beratung in Text und Gespräch. Themen: Persönlichkeit, Privatleben, Karriere.

Ekstase mal eben so?

huegel_im_Dunst-b.jpgEine große Erwartung: Sexualität
soll möglichst erregend, spannend
und voller Höhepunkte sein. Wie
das gelingen und misslingen kann,
beschreiben die Autorinnen
Alexandra Schwarz-Schilling und
Christin Müller in ihrem Buch
„Zu zweit“. Liebe ART präsentiert
eine Leseprobe.

Zeichnung: Günter Ludwig

Sexuelle Erfüllung entsteht durch weibliche Ekstase. Deswegen führen Tipps, die sich darauf konzentrieren für Männer sexuell interessant und möglichst begehrenswert zu sein in die falsche Richtung. Sie bedienen das alte Muster, in dem Frauen in der Gefall-Falle hängen bleiben und Männer nie ankommen können. Ekstase ist das Fließen der Lebensenergie pur, durch jede Zelle des Körpers. Es ist ein intensiver Zustand, der aus dem inneren kommt und nach außen strömt. Er ist nicht laut und schnell, sondern eher differenziert und nachhaltig köstlich.

Dabei müsste Frau, um sexuelle Erfüllung für Mann und Frau dauerhaft zu ermöglichen, ihre eigene weibliche Sexualität und ihre Ekstasefähigkeit erst einmal wiederentdecken. Frauen, die leidenschaftlich den Männern die Hemden vom Leib reißen, sind nicht gemeint. Weibliche Ekstase ist nicht etwas Aufgesetztes. Interessanterweise kann Frau sich dafür öffnen indem sie sich entspannt, also gerade nicht versucht, irgendetwas richtig zu machen.

Ein wesentlicher Teil der Aufgabe besteht darin, mit sich selbst in Berührung zu kommen und sich mit der universellen Lebenskraft in uns selbst zu verbinden. Wir können uns dieser Energie hinbegeben und vertrauen.

Um diese Lebensenergie (chinesische Traditionen sprechen von Chi, indische von Kundalini oder Shakti) in ihrer ganzen Kraft zu erfahren, bedarf es einer Verfeinerung unserer Sinne, eines vertieften und erweiterten Verständnisses der energetischen Abläufe in uns. Dazu ist es notwendig, Bewusstsein in den Körper zu bringen. Dies geschieht, indem wir uns unserem Körper zuwenden, ihn interessiert und wohlwollend erforschen. Es geht darum, in ihn hineinzulauschen, zu spüren, was ihm gut tut und was nicht und auf ihn zu hören.

Das hört sich einfacher an als es ist. Was möchte mein Körper wirklich? Wenn Frauen dieser Frage nachgehen, dann erfahren sie oft, dass sie zunächst einmal nur sanfte Berührung wollen. Eigentlich wollen sie gehalten werden, absichtslos und liebevoll ohne Forderung. Dabei kann Frau sich zunächst emotional stark berührt fühlen. Das gehört einfach dazu und gilt, es zuzulassen. Ist man bereit, weiter zu gehen, wird man die Lebenskraft in sich langsam entdecken und zum Fließen bringen. Stück für Stück. Was möchten meine Brüste, was meine Vagina, es ist ein Selbstentdeckungsprozess, der für Frauen oft mit Scham belegt ist.

Dies ist sicherlich nur möglich, wenn wir uns der Sache wirklich zuwenden. Viele Menschen möchten eine erfüllte Sexualität – mal eben so – haben. Viele erfolgreiche Menschen wollen ihre Sexualität verbessern, da sie sie als unbefriedigend erleben. Doch von nichts kommt nichts.

In der Sexualität gilt das, was auf allen anderen Gebieten auch gilt. Wenn wir bereit wären, so viel Zeit und Energie in unsere Sexualität zu investieren wie in unseren Beruf, hätte unser Sexualleben bestimmt eine völlig andere Qualität.

Wir leben aber immer noch in einer vom männlichen Prinzip beherrschten Gesellschaft: aktiv, leistungsbetont, nach außen orientiert, spannungsgeladen. Die Form der Sexualität zwischen Frauen und Männern spiegelt diese männliche Überbetonung deutlich wieder. Immer noch ist sie hauptsächlich auf männliche Bedürfnisse ausgerichtet und von männlichem Verhalten sowie von männlichen Phantasien geprägt, dabei soll sie möglichst erregend, spannend und voller Höhepunkte sein. Qualitäten des weiblichen Prinzips wie Liebe, Stille, Langsamkeit und absichtslose Präsenz werden wenig Wichtigkeit eingeräumt. Zum Teil sind sie in diesem Zusammenhang völlig unbekannt. Dabei sind Ruhe und Entspannung die Voraussetzung, um die Gewässer der Frau zu erwärmen, so dass sie sich öffnen und damit auch dem Mann neue Erfahrungen in seinem sexuellen Erleben ermöglichen kann. Stattdessen steuert die männlich dominierte Sexualität zielgerichtet auf den Orgasmus zu und viele von uns glauben, die weibliche Sexualität wolle dasselbe, nur dauere es möglicherweise länger.

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