Sie sucht ihn – Er sucht sie
Wenn eine Partnervermittlung im Inserat
eine solche Frau vorstellt, fragt Mann sich:
„Warum ist sie nicht längst schon mindest
4597-mal gefunden worden?
Ein Ideal auf Suche
„Sie ist 40 Jahre jung, 168 cm groß, Ärztin mit eigener Praxis, eine bildschöne strahlende Frau mit dunkelblonden Haaren und schönen Augen, mit einer warmherzigen Ausstrahlung und fröhlichem Naturell. Sie fasziniert mit ihrer sehr jugendlichen und attraktiven Ausstrahlung, begeistert mit Herzlichkeit und Spontaneität. So viel an Liebe und Wärme hat sie in ihrem Wesen, und diese Liebe möchte sie in einer glücklichen Partnerschaft geben.“
Nun gut, vielleicht glaubten schon Tausende, in dieser Frau ihre ideale Partnerin gefunden zu haben. Doch das nützt ihnen nichts, wenn die Suchende an ganzen Heerscharen von Männern nichts findet.
Lauter Gründe, sich nicht zu verlieben
Vielleicht hat Frau Doktor Superlativ einen ausgesprochen seltenen Geschmack. – Vielleicht sollte sie aber auch einfach aufhören, sich mit der Frage zu beschäftigen: „Wie finde ich den richtigen Partner?“ Aufhören heißt nicht, die Flinte ins Korn zu werfen. Es könnte ihr helfen, sich für ihre Jagd lediglich anders zu munitionieren. Zum Beispiel, in dem sie sich selbstkritisch eingesteht, was eigentlich gegen eine Beziehung spricht.
Gründe, sich nicht zu verlieben, wird sie kaum finden. Aber Stolpersteine auf dem Weg zur Beziehung gibt’s reichlich. Zum Beispiel der Gedanke, im Job so viel um die Ohren zu haben, dass für regelmäßige Verabredungen schlichtweg keine Zeit bleibt. So manche Liebeswillige befürchtet, ihr Kind erweise sich gewiss schon beim ersten Kennenlernen als Klotz am Bein. Und viele Frauen, die es gepackt haben, sich in der Männerwelt beruflich zu profilieren, sehen in Gedanken ans eigene Verlieben schwarz, „weil Männer sich vor starken Frauen fürchten.“
Wie ist am meisten Eindruck zu schinden?
Wer diese und ähnliche Bedenken mit sich herumschleppt, wirkt belastet. Und wie geht’s uns selbst, wenn wir auf belastete Menschen treffen? Wir fühlen uns automatisch an unseren eigenen Ballast, den jeder mit sich herumträgt, erinnert. Das motiviert wenig, aufeinander zuzugehen. Im Gegenteil: es hält zurück.
Also was tun? Darüber nachdenken, wie die eigenen Schwachstellen am vorteilhaftesten zu kaschieren sind beziehungsweise wie am meisten Eindruck zu schinden ist?
So kommen Sie an
Gewiss nicht. Denn wer sich verstellt, steht sich selbst im Weg. Und das spürt jeder, denn auf diese Weise wird die eigene Ausstrahlung diffus. Wer sich verstellt, wirkt nicht authentisch sondern unglaubwürdig. Wer hingegen zu sich selbst steht und offen für sich selbst ist, ist automatisch auch offen für seine Begegnungen. Er tritt Menschen nicht mit reserviertem Gesichtsausdruck und vor der Brust verschränkten Armen entgegen. Er schaut ihnen mit offener Geste und offenem Blick in die Augen – und kommt an. Und das gilt für Frau Doktor Superlativ ebenso wie für den angeblich charismatischen, erfolgreichen, höchstattraktiven Unternehmer männlichen Geschlechts, der scheinbar alles hat, nur das Wesentliche nicht.
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Lieber Andreas,
die Partnersuche ist ein stetig interessantes und ewig junges Thema. Viele Menschen sind davon betroffen.
Als kleine Ergänzung zu Deinem schönen Beitrag möchte ich Deinen Lesern gern die Anregung geben, mal das eigene Wertesystem zu überdenken.
Viele Menschen glauben, ein inneres Defizit mit der Liebe eines Partners auffüllen zu können. Anstatt einen (denkenden und handelnden) Menschen zu erwählen, konzentriert sich die Suche häufig auf eine Art Zwilling, der eigene Mängel auffüllen soll.
…Und soweit ich erfahren habe und sehen kann, funktioniert das in den seltensten Fällen.
Besser: ich kann mit einem Partner glücklich werden…ich brauche aber zum Glücklichsein keinen Zwilling.
Ich wünsche Dir ein erfülltes Wochenende mit allem was für Dich dazu gehört.
Alles Liebe aus dem Isartal,
besser und besser,
Gaba
Das sehe ich auch so, liebe Gaba. Die Versuchung, einen Menschen zu finden, der exakt so ist wie man selbst, ist groß und verbreitet.
Aber ich versuche gerade mir vorzustellen, wie es wäre, so jemanden zu finden. Lange will ich darüber gar nicht nachdenken, denn ich finde diesen Gedanken ziemlich gruselig.
Warum? Ja, weil ein solcher Jemand schließlich nicht nur jene Charakteristika und Eigenarten hätte, die ich an mir selbst mag. Der hätte auch die ganzen Schwächen und Seiten, die ich an mir so wenig ausstehen kann wie der Gourmet die versalzene Suppe. Das hieße ganz praktisch: Ich würde so jemandem in die Augen sehen und ständig mit meinen eigenen Unzulänglichkeiten konfrontiert. Nicht auszuhalten!
Wenn ich mir stattdessen ein Gegenüber vorstelle, das vielleicht in so manchen wesentlichen Bereichen aus meinem Holz geschnitzt ist, jedoch ansonsten seinen ganz eigenen Kopf, seine eigenen Leidenschaften, Erfahrungen und Bedürfnisse mitbringt, dann finde ich dass so jemand viel besser als Deckel auf meinen Topf passt. Denn er konfrontiert mich neben manchen Ähnlichkeiten ständig mit Neuem, Fremdem, Erstrebenswertem, Spannendem.
Liebe Grüße,
Andreas
Bei uns heißt es:”Jeder Topf findet seinen Deckel.” Dass man aus dem Bedürfnis eines Menschen Kapital schlägt, ist wie bei allen anderen “Abhängigkeiten” wie Drogen, Spielsucht uä. doch menschlich zu erklären.
Der Mensch will immer das, was er gerade nicht hat und strebt nach dem, was der andere hat. Das ist auch in der Partnerschaft so.
Darum wird es immer Suchende geben. Lasst Euch einfach finden – und alles wird gut.
Euer Flavio
viele glauben, dass zwei besonders glücklich miteinander werden können, wenn sie die gleichen bedürfnisse, neigungen etc. haben.
ich denke, dass man nur in wirklich wesentlichen punkten teilweise übereinstimmen sollte. die unterschiede in den persönlichkeiten, und das kennenlernen der “untiefen” des partners machen das salz in der suppe einer liebesbeziehung aus.
just my 2 cents als mann…
Ich denke, dass mindestens die Grundinteressen gleich sein sollten. Alles andere ist eine Ergänzung, auch ein Geschenk an den Partner/in, manchmal auch eine Herausforderung, warum auch nicht. Ein wenig Reibung tut immer gut.