Wieder mal aneinander vorbeigeredet?
Sie haben’s ihm klar und deutlich
gesagt, er hat’s dennoch nicht
verstanden. Oder falsch verstanden.
Jedenfalls ganz anders, als Sie es
meinten. Manchmal kommt es
dadurch zu Streit, und mancher
zieht es nach solch missglückten
Ansprachen vor, gar nichts mehr
zu sagen. Solche Situationen
kennt jeder. Aber warum entstehen sie?
Missverständnisse sind vermeidbar
Darum geht es in dem Buch “Miteinander reden”. Autor ist der Hamburger Psychologieprofessor Friedemann Schulz von Thun. Sein Buch ist zwar ein Standardwerk der Kommunikationspsychologie, aber es ist dennoch klar verständlich für Laien formuliert.
Schulz von Thun macht deutlich, dass jede Nachricht, die wir schreiben oder aussprechen, aus einer Sach-, Selbstoffenbarungs-, Beziehungs- und Appellebene besteht. Wer es versteht, alle vier Ebenen in seine Äußerung einzubeziehen, kann Missverständnisse und Störungen beim Empfänger der Nachricht umgehen.
Sie haben vier Möglichkeiten
Konkret heißt das: Wenn ich schreibe, “Dieses Buch ist für jeden, der öfter mal etwas falsch versteht oder falsch verstanden wird, ein Gewinn”, dann haben Sie vier Möglichkeiten: Sie können die reine Sachbotschaft hören (so, wie sie hier steht). Sie können eine Beziehungsbotschaft hören (Der neunmalkluge Rezensent glaubt zu wissen, was für mich, den schlechten Kommunikator, gut ist). Sie können eine Selbstoffenbarung erkennen (Scheinbar hat der Rezensent das Buch nötig und mit Gewinn gelesen). Oder bei Ihnen kommt der Appell an (Kaufen Sie dieses Buch!).
Womöglich schalten sie durch die Beziehungsbotschaft prompt auf Abwehr und sagen sich: “Dieser Schlauberger hat mir gar nichts zu empfehlen!” Wenn Sie aber aus dem, was ich Ihnen schreibe, eine Selbstoffenbarung lesen, kann sie die gegenteilige Reaktion hervorrufen, indem Sie sich sagen: “Wenn es ihm genützt hat, warum dann nicht auch mir!?”.
Dieses Beispiel zeigt: Es gibt keine absoluten Nachrichten. Und wenn man sich dann noch vor Augen führt, dass auch der Sender einer Nachricht mit vier verschiedenen Zungen spricht, dann wird es noch interessanter, zu erfahren, was Schulz von Thun dazu zu sagen hat.
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