Wovon Mütter heimlich träumen
Liegt es an fehlender Anerkennung?
Lockt sie das Prickeln jenseits eines
schal gewordenen Ehelebens? Auf jeden
Fall ist es (auch heute noch) ein Tabubruch,
wenn Mütter bekennen: „Ich träume von
erotischen Abenteuern“, wenn sie flirten
oder gar einen Liebhaber haben.
Eines der letzten Tabus
Über die Hälfte der Frauen, die mehr als fünf Jahre verheiratet sind, wagt einen Seitensprung. Was bedeutet das für sie als Mütter? Darüber und über eines der letzten Tabus unserer Gesellschaft berichtet die Soziologin Natalie Schlegel in der Wochenzeitung „Die Zeit“.
Sie nennt ein Beispiel: Jasmin ist 39 und zweifache Mutter. Ihre eigene Mutter war es, die sie bei Zärtlichkeiten mit ihrem Liebhaber ertappt hatte. Die Mutter reagierte mit einem Zusammenbruch. Jasmin erzählt: „Sie lag in ihrem Bett, hatte die Füße hochgebettet und überwachte ihren Zustand mit einem Blutdruckmessgerät. Die Augen hielt sie geschlossen. Auf ihrem Nachttisch lagen Valium-Tabletten. Sie wirkte, als hätte ihr letztes Stündlein geschlagen. Es dauerte lange, bis ich ihr erklärt hatte, warum, wieso, weshalb das geschehen war.“
Ist diese Frau nur altmodisch?
Die Soziologin Natalie Schlegel, schreibt, man könne meinen, Jasmins Mutter sei einfach altmodisch. „Aber denken Sie an Ihre eigene Mutter. Stellen Sie sich vor, Sie würden erfahren, dass sie zur Zeit eine heimliche Affäre unterhält oder vielleicht damals einen Liebhaber hatte, als Sie selbst noch ein Kind waren. Mütter, die fremdgehen, verletzen eines der wenigen noch geltenden Tabus.“
Nach wie vor gelte die Mutter als Zentrum des Systems Familie. Sie halte zusammen, umsorge Kind und Mann und vermittle zwischen allen Familienmitgliedern. Aus Sicht der Gesellschaft passe diese Rolle nicht zu einer Frau, die ihre emotionalen und erotischen Wünsche und Träume mit einem fremden Mann in die Tat umsetze. Allein die Vorstellung, eine Mutter könne sich einem Fremden zuwenden, werde als bedrohlich empfunden. Automatisch kreuzten dann lauter Fragezeichen auf: Was passiert mit den Kindern? Was, wenn die Mutter weitere Kinder hätte? Stiefgeschwister? Würde die Position der älteren Kinder auf diese Weise gefährdet? Würden ihre Chancen auf Befriedigung ihrer Bedürfnisse sinken?
Das hat sie so nicht gewollt
Für die Gesellschaft fühle es sich so an, schreibt Natalie Schlegel, als würde eine Mutter, die ihren Mann hintergeht, zugleich ihre Kinder betrügen. Viele Frauen nähmen es deshalb in Kauf, unglücklich zu verharren. Sie fänden sich damit ab, weiterhin unglücklich in einer schon seit Jahren lieblosen Ehe zu leben und von ihrem gleichgültigen Partner nur noch in ihrer Funktion als Erzieherin, Köchin, Putzfrau und Dazuverdienerin wahrgenommen zu werden.
„Wenn Frauen Mütter werden, geben viele ihre Identität als emotional und erotisch selbstbestimmte Frau auf.“ Selbst die Hochqualifizierten unter ihnen verzichteten zugunsten der Familie oft auf ihre finanzielle Unabhängigkeit. Jede zweite Mutter in einem Paarhaushalt mit Kindern unter zwölf Jahren sei nicht erwerbstätig, aber nur sechs Prozent sagten: „Ich habe das so gewollt.“
Irgendwann kommt eine Begegnung der anderen Art
In diesem Bewusstsein bleibe es nicht aus, dass Mütter irgendwann anfingen, sich an die Zeit zu erinnern, als sie noch keine Kinder hatten. Und dann „entdecken, manche zaghaft-vorsichtig, andere eher trotzig-herausfordernd, dass sie nicht ausschließlich mütterliche Interessen und Bedürfnisse haben.“
Viele begegneten früher oder später einem Mann, „der die Schmetterlinge in ihrem Bauch wieder auffliegen lässt,“ – der sich für sie interessiert, der sie umwirbt und ihnen sagt, wie attraktiv sie sind.
Endlich konnte sie es wieder spüren
Natalie Schlegel zitiert Tina. Ihr sei es wie den meisten Müttern um viel mehr gegangen als um aufregenden Sex: „Ich hätte nie gedacht, dass sich ein solch attraktiver Mann für mich interessieren könnte. Aber so war es. Er suchte immer wieder das Gespräch mit mir, ich merkte, dass er meine Meinung zu den Dingen und zu verschiedenen Themen ernsthaft erfahren wollte. Was ich dachte und fühlte war ihm wichtig. Ich erfuhr eine Intimität und Zärtlichkeit, die ich nie vorher kennengelernt hatte. Sven war zuverlässig und fürsorglich, er bemühte sich um mich, tat alles, um mich glücklich zu machen. Er zeigte mir, wie begehrenswert ich für ihn war, ich konnte endlich wieder spüren, wie schön sich ,Frausein’ anfühlt.“
In einer solchen Situation entstehe der Spagat zwischen dem, was Mütter ihren Kindern zu schulden glaubten, und dem, was sie selber glücklich mache. Beides sei nicht vereinbar. „Bekennen sie sich zu ihren Gefühlen, wird die Familie zerbrechen. Wollen sie ihre Ehe unter keinen Umständen gefährden, dürfen sie sich natürlich keine Liebesaffäre leisten. Am liebsten möchten sie niemandem wehtun und trotzdem glücklich sein. Deshalb versuchen sie das offen nicht zu Vereinbarende heimlich zu kombinieren.“
Es ist spannend und anstrengend
Jasmin habe nicht nur den einen Liebhaber gehabt, mit dem ihre Mutter sie erwischt hatte. Sie sei damit beschäftigt, sich neu zu erfinden: „Ich musste neue, verbotene Gefühle entdecken. Es ist spannend, was mit mir passiert, aber es ist auch sehr anstrengend. Wenn ich auf die letzten Monate zurückblicke, dann denke ich oft ´Was tust du da?` oder ´Das bist du doch gar nicht, warum machst du das?` Ich erkenne mich selbst nicht wieder und bin erschrocken über mein Verhalten. Maßlos finde ich mich. Aber vielleicht werde ich jetzt erwachsen.“
Foto: eyeofsamara/Quelle: PHOTOCASE
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Die Mutter gilt in unserer Gesellschaft immer noch als der Mittelpunkt der Familie und sie hat einen sehr hohen Stellenwert in dieser Gesellschaft. Mütter gelten als selbstlose und aufopferungsvolle, aber eben auch geschlechtslose Wesen. Leider sehen das auch viele Ehemänner so. Sie sehen dann in ihrer Partnerin auch nur noch die Mutter ihrer Kinder, nicht mehr die Frau ihres sexuellen Begehrens.
Fast jedes kleine Mädchen übernimmt im Spiel bereits die Rolle der Mutter. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass diese Rolle – und der damit verbundene Stellenwert – mir als kleines Mädchen und auch als junge Frau noch durchaus erstrebenswert erschien. Irgendwann habe ich erkannt, dass der Preis für diesen hohen Stellenwert ein sehr hoher Preis ist. Er führt nämlich dazu, dass Frau vergisst Frau zu sein. Der eigene Ehemann gibt da wenig Hilfestellung, er kann in der Mutter seiner Kinder längst nicht mehr die Frau erkennen, die einstmals sein Verlangen geweckt hatte. Vielleicht hat er aber auch längst seine Bedürfnisse woanders befriedigt.
Wir alle können unsere Erziehung nicht einfach abstreifen. Das macht es Müttern auch so schwer zu ihren eigenen Bedürfnissen zu stehen und sie auszuleben. Mit der Mutterrolle übernimmt Frau Verantwortung, genauso wie der Mann mit der Vaterrolle. Nur haben Männer offenbar weitaus weniger Probleme damit, auch als Väter ihre Bedürfnisse auszuleben. Niemandem wehtun zu wollen und trotzdem glücklich zu sein, das wird auf Dauer nicht gelingen (können). Und welche Kinder wachsen glücklich auf mit einer unglücklichen Mutter?
In erster Linie sind wir nicht Mütter sondern Frauen, und Frauen brauchen und wollen auch Bestätigung als Frau und nicht nur als Mutter. Vorstellen kann ich mir gut, dass man bei einem Seitensprung das Muttersein für einen Moment hinten anstellen kann und einfach nur Frau ist.
Warum muß eine Mutter Schuldgefühle haben bei einem Seitensprung. Jede Frau erlebt und wertet so ein Erlebnis anders.
Durch einen “Seitensprung” habe ich erst wirklich erfahren, was es bedeutet eine liebende Frau zu sein. Ich hatte nie Gewissensbisse, dass ich mein Kind vernachlässige und über eine mögliche Schwangerschaft erst recht nicht. Ich war einfach glücklich und das wirkte sich positiv auf mein gesamtes Verhalten aus. Gelitten habe ich erst, als der Seitensprung beendet wurde und zwar in gegenseitigem Einvernehmen. Diese Gefühle nicht in meinem Alltag zu zulassen war sehr schwierig und hat viel Kraft gekostet.
Heute lebe ich von meinem Ehemann getrennt, er hat sich geoutet und ist mein bester Freund…
Vor ca. 3 Jahren bin ich per Zufall meinen “Seitensprung” wieder begegnet und wir haben das Verhältnis neu begonnen, nach über 12 Jahren. Wir sind beide glücklich über unsere neu erwachte Erfüllung. Dazu hat mir auch diese Internetseite verholfen.
Mein Kind ist heute erwachsen und kennt diese Geschicht, wie sie es auch akzeptiert und mich zu meinem “zweiten Frühling” beglückwünscht. Darüber muß ich wieder schmunzeln, denn ich bin der Auffassung den richtigen Frühling erlebt Frau nur einmal und sollte ihn pflegen damit er erhalten bleibt … Schuld an meiner Pflege des “Seitensprungs” ist auch der Beitrag “Extase mal eben so?”
… und das Schöne ist, ich denke noch nicht mal daran etwas zu verändern, weil ich glücklich und zufrieden bin!