Selten gute Nachrichten
Manche Menschen sind ansteckend
wie eine Krankheit. Von ihnen gehen
Bazillen aus, die einem die beste Laune
verderben. Andere verbreiten
Glücksviren. Sie sagen einen Satz,
schauen einen an und man fühlt sich
beflügelt. Von Letzteren habe ich ein
ganzes Nest entdeckt. Lauter Leute,
die aus ihrem Glück kein Geheimnis
machen.
Ein besonderer Moment
Da ist zum Beispiel Susanne. Sie schreibt: „Als meine Tochter an ihrem siebenten Geburtstag neben mir in der ,Holliday on ice’- Show saß, am Schoß eine riesige Portion Poppkorn, mit vor Aufregung geröteten Wangen und tellergroßen Augen die Show verfolgte und dann ganz aufgeregt ausstieß: ,Mama das ist mein schönster Geburtstag überhaupt!’, da sind mir vor lauter Glück und Rührung die Tränen über die Backen gelaufen – und bei der Erinnerung gleich wieder! EINFACH SCHÖN.“
Oder Heinz. Er fühlt Glück, „wenn man in einem düsteren Augenblick eine SM bekommt, in der steht: ,Dich liebe ich. Ich glaube fest an dich. Du bist in meinem Herzen.’“
Was unter die Haut geht
Diese und jeder Menge noch ganz andere Augenblicke, die Menschen froh machen oder ihnen unter die Haut gehen, geben sie in einer „Meldestelle für Glücksmomente“ preis. Eingerichtet hat sie die österreichische Glücksforscherin und Psychologin Heide-Marie Smolka. Als Trainerin unterstützt sie Menschen, „die ihren persönlichen Glücksfaktor aktiv erhöhen wollen, die nach Wegen suchen, um mehr aus dem Alltag zu holen.“
In ihrer Internet-Meldestelle hat jeder die Möglichkeit, seine persönlichen Glücksmomente aufzuschreiben und zu veröffentlichen. Davon profitieren alle, die in den Aufzeichnungen stöbern, denn das Stöbern öffnet die Augen. Die Leser erkennen, dass es neben Kapital, Konsum und Komfort unzählige kathedrale Glücklichmacher gibt. Die meisten sind für jeden greifbar. Wenn viele dennoch nicht zupacken, dann deshalb nicht, weil sie ganz speziellen Glücksmomenten verbissen hinterherjagen. So sehr, dass sie auf ihrer Jagd nur noch ihr Ziel vor Augen haben, nicht aber das, was ihnen unterwegs links und rechts Prächtiges blüht.
Endlich ein Gespräch
„Habe es heute endlich geschafft, vier Monate nach dem Tod meiner Freundin Andrea, mit ihrem Mann Michael zu telefonieren“, steht in der Meldestelle. Unterzeichnet mit „B.“ Da kommt die Fantasie ins Rotieren. Egal, ob Bernd, Burghard oder Ben ein kompliziertes Verhältnis zu Andrea gehabt hat. Egal, ob Bernd in Wahrheit Brigitte oder Birgit heißt – ihm oder ihr ist jedenfalls ein Brocken vom Herzen gefallen, weil es zu einem Gespräch gekommen ist, was für B. monatelang womöglich so dingend war wie das Kommen der Feuerwehr zum Brandherd.
Heide-Marie Smolkas Meldestelle für Glücksmomente ist nicht die erste. Vorbild für sie war, was zwei engagierte Lehrer 2003 in der Schweiz gegründet haben. Mark Riklin und Regula Immler stellten damals Schreibmaschinen auf und motivierten Passanten, zu tippen, was ihnen Freude bereitet. Sie sammelten diese formulierten Glücksmomente und verteilten sie anonymisiert.
Eine Idee macht’s möglich
Die Idee der österreichischen Glücksforscherin und Psychologin macht’s nun möglich, Glücksmomente via Internet weltweit in unzählige Wohnungen zu bringen. Die Leserinnen und Leser der Website erfahren unterschwellig, wie lohnenswert es ist, sich hin und wieder ganz still und aufmerksam im eigenen Leben umzuschauen, um Glücklichmachendes zu finden.
Was für Bernhard aus Linz Glück ist, formuliert er so: „Zu sehen, wie meine Nachbarin, die Korrepetitorin und Konzertpianistin Yoon Se-hwa (links), die mir gegenüber auf gleicher Fensterhöhe wohnt, sich ans Klavier setzt und ihre Übungen vollführt, mit vollendeter Eleganz und konzentrierter Leichtigkeit. Eine Begegnung, die mir jedes Mal wie ein seligmachender Trost widerfährt.“
Ein anderes Glücksmoment spürt Marinka: „Wenn meine dreijährige Nichte mich anstrahlt, verzückt meinen Namen sagt und ,du bist dedommen’ (das k geht noch nicht
), ich freu mich soooooooooo.”
Außergewöhnliche Begegnung
Oder Petra aus Wien. Sie lebt durch eine seltene Begegnung auf: „Ich hatte das Glück, Ray Anderson (Posaunist) nach einem seiner seltenen Konzerte in Österreich (Sargfabrik, Wien) ein persönliches Danke für seine wunderbare Musik sagen zu können! Er sagte: ,You are so welcome!’ Die Freude war unbeschreiblich!“
Heidis Glücksbegegnung ist gar nicht selten und dennoch ergreifend: „Ich bin seit fast 26 Jahren verheiratet und immer noch verknallt in ihn!!!“
Oder Richard, der einen Riecher für versteckte Ereignisse zu haben scheint: „Ich finde es wunderbar, wenn ich beispielsweise in einem Buch ein ausgefallenes Wort lese und im selben Moment sagt jemand dieses Wort; oder wenn ich an jemanden denke, den ich schon lange nicht mehr getroffen habe, und kurz darauf ruft dieser Mensch an oder ich treffe ihn zufällig.“
Tanjas doppeltes Glück
Tanja beschreibt zwei ganz unterschiedliche Arten des Glücks. Erstens: „Für mich als Jungjournalist: meine erste Titelseite!!!!“. Und dann noch „Mit dem Hund auf der Wiese rumtollen und die Frühlingssonne genießen… egal ob man dann schmutzig ist oder nicht.“
Der treueste Freund des Menschen spielt auch in Danielas Leben eine Glück bringende Rolle: „Wenn meine Hündin, nachdem sie vor 1,5 Jahren Nierenversagen hatte und im Koma lag, durch den Wald sprintet, dann empfindet nicht nur sie Lebensfreude, sondern auch ich!“
Ein tiefes inneres Glück hat Lola: „Mitten im Arbeitsalltag der Gedanke: Hey, du hast ein Baby im Bauch! ;o)“
Das muss man einfach teilen!
Volker bringt den Sinn der Online-Meldestelle auf den Punkt: „Heute zum ersten Mal Glücksmomente gelesen! Schööön! Dazu fällt mir ein Ausspruch von Marie von Ebner-Eschenbach ein: ,Man muss Glück teilen, um es zu vermehren’“
„Ich freu’ mich so, dass es diese Seite gibt!!“, schreibt Elvira. „Ich hab’ sie mir als Startseite eingerichtet und beginne dadurch meine Arbeit mit einer Glücksmeldung.“
Damit’s kein Missverständnis gibt. Dies schrieb Elvira nicht über www.liebe-art.de sondern über http://www.meldestellefuergluecksmomente.at/
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