Aushalten oder trennen?
Seit mindestens sechs Jahren
weiß Maren*, dass sie den falschen
Mann geheiratet hat. Dennoch ist
sie bei ihm geblieben. Um die
Partnerschaft mit Volker* auszuhalten,
suchte sie in einer außerehelichen
Beziehung, was ihr fehlte.
Seine wahre Geliebte
Bei ihrem heimlichen Geliebten tankte sie auf. Daniel* gab ihr jahrelang das Gefühl, begehrt zu werden, und er war für sie da. Volker komme stets nur wie ein Besucher nach Hause, der möglichst schnell wieder zu seiner eigentlichen „Geliebten“ zurück wolle, sagt Maren, und das sei seine Firma. Seine Kinder seien ihm wichtig, „aber nicht so, dass er sich mal nach den Dreien erkundigt.“ Und sobald der Vater als Erzieher gefragt sei, „haut er ab.“
Mittlerweile hat sich Daniel nach fast sechs Jahren von Maren verabschiedet. Sie gibt sich selbst die Schuld für den Bruch und meint, sie habe ihn zu sehr eingeengt. „Wenn ich versuchte, noch mehr Beziehung von ihm zu bekommen, ist er ausgerastet und hat mich wie Dreck behandelt.“
Obwohl Maren fühlte, dass Daniel nie eine verbindliche Beziehung zu ihr wollte, hielt sie an ihm fest. Ihr wäre es nie eingefallen, deshalb die Verbindung zu beenden. Und obwohl sie sagt, auch ihr Mann tue ihr und den Kindern nicht gut, bleibt sie bei ihm.
Aus Angst bleibt sie bei ihm
„Was sie hält, ist ihre Angst vor dem Alleinsein – ihr Glaube, allein nicht zurecht zu kommen.“ Der Hamburger Diplompsychologin Andrea Köster (links) sind diese Zusammenhänge mittlerweile recht klar geworden, nachdem Maren ihr von sich erzählt hat. Viele sagten, so ihre Erfahrung: „Irgendwie liebe ich ihn, aber er tut mir nicht gut.“ Wer mit diesem Gefühl lebt, wünscht sich, an jemanden zu geraten, der klar sagt, was zu tun und zu lassen ist, um endlich aus dem Dilemma herauszukommen. Aber auf diese Weise funktioniere es nicht, sagt Andrea Köster.
Sie stellt den Menschen, die sich ihr anvertrauen, gezielt Fragen. Vielfach geht es dabei um solche, die ihre Klienten sich in dieser Form noch nie gestellt haben. Und indem sie sich damit befassen und nach Antworten suchen, werden sie erstmals fähig, ihr Gefühlswirrwarr zu entflechten und Herz und Verstand in Einklang zu bringen.
Wenn sie keine Angst hätte…
Maren kam zu Andrea Köster und wusste genau, was ihr Leid verschaffte. Sie hätte aber nicht sagen können, was sie unternehmen wollte, um es aus der Welt zu schaffen. Dieser Antwort kam sie näher, als die Psychologin sie bat, alles aufzuzählen, was sie tun würde, wenn sie keine Angst hätte.
Als Maren so weit gekommen war, ihre Wünsche einmal frei von Bedenken, Vorbehalten und Angst klar auszusprechen, gingen sie zwar nicht sogleich in Erfüllung, aber Andrea Köster hatte die Möglichkeit, ihr weitere Fragen zu stellen. Bald leuchtete ein, warum Maren Daniels Demütigungen und das Desinteresse ihres Mannes jahrelang widerstandslos geschluckt hatte. Denn nach und nach erfuhr die Therapeutin, mit welchem Lebensgefühl Maren aufgewachsen war. Von klein auf hatte ihr Vater ihr immer wieder zu verstehen gegeben, dass sie „ein Unfall“ sei. Maren hatte also frühzeitig begriffen, vom Vater nie gewünscht zu sein, sondern lediglich geduldet zu werden.
Frühzeitig Fatales gelernt
Aber das ist noch nicht die ganze Tragik. Ihr Vater hatte auch seine Frau, Marens Mutter, nie wertschätzen und lieben können. Denn ursprünglich wollte er eine andere Frau heiraten, entschied sich dann aber für Marens Mutter, weil sie von ihm schwanger geworden war. „Mit dem Eindruck, in seinen Augen eine Frau zweiter Wahl zu sein, blieb sie an seiner Seite, und Maren lernte,“ so Andrea Köster, „es als etwas ganz Normales anzusehen, ohne Liebe in einer Partnerschaft auszuhalten.“
Das heißt, Marens Selbstwertgefühl wurde seitens des Vaters schon früh ramponiert, und ihre Mutter hatte ihr auch keines zu bieten. Die Therapeutin vertritt generell die Auffassung: „Egal, ob es um Partnerschaft oder um Trennung geht – beides ist nur mit Selbstwertgefühl gesund zu vollziehen.“ Denn wer sich selbst keine Anerkennung geben könne, suche sie bei Anderen, „aber dann lebt er auf einem sehr wackeligen Fundament.“
Am liebsten alles vergessen
Andrea Kösters Coaching führte dazu, dass Maren ihre unsichere Basis erstmals klar erkannte. Das machte ihr so sehr Angst, dass sie jede weitere Hilfe ablehnte und am liebsten alles, was sie über sich erfahren hatte, vergessen wollte. Doch das gelang ihr nicht. Die Saat der Psychologin ging in Maren auf. Nach fast zwei Jahren kam sie zurück – und dies mit dem Selbstbewusstsein: „Ich muss jetzt was für mich tun, denn das bin ich mir wert.“
Was dabei herauskommt, kann niemand sagen – Andrea Köster schon gar nicht. Ihre Devise lautet: „In einer guten Therapie muss es offen bleiben, ob es zur Trennung kommt oder ob eine Partnerschaft weitergeführt wird.“ Schließlich hat sie es nicht nur einmal erlebt, dass jemand mit der Absicht zu ihr kommt, sich zu trennen, doch dann erscheint er mit seinem Partner zur Paartherapie, und beide finden einen gangbaren gemeinsamen Weg.
*Name geändert
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Was mich immer mehr enttäuscht, das ist die einseitige Darstellung, dass immer die Frauen den falschen Mann geheiratet haben und nicht umgekehrt. – Niemals ist von den Lieblosigkeiten, Hässlichkeiten und seelischen Grausamkeiten die Rede, die hochmütige und machthungrige Frauen und Mütter den Männern zufügen.
Männer opfern sich oft für die Familie auf, werden aber nicht geliebt und nur als Versorger missbraucht. Das Übel wird von den Müttern dann auch noch auf die Kinder übertragen, d.h. der Mann und Vater steht seinen feindlichen Lieben hilflos gegenüber. Väter werden oft ohne Grund aus der Familie entfernt, damit sie die Familienidylle nicht stören. So hat es mir eine Frau kurzerhand erklärt. Mütter betrachten die Kinder oft als ihr Eigentum. Alleinerziehenden Müttern fehlt es ja an nichts, denn sie bekommen doch Unterhalt vom Erzeuger und andere Unterstützungen vom Staat und der Gesellschaft.
lieber leonard, dein hilferuf soll nicht ungehört bleiben ….natürlich hast du recht und ich als frau kann wohl ohne lug und trug behaupten, in meiner ersten ehe mutierte ich zu einem relativ bösartigen hausdrachen; der seinen “untertan” = ehemann unterdrückte, scheuchte und ihn klein hielt, ihn dominierte und das leben zu einer fülle und niemals enden wollenden tirade aus beschimpfungen, vorwürfen und demütigungen werden liess. natütlich kursiert im kopf immer das bild vom unterdrücker, dem MANN, dass dieser seine frau und familie niedermacht, aber dem ist ja häufig nicht so (ebenso häufig gibt es den sehr liebevollen mann, der zu seiner frau und den kindern steht und sich um beide liebevoll sorgt); häufig ist es eben auch so, dass die frauen diesen posten ebensogut wenn nicht noch besser besetzen (und zwar den des tyrannen) und das leben zu einer einzigen hölle werden lassen; natürlich denken sicherlich auch viele männer, dass sie die falsche frau geheiratet haben, aber ob sie dann immer so konsequent sind, dies a) zuzugeben und b) dann eine konsequenz daraus zu ziehen, nämlich trennung von der ehefrau, das steht auf einem anderen blatt.
ich selbst kenne mehrere männer in meinem umfeld, die in ehen “gefangen” sind, so möchte ich es sagen und wann immer ich nachhake und frage, wieso sie seit so vielen jahren in dieser kaninchenstarre verweilen und nicht einfach GEHEN, schieben sie alle möglichen und erdenklichen ausreden vor, NUR sie sagen im grunde nie das, was sie wirklich denken und fühlen; sondern sie sind bequem und verweilen darin, denn so schlimm der hausdrache auch sein mag, er schenkt ihnen dann doch gewohnheit; nämlich die, dass sie täglich beschimpft werden, runtergemacht werden, dass sie im prinzip verbal entmannt werden und somit auf ein minimum reduziert werden (und so können sie in ihrer opferrolle verweilen, wie übrigens auch viele frauen über jahre und jahrzehnte in der ehe in einer opferrolle bleiben); diese männer haben weder ein sexualleben noch eine ehrliche beziehung zu ihren frauen; die frau, ohnehin kaum bis gar nicht mehr am sexuellen leben mit ihrem mann interessiert hat sich ohnehin schon anderweitig ersatz beschafft; aber der mann?
der mann träumt, er flirtet mit anderen frauen und vielleicht verliebt er sich sogar, aber er würde nie und nimmer das verlassen, was doch eine seite in ihm so zutiefst zuwider ist und doch verweilt er einfach.
von diesen männern gibt es auch genügend und von ihnen wird auch nicht wirklich berichtet.
aber es gibt auf beiden seiten verluste zu beklagen, das ist ja niemals einseitig und niemals ist nur einer das opfer oder täter.
ich denke, es ist immer ein wechselbad, das eine nährt das andere.
im heutigen zeitalter gibt es doch DEN versorger per se doch gar nicht mehr wirklich; frauen arbeiten auch selbständig und verdienen ihr geld, ich kenne genügend frauen, die beruflich und finanziell weitaus erfolgreicher sind als ihre ehemänner.
in diesem sinne lieber leonard, seist du gerächt