Beziehungsterror und Revanche
Psychoterror unter Paaren erscheint
(auf den ersten Blick) so paradox wie
Stachelschwein statt Kuscheltier. Dennoch
gibt’s solchen Terror. Und das behaupten
nicht nur Statistiker, sondern das gestehen
Frauen und Männer, die in ihrer
Partnerschaft Psychoterror erleben und
verbreiten.
Repräsentatives
In Paarbeziehungen hat jede dritte Frau und jeder vierte Mann in Deutschland nach eigenen Angaben schon einmal Psychoterror erlebt. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das GEWIS-Institut in Hamburg im Auftrag der Zeitschrift “freundin” unternommen hat. Befragt wurden 1076 Frauen und Männer zwischen 18 und 65 Jahren.
33 Prozent der Frauen und 26 Prozent der Männer gaben an, bereits unter Psychoterror in ihrer Partnerschaft gelitten zu haben. Umgekehrt gaben aber nur acht Prozent der Männer und drei Prozent der Frauen zu, ihren Partner beziehungsweise ihre Partnerin schon einmal schlecht behandelt zu haben. Allerdings gestanden 33 Prozent der Männer und 28 Prozent der Frauen: “Mein Partner bringt mich manchmal dazu, richtig gemein zu werden.” Frauen setzen ihren Partnern offenbar anders zu als Männer ihren Partnerinnen. Denn 35 Prozent der Frauen gaben an, Sexentzug sei bisweilen die einzige Möglichkeit, den Partner zum Nachdenken zu bringen. Aber nur 14 Prozent der Männer vertraten diese Auffassung.
Gut fürs eigene Gewissen
Mal vorausgesetzt “richtig gemein” ist nichts anderes als eine harmlos klingende Formulierung für das, worum es hier geht, nämlich um Psychoterror. So gesehen wundert’s mich kaum, dass so viele Partner so ehrlich sind und ihren Terror gestehen. Man achte auf die Wortwahl: “Mein Partner bringt mich manchmal dazu…” und so weiter. Das klingt doch ganz anders als “Ich terrorisiere meinen Partner”. Das klingt nicht nur in den Ohren des Zuhörers anders, das klingt auch im eigenen Gewissen wesentlich bekömmlicher. Wenn ich sage, mein Partner bringe mich dazu, gemein zu sein, kommt mir mein Handeln kaum noch wie eine Gemeinheit vor. Schließlich erzählt dieser Satz (zwischen den Zeilen) von meiner eigenen Leidensgeschichte. Im Grunde sage ich damit: “Sie macht mir das Leben so zur Hölle, dass ich mich manchmal schützen muss und gar nicht mehr anders kann, als den Teufel raus zu lassen.”
Das kann man als erfolgreiche Autosuggestion bezeichnen, die hilft, sich selbst und sein billiges Verhalten besser zu ertragen. Man könnte aber auch auf den Gedanken kommen, dass die ehrlichen Antworten der Befragten gar nicht ehrlich sind, sondern nur eine hübsch verpackte (Selbst-)Lüge.
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Leider ein wenig oberflächlich. Mich hätte sehr interessiert, WARUM terrorisiert wird. Dieses “gemein zueinander sein” kommt in den meisten Partnerschaften vor, weil man wahrscheinlich ganz genau weiß, welche Knöpfe man drücken muss. Terror bedeutet für mich aber, jemandem das Leben zur Hölle zu machen.
Was ist mit denen, die sich ihrer Handlung gar nicht vollends bewusst sind? Die aus Eifersucht, aus Besitzanspruch heraus so handeln? Die, die sich hinterher immer wieder entschuldigen, weil sie merken, dass sie wieder über die Stränge geschlagen haben?
Das ist der wahre Terror. Vom geliebten Menschen terrorisiert zu werden – bis die Liebe irgendwann stirbt. Oder der Mensch …
“Ein wenig oberflächlich.” Ja, das finde ich auch, liebe Liz. Aber so ist das meistens mit Umfragen. Sie konzentrieren sich halt in aller Regel auf eine winzige Facette eines großen Themas.
Weil’s auch mir zu oberflächlich ist, werde ich demnächst der Frage nachgehen, warum in Partnerschaften überhaupt terrorisiert wird. Bis dahin hilft vielleicht der Beitrag “Rituale statt Erpressung” ein wenig weiter (siehe Link unter dem Wort Sexentzug).
Bisher liegt für mich folgende Vermutung nahe: Mann/Frau übt Terror in der Partnerschaft aus, weil man mit sich selbst in irgendeiner Weise nicht klarkommt. Die Verführung, den eigenen Frust genau an dem Menschen auszulassen, der einem am vertrautesten und am meisten verbunden ist, ist groß. Denn jeder Kollege, die meisten Freunde und Bekannten würden – wie auch immer – in schmerzhafter Weise “zurückschlagen”.
Ich glaube, mit den Beziehungs-”Terroristen” ist es ähnlich wie mit den Eifersüchtigen: Eifersucht hat seine Ursache sehr häufig im eigenen Minderwertigkeitskomplex. Weil jemand nicht viel von sich selbst hält, kann er sich nur schwer vorstellen, dass sein Partner ihn genügend wertschätzt, um ihm treu bleiben zu können. – Was wieder einmal die These untermauert: Nur wer sich selbst liebt, ist in der Lage, jemanden auf Dauer mit wohltuender Liebe zu überschütten.
Andreas
Ich glaube, Andreas, ganz so einfach ist es nicht immer. Weder mit den Terroristen noch mit den Eifersüchtigen. Sicher, es mag eine Menge Lehrbücher darüber geben und Vieles von dem dort beschriebenen mag auch stimmen. Doch manchmal ist es einfach anders, es geht nicht immer nach Schema F.
Eifersüchtig kann man auch sein, weil man nicht teilen mag, weil man exklusiv sein möchte – was aber wieder stark an besitzen-wollen grenzt und keineswegs gesund ist.
Oder die berühmten Probleme, die in der Kindheit begründet liegen. Kind einer Großfamilie, Mutter und Vater gelingt es nicht ihre Liebe gleichmäßig auf die Kinder zu verteilen, es gibt Lieblinge, die anderen müssen sehen wo sie bleiben. Und dann hat man endlich jemanden alleine – da kann man evtl. schon mal eifersüchtig werden, wenn dieser so geliebte Mensch sich plötzlich angeregt mit einem gutaussehenden Mann oder einer charmanten, eloquenten Dame unterhält. Weil doch auch immer wieder die Frage auftaucht: Kann ich denn alle Vorzüge in mir vereinen? Bin ich eine interessante Gesprächspartnerin? Bin ich immer noch aufregend für meinen Partner, lustig, humorvoll, attraktiv? usw. usf.
In einer Partnerschaft müssen wir uns unenedlich bemühen, dieses zarte Pflänzchen am Leben zu erhalten und sogar dafür zu sorgen, dass sich neue Triebe bilden. Es geht – wenn man es sich und seinem(r) Partner(in) wert ist.
Die Terroristen sind schwieriger. Manche Menschen haben vllt. einfach tyrannische Neigungen, was aber wohl auch mit ihrem Selbstbild zusammenhängt.
Schlimm ist es, wenn jemand erklärt, er täte es aus Liebe. Oder weil einfach alles so glatt liefe, müsse man sein Glück hin und wieder mit Füßen treten.
Aber Du hast schon Recht, Andreas, diese Menschen lieben sich selbst nicht, können sich und ihre Art nicht ausstehen. Und dann ist schließlich alles wieder schön und gut, wenn man sich reuevoll entschuldigt und Besserung gelobt. Bis zum nächsten Mal und zum nächsten Mal und zum …
Liz