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Dialog-Beratung in Text und Gespräch. Themen: Persönlichkeit, Privatleben, Karriere.

Das falsche Bild der kurzen Ehen

Hochzeitb.jpgDa jeder jemanden kennt, der
sich scheiden lässt, scheinen
die Statistiken die Wahrheit
zu sprechen. Aber diese Zahlen
werden falsch interpretiert,
sagt Rolf Sauer.

 

 

 

Zahlen werden falsch gelesen

In einem Interview mit den “Oberösterreichischen Nachrichten” sagt der Linzer Ehe-, Familien- und Lebensberater: “Die Zahlen der Statistik sind sicher nicht falsch. Aber sie besagen anderes, als immer wieder in kurzen Überschriften geschrieben steht.” Da sei die Rede von nahezu der Hälfte der Ehen, die geschieden werden. Ferner heiße es, dass die Ehen im Schnitt nur noch zehn Jahre halten. “Doch die Scheidungsziffern vergleichen die Zahl der Scheidungen im jeweiligen Jahr mit der Anzahl der Eheschließungen in jenen Jahren, in denen diese geschiedenen Ehen geschlossen wurden. Und das sind, da die Durchschnittsdauer der geschiedenen Ehen etwa zehn Jahre beträgt, hauptsächlich die letzten Jahre. Aber das hat nichts mit dem Gesamtbestand der Ehen zu tun.”

Der Linzer Psychotherapeut sagt, Ehen dauerten heute durchschnittlich 40 Jahre. Und das bedeute, dass Ehe heute länger dauerten als vor hundert Jahren, wo sie ein ganzes Leben lang hielten.

Kitt für die Ehe

RolfSauerb.jpgTatsache sei, dass die Ehe bei jüngeren Leuten tendenziell nicht mehr lange halte. Den Grund für das längere Zusammenhalten Älterer sieht Rolf Sauer (links) in den wirtschaftlichen Gegenbenheiten von früher. “Frauen haben da gar nicht gesehen, wie sie allein überleben können. Es gab daher von ihrer Seite aus kein Betreiben einer Scheidung.” Hinzu komme, dass Paare sich vielfach sagten: “Wir haben so viele Probleme hinter uns gebracht und überstanden.” Diese Auffassung binde auch innerlich aneinander. “Gemeinsam bewältigte Schwierigkeiten sind sozusagen ein großer Kitt für eine Ehe oder Partnerschaft.”

Sauer kritisiert, es habe sich “noch nicht ganz herumgesprochen”, dass Ehe oder Partnerschaft viel Pflege braucht. “Viele halten bei Schwierigkeiten einfach den Atem an. Aber das reicht nicht, denn vor hundert Jahren dauerte die durchschnittliche Ehe bedingt durch frühe Sterblichkeit zehn Jahre, jetzt viele Jahrzehnte. Und das geht dann eben nur gut, wenn es eben diese regelmäßige Pflege gibt.”

Eigentlich wollen Frauen gar nicht weg

In der Beratung zeige sich, dass Frauen mehr als Männer darauf achten, dass ihre Beziehung gelingt. Tatsache sei aber auch, dass die Scheidung heute großenteils von Frauen eingereicht werde. Sie bemängelten, ihr Mann tue nichts für die Beziehung. “Die Frauen sind unzufrieden,” sagt Sauer, “obwohl sie eigentlich nicht weg wollen.” Sein Fazit: “Männer müssen mehr Verantwortlichkeit dafür entdecken, dass es gemeinsam besser geht.”

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