Das haben Eltern nicht gezeigt
Frühes Verfallsdatum für Partnerschaften durch elterliches Vorbild
Er ist aufmerksam, tolerant, gepflegt, einfühlsam, gesprächsbreit, liebenswürdig, hilfsbereit, zuhörend – halt rundum erotisch. Sie übrigens auch. Beide shampoonieren sich gegenseitig regelrecht mit aufregenden und erregenden Gesten. Zwei, drei Jahre lang.
Ende der gegenseitigen Pflege
Dann wird’s weniger mit der gegenseitigen Seelen- und Körperpflege. Beide haben so lange aneinander herumgerubbelt, dass sie jeden inneren und äußeren Zentimeter voneinander kennen. Davon sind sie jedenfalls überzeugt. Und so langsam fällt’s wie Schuppen aus dem Scheitel: Was einst so anziehend wirkte, war wohl nichts als Schaumschlägerei.
In Phasen derartiger Ernüchterung geht Egon und Elfriede vom Jadebusen nichts anderes durch den Kopf als Tom Cruise und Nicole Kidman aus Hollywood. Ihre Sehnsucht nach dem dauerhaften Glück ist so groß, dass sie sich auf die Suche machen. Aber nicht in den eigenen vier Wänden. „Wenn die Beziehung einen völlig normalen Durchhänger hat, wird gleich alles infrage gestellt“ sagt die Psychologin Dr. Carole Liebermann im Magazin „emotion“. Auf ihrer Couch nimmt halb Hollywood Platz, und dabei macht sie die Erfahrung: „Man sucht lieber nach einem Neuen, der uns glücklich machen soll, anstatt sich um die Basis des Problems zu kümmern.“ Die entscheidende Frage sei: „Wie kann ich mich selbst glücklich machen?“
Kaum jemand will es glauben
Dies mag egoistisch klingen, denn jeder weiß, Egoismus ist ein mieser Treibstoff für Beziehungen. Aber wer mit seiner eigenen Position unzufrieden ist, strahlt nicht Anziehung sondern Säuernis aus. Drum tut er sich selbst und seinem Partner einen Gefallen, etwas zu ändern. Liebermann meint, am besten sei eine Inventur: „Sind Sie übergewichtig? Haben Sie Ihre Ausbildung abgebrochen oder sehnen Sie sich insgeheim nach einem anderen Beruf? Sind Sie introvertiert und wünschen sich, mehr Leute kennen zu lernen? Jeder hat seine Schwachstellen. Erst wenn man die erkannt hat, kommt der nächste, der schwierige Teil: die Reparatur.“
Carole Liebermann sieht noch einen weiteren Grund für schnell scheiternde Beziehungen. Sie sagt: „Viele Menschen wollen nicht glauben, dass eine Beziehung mit Arbeit verbunden ist.“
Was Männer männlicher macht
So ein Satz klingt überhaupt nicht attraktiv. Schließlich ist bereits der komplette Alltag mit Arbeit bis Plackerei ausgefüllt. Also sollte Zweisamkeit das Gegenteil bringen: Leichtigkeit, knisternde Erotik, Erfüllung. Das funktioniert aber nicht. Jedenfalls nicht auf Dauer und schon gar nicht ohne Maßnahmen, die Liebermann als Arbeit bezeichnet.
Sie hält Kommunikation für das Wichtigste. Liebermann rät Paaren, einen Abend in der Woche festzulegen, an dem sie sachlich über ihre Beziehung sprechen. Ihr ist klar, dass dies nicht allen leicht fällt. Denn „wir sind so beschäftigt mit dem Alltag, dass es nicht einfach ist, über Wünsche, Ängste oder Sex zu reden. So staut sich Unzufriedenheit auf, und plötzlich gerät man an einen Punkt, an dem es scheinbar keinen Ausweg mehr gibt.“
Ein Vorbild, dem wir unbewusst folgen
Klar, über Ängste zu reden, ist nicht jedermanns Sache. Vor allem Männer beten lieber ihre Stärken wie ein Glaubensbekenntnis rauf und runter, weil sie glauben, eine geäußerte Angst ramponiere ihre Männlichkeit. Aber vielleicht hilft der Gedanke, dass solch ein Geständnis Mut verlangt. Mut macht Männer männlich – und Frauen stark und begehrenswert.
Für die Psychologin ist es keine Frage, warum solche Anstrengungen kaum als notwendig erachtet werden: „Weil die Menschen nie gesehen haben, dass ihre Eltern sich untereinander bemühen, dass es möglich ist, gemeinsam Hürden zu bewältigen. Wenn man nur das Bild von den Eltern vor Augen hat, die sich gegenseitig aufgeben, wird man diesem Vorbild unbewusst folgen.“
Daran gibt es nichts zu rütteln
Außerdem registrierten Scheidungskinder klar die Folgen einer Trennung: „Mutter und Vater sind unglücklich, allein, sehr oft gibt es auch Geldprobleme – das beschwört bei vielen die Vorstellung herauf, dass es generell gefährlich ist, enge Beziehungen einzugehen, weil man dabei auch verletzt werden kann.“
Das heißt aber nicht, dass Liebermann jede Scheidung verteufelt. In vielen Situationen sieht sie in ihr den einzig richtigen Ausweg. Zum Beispiel wenn Gewalt eine Beziehung beherrscht oder wenn ein Alkoholiker sich nicht helfen lassen will. – „Wenn die Schwächen der Eltern die Kinder verletzen, ist eine Scheidung immer noch die bessere Wahl.“ Ansonsten empfiehlt sie ihren Klienten, mindestens ein Jahr lang eine Therapie zu machen. „Denn dass Scheidung einem Kind schadet, daran gibt es nichts zu rütteln.“
Foto: seher
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