Das Sex-Gänge-Menü
Trendforscher Matthias Horx weiß,
warum sich so viele Paare trennen.
Er sagt, es liege am schlechten Sex.
Ich habe kein Problem damit, dem Mann zu glauben. Denn dass wir allesamt in Sachen Sex mit einem Wissensstand und einer Leistungsfähigkeit wie Auszubildende vor Beginn ihres ersten erotischen Lehrjahres in den Tag und in die Nacht hineinleben, wissen wir. Wer es noch nicht weiß, schlage doch einfach mal ein Frauen- oder Männermagazin auf. Egal welches. Dort ist es Thema: unser defizitäres Sexleben – und dies seitenfüllend und Ausgabe für Ausgabe.
Was wir alle brauchen. Oder doch nicht?
Trendforscher Matthias Horx packt jetzt noch eins drauf. Er spricht vom “Gourmet-Sex“, den wir alle brauchen. Damit meint er: “Eine Sexualität, die nicht mehr Kuschelsex und Triebabfuhr ist, sondern die inszeniert ist wie ein Sechs-Gänge-Menü.” Dazu gehörten Fetischisierung und Inszenierung. Erotische Wäsche und Sexspielzeuge etwa fänden enormen Absatz.
Wen wundert das?! Wenn mir jedes „aufgeklärte“ Magazin einredet, wie langweilig und ideenlos es in nahezu sämtlichen Betten zugeht, dass ich mich inszenieren muss, um zumindest eine Ahnung von Erfüllung zu erzeugen, und dass ohne Rollenspielchen kein eheliches Dasein aufzupeppen ist, dann glaube ich das irgendwann.
Dann geht’s mir, wie einem, dem in der autogenen Trainingsgruppe minutenlang vorgeredet wird: „Meine Arme sind ganz warm, ganz warm.“ Irgendwann spricht er es nach, stellt sich’s vor – und auf einmal stimmt’s. Das nennt man dann Erfolgserlebnis. Doch wer täglich liest und sich sagt: „Mein Sexleben ist langweilig, total langweilig“, der glaubt auch das sehr bald. Mit dem Unterschied, dass es bei dieser Erkenntnis niemandem heiß wird. Wer an die Langeweile im eigenen Bett glaubt, kriegt kalte Füße und läuft sich auf dem schnellsten Weg zum nächsten Partner warm.
Die Spielzeugkiste im Bett
Doch wie ist guter Sex möglich? Mit Hilfe des einen oder anderen Fetischs, mit reizender Wäsche und einer Spielzeugkiste im Bett? Vielleicht. Dennoch schmecke ich auch aus des Trendforschers Gourmet-Tipp einen Wermutstropfen heraus: Ich erinnere mich an die eigene Kindheit, in der auch das tollste Spielzeug bald langweilig wurde.
Also ist gegen die Langeweile im Bett kein Kraut gewachsen? Das glaube ich nicht. Wo die Beziehung stimmig bis aufregend ist, hat Langeweile keine Chance. Oder anders ausgedrückt: Wenn der heiße Atemhauch eines geliebten Menschen im Nacken weht, ist das wie Viagra intravenös!
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“Wenn der heiße Atemhauch eines geliebten Menschen im Nacken weht, ist das wie Viagra intravenös!”
Ich kann mich diesem Zitat nur anschliessen, denn ich denke, dass oftmals das Sexleben in Beziehungen und Ehen nicht aufzupeppen wäre, indem man es mit Fetischen oder Spielzeugen versucht; das kann für eine Weile ganz nett sein, aber dauerhaft helfen wird es kaum.
Genügend Paare kenne ich, die seit ewigen Zeiten zusammen sind und schon Kinder haben und dennoch ein aufregendes Sexualleben mit ihrem Partner haben; woran mag’s liegen?
Es ist mehr als die Lust auf den anderen, mehr als die animalische Kraft, die den anderen anzieht, wenn ich leise nachfrage, dann höre ich meist: wir verstehen uns sonst auch auf allen Ebenen.
Auf allen Ebenen, ah ha. Und wie, bitte, sieht das praktisch aus?
Aus eigener Erfahrung kann ich wohl behaupten, dass es mir spätestens nach einem Jahr des Zusammenlebens mit meinen Partnern sowas von langweilig wurde, dass ich auch nicht mehr gewillt war, mit ihnen Sex zu praktizieren oder Liebe.
Es entstand ein Defizit und das resultierte meist daraus, dass ich geistig nicht mehr die Stimulation durch meine Partner fand, die mich so elektrisiert hätte, dass ich sie automatisch sexuell mehr als anziehend und anregend gefunden hätte; doch beides ist eng miteinander verwoben, wird aber meist vergessen; aktiviert man seine Lust, das Interesse am anderen, wird er automatisch immer Ziel der Leidenschaft sein,…es muss NICHT zwangsläufig langweilig im heimischen Bett werden, ….Phantasie ist auch oft der Schlüssel, sich miteinander ausleben zu können, sich fallen zu lassen im anderen, wie könnte das je langweilig werden?
Und dabei brauche ich dann auch keinen akrobatisch wertvollen Sex, keinen Hochleistungssex, keinen Fetisch und keine Spielzeugkiste, sondern einfach nur meinen Partner, den ich bloß durch meine Anwesentheit, durch meinen Körper, durch das was ich für ihn bin, anmache, und das ist ein so tolles Aphrodisiakum, dass man keine weiteren Hilfsmittel braucht…und es überdauert die Zeit.
Aufregend kann es also schon sein, nicht immer gleichermaßen. Nie ist der Sex gleich, wie könnte er das auch,…es kommt auch nicht auf die Quantität an, meine ich immer, sondern auf die Qualität. Und wurde ich in eine nie gekannte Ekstase getrieben durch meinen Partner, wie könnte ich das vergessen und wie könnte mich der bloße Gedanke daran nicht schon in Verzückung geraten lassen?
Und ist nicht das auch die wahre Liebe, wenn man über Jahre hinweg von seinem Partner geliebt und begehrt wird…auf eine Weise, die man selbst vielleicht gar nicht für möglich hält, die aber nicht blosser Mythos ist?