Der Weg zur schönen Bescherung
Pünktlich zu Weihnachten geht vielfach etwas
in Erfüllung, was sich keiner gewünscht hat:
Statt Frieden und Liebe gibt’s Zoff und Kränkung
unterm Tannenbaum. Und wenn’s dazu kommt,
ist dies fast so logisch wie das Knurren und
Fletschen eines Hundes, dem ein anderer den Napf
leerfressen will.
Ab Heiligabend ist alles ganz anders
Gründe für weihnachtliche Streitereien gibt es mehr als Nadeln am Christbaum. Dies hat wesentlich mit den eigenen Erwartungen zu tun. Denn wer darauf fixiert ist, dass mit Beginn des Heiligabends ein Drei-Tage-Friedens-und-Harmonie-Marathon zu beginnen hat, muss sich darauf einstellen, dass der eine oder andere Mitläufer bald schlapp macht. So viel Rücksichtnahme, Eintracht, Herzlichkeit und Friedfertigkeit am Stück ist halt kaum einer gewohnt. Schließlich verläuft der große Rest des Jahres ganz anders. Da gib’s zum Beispiel schlechte Laune – und die wird nicht kaschiert, sondern ausgelebt. Da gibt es Sorgen – und die stehen einem im Gesicht geschrieben. Da gibt’s die Firma, die einen zeitlich mehr einbindet als es alle familiären Bande schaffen. Und Letzteres bedeutet, dass so mancher heimische Streit erst gar nicht vom Zaun gebrochen wird, weil jede Streitpartei ihre eigenen Wege geht und kaum Gelegenheit findet, miteinander zu sprechen und einander zu ertragen.
Doch dann steht Heiligabend vor der Tür. Und das heißt, jedem fällt ein, wie Weihnachten in Kindheitsjahren einmal war. Damals ging nicht nur ein geheimnisvoller Zauber durchs Haus, da gingen auch größte Wünsche in Erfüllung. Doch mit dem Erwachsensein ist vielfach jegliches weihnachtliche Mysterium auf der Strecke geblieben. Stattdessen hat sich eine Sehnsucht nach diesem Mysterium eingeschlichen – und vor allem die Sehnsucht, Weihnachten möge all jene menschliche Zugewandheit, Liebe und Harmonie bescheren, die das ganze Jahr hindurch kaum denkbar ist.
Die frohe Weihnacht ist möglich
Wer eine solche Bescherung erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht, weil er seine Angehörigen überfordert. Dennoch gibt es Wege zur frohen Weihnacht. Sie sind zu finden, indem Familien bespielsweise darauf verzichten, ausgerechnet an den Festtagen Reizthemen wie Finanzielles oder Ungerechtigkeit zu diskutieren.
Der nächste Weg führt über eine entspanntere Sichtweise. Niemandem ist zu verübeln, wenn ihm der eine oder andere Besucher auf die Nerven geht. Ihn auszuhalten, kann mit der Vorstellung gelingen, dass jeder Gast irgendwann wieder geht.
Und bezüglich der Geschenke ist weniger Empfindlichkeit angebracht. Nehmen Sie es nicht persönlich, wenn jemandem Ihr Geschenk nicht gefällt oder wenn Sie selbst nichts erhalten, was Sie begeistert. Denn hinter beidem steckt keine Kriegserklärung, sondern allenfalls der gescheiterte Versucht, Freude zu bereiten.
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