Liebe ART

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Dialog, der Partner schafft.
In jeder Beziehung.



Dialog-Beratung in Text und Gespräch. Themen: Persönlichkeit, Privatleben, Karriere.

Die Chance im Liebeskummer

Herzschmerz und ChanceManchmal nimmt Liebe wirklich gruselige
Züge an. Da verliebt sich ein Mann in seine
Stiefmutter. Nicht dass dieser Mann für
ältere Frauen schwärmen würde. Nein, die
Angebetete ist sieben Jahre jünger als er.
Aber er kommt nicht an sie heran. Da ist
schließlich sein Vater, der Ehemann dieser
angehimmelten Stiefmutter, im Weg. Und
was macht der verliebte Mann? Er wird krank.
Schwer krank und schwermütig – aus lauter Kummer.

Er räumt das eheliche Feld

Das Leid des Sohnes lässt den Vater nicht kalt. Er tut was er kann, und das heißt: Er räumt das eheliche Feld und übergibt seinem liebeskranken Sohn, was er zum Gesundwerden braucht: die eigene Frau. Da die begehrte Frau Stratonike heißt, der Liebeskranke Antiochus und der Mann mit dem überdimensionalen väterlichen Herz Seleukos, ist zu vermuten, dass diese Dreiecksgeschichte weder in Bottrop noch in Buxtehude zu Hause ist. Passiert ist das alles im Vorderen Orient – und zwar 300 Jahre vor Christus.

Aber gegen Liebeskrankheit ist auch heute noch kein medizinisches Kraut gewachsen. Auch heute äußert sie sich dadurch, dass das Immunsystem schwächer und der Mensch anfälliger für Infektionen wird. Auch alte Verletzungen oder Beschwerden können sich in Zeiten von Liebeskummer wieder melden.

Als Liebeskummer noch beliebter war

Der Körper sei sehr erfinderisch und finde meist den passenden Ausdruck für den psychischen Schmerz, sagt die Salzburger Allgemeinmedizinerin und Psychotherapeutin Elisabeth Sprinz. Häufig träten in solchen Situationen auch Schlafstörungen, Ängstlichkeit und Antriebslosigkeit auf.

Die Auswirkungen von Liebeskummer sind zwar heute dieselben wie einst in der Antike, doch die Einstellung dazu habe sich im Lauf der Zeit gewandelt, sagt die Medizinerin. Liebeskummer sei nicht mehr sehr beliebt, wie etwa in der Romantik, „wo es fast schon als unanständig galt, wenn man keinen Liebeskummer hatte.“

Nur schwer auszuhalten

Das habe damit zu tun, dass eine glückliche Beziehung eine Mischung aus „Geschenk“ und Beziehungsarbeit sei und heute diese Arbeit im Sinne von „Machbarkeit“ im Vordergrund stehe. „Dass Liebe auch ein Geschenk ist, das man nicht erzwingen kann, dieser Aspekt wird heute oft vernachlässigt.“

Dadurch entstehe im Fall des Scheiterns einer Partnerschaft eine Hilflosigkeit, die nur schwer auszuhalten sei. „Denn Liebeskummer ist natürlich auch immer ein persönliches Scheitern – und Scheitern oder Versagen ist in unserer heutigen Gesellschaft verpönt.“

Eine gute Chance

Für Menschen, die sich selbst nicht sehr gern haben und deshalb darauf angewiesen sind, von anderen geliebt zu werden, sei der Liebeskummer bedrohlich. Bei einem solchen Menschen seien die körperlichen Reaktionen meist heftiger als bei einem Menschen, der sich mag und daher eine gewisse Resistenz gegen diesen Schmerz besitze. Elisabeth Sprinz ist der Auffassung: „Das Gefühl der Hilflosigkeit sollte man als Chance sehen, zu lernen, das zu nehmen, was einem das Leben eben bringt. – Liebeskummer birgt auch immer die Chance, sich weiterzuentwickeln.“

Foto: Gerti G./Quelle: PHOTOCASE

Comments

  1. Juni 3rd, 2009 | 02:0

    Ich persönlich habe Liebeskummer intensivst ausgelebt. Ein Jahr Krankheit hat mir aber gezeigt, welche Dinge wichtig für mich sind und mich auf den Weg “zu mir” zurückgeführt. Dass man allerdings so krank werden kann, hätte ich nie gedacht. Ich bin durch mit dem Kummer und fühle mich physisch so gut wie lange nicht mehr… Es wäre schön wenn so etwas sowohl von Ärzten als auch von den Betroffenen selbst zu Kenntnis genommen würde.

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