Liebe ART

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Dialog-Beratung in Text und Gespräch. Themen: Persönlichkeit, Privatleben, Karriere.

Einsame Zweisamkeit

Wenn die Flamme in der Partnerschaft erlischt, kann Einsamkeit schwerer als im Single-Haushalt zu ertragen sein.Sie sind Single
und fühlen sich einsam?
Es gibt Schlimmeres.

Niemand einsamer als sie

Das sagt jedenfalls John Cacioppo. Wenn’s einer wissen kann, dann er, denn der Professor von der Chicago University gilt weltweit als der bedeutendste Forscher in Sachen Einsamkeit. In einem Interview mit Welt am Sonntag sagte Cacioppo: „Interessanterweise hat sich unseren Forschungen zufolge niemand einsamer gefühlt als Verheiratete.“

Üblicherweise sei die Ehe einer der Faktoren, die geringere Einsamkeit produzierten. Und da Einsamkeit gesundheitsschädlich sei, tendierten Verheiratete dahin, in einer gesünderen Verfassung zu sein als Nichtverheiratete. Fühle sich jedoch jemand in der Ehe einsam, sei das Gegenteil der Fall. Und dafür kennt Cacioppo auch den Grund: „Der Ehestatus lässt einen hoffen, weniger einsam zu sein. Wenn man sich jedoch in einer Ehe einsam fühlt, ist es schlimmer, als nicht verheiratet und einsam zu sein.“

Das unerwünschte Erbe

Der Wissenschaftler geht davon aus, dass Einsamkeit vererbbar ist. Er spricht von einem „sozialen Gen“. Geselligkeit sei ein soziales Gen. Aber es gebe auch ein Einsamkeitsgen: „Eine holländische Wissenschaftlerin hat Vererbungsstudien durchgeführt und herausgefunden, dass Einsamkeit zu 47 Prozent vererbt wird.“
Als Gründe für Einsamkeit nennt Cacioppo vor allem gesellschaftliche Zwänge: „Sich für Karrieren immer wieder von Herkunft und Familie zu trennen. Ständig unabhängig zu sein und niemals wirklich zu Hause.“

Die Sonnenseite der Einsamkeit

Doch Einsamkeit könne auch etwas Heilsames haben. Darüber berichtet der Heidelberger Diplom-Psychologe Roland Kopp-Wichmann in seinem Blog. „Gestaunt jedenfalls haben die Verhaltensforscher des Max-Planck-Instituts, Andechs, als sie Dutzende von Freiwilligen für mehrere Wochen alleine in ein Zimmer sperrten, ohne Telefon, Fernseher, Radio oder sonstige Kommunikationsmedien. Nicht einmal ein Fenster gab es, nur künstliches Licht.“ Kontakt zur Außenwelt sei nur über Briefe möglich gewesen. Jeder habe mitbringen dürfen, womit er sich am liebsten die Zeit vertreiben wollte. So hätten die Teilnehmer Klavieretüden üben oder ihre Bauchmuskeln trainieren können.

„Am Anfang fürchteten alle, das Experiment nicht lange durchzuhalten,“ schreibt Kopp-Wichmann. „Doch als sich die Türen zur Außenwelt wieder öffneten, erklärten achtzig Prozent der Testpersonen, dass sie gerne mal wiederkommen würden.“ Sie seien danach “ruhiger und ausgeglichener” gewesen. Offensichtlich hätten sie gelernt, die Einsamkeit zu genießen.

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