Er ist so anders
Den Partner verbiegen und dann (wieder) lieben
„Ist die Liebe tatsächlich der
Königsweg zum Wahren, Schönen,
Guten?“ Über diese Frage stolperte
ich auf „Welt-Online“. Es gibt auch
eine Antwort. Ich glaube, in ihr
steckt Brauchbares.
“Die haben sich was in die Tasche geredet”
Das Magazin provoziert ferner mit der Frage, ob wir uns wirklich unaufhörlich gegenseitig verstehen, besänftigen, umerziehen müssen. Dann zählt es lauter kluge Geister auf, Leute wie Sokrates, Aristoteles, Cicero und Ovid, denn die hatten einst kapiert, „dass der Mensch für das dauerhafte Liebesglück gar nicht geboren ist.“
Nun kann man sagen: „Diese Herren haben sich alle ganz schön was in die Tasche geredet.“ Und vielleicht ist es tatsächlich so, dass sie es mit einem solchen Spruch geschafft haben, ihren eigenen freudlosen Ehe-Alltag zu ertragen.
Was Glückseintreiber so treiben
Aber nehmen wir mal an, diese vier Männer (und es gibt noch viel mehr ihrer Sorte) wären zutiefst davon überzeugt gewesen, nicht auf die Welt gekommen zu sein, um sich dauerhaft im Liebesglück zu suhlen. Wenn’s so gewesen ist, dann muss es ihnen ziemlich gut gegangen sein. Jedenfalls besser als jenen, die das dauerhafte Glück erwarten und so tun, als könnten sie es einfordern.
Denn was machen solche Glückseintreiber mit sich und ihrem Partner? Die mäkeln und biegen tagtäglich an ihm herum, um ihn irgendwann so verbogen zu haben, dass er ihnen wie angegossen passt. Sich in dieser Weise zu verausgaben, ist zwar anstrengend, hat aber auch einen nicht zu unterschätzenden „Vorteil“: Wer bis zur angestrebten Vollendung an jemandem herumbiegt, hat weder Zeit noch Mumm, in den Spiegel zu blicken und sich dort selbst womöglich als klapprigem Rohbau zu begegnen.
Ausleben
Was lässt uns dies ahnen? Dass Beziehung besser klappt, wenn wir nicht aneinander ziehen und zerren. Wenn wir den Partner lassen wie er ist, tut er was er will und fühlt sich wohl.
Eine Untersuchung britischer Wissenschaftler, von der „Welt-Online“ berichtet, scheint diese Ahnung zu bestätigen. Die Forscher fanden nämlich heraus, dass Ehen, in denen beide Partner ihre individuellen Interessen und Eigenheiten streitbar auslebten, sich als besonders stabil erwiesen – „und die so ineinander Verkeilten ein überdurchschnittlich hohes Alter erreichten“.
“Aber nicht mit meinem Partner”
So mancher wird jetzt sagen: „Okay, mag ja sein, dass Partnerschaft erst durch Autonomie und Distanz zum Salon freien und lustvollen Agierens wird. Aber nicht mit meinem Partner. Der ist so anders. Seine Marotten halte ich nicht aus.“
Mag sein, dass Elfriedes Andersartigkeit Egon ein Dorn im Auge ist. Doch jetzt kommt ein Aber: Erstens ist es eine Illusion, einen Menschen in seinem Grundwesen verändern zu können, denn der Mensch bleibt in seiner Essenz wie er ist. Und daraus ergibt sich: Elfriede war immer so – so anders als Egon – so rechthaberisch, so schüchtern, so pingelig. Es gab jedoch eine Zeit, in der Egon dies alles kein Dorn im Auge war. Damals sah er Elfriede an und fing vor Lust fast an zu schielen.
Überlegen, was er da tut
Zugegeben, das mag lange her sein. Aber bevor Egon nun wieder und wieder zur Brechstange greift, um seine Frau zu dem Weib zu verbiegen, das er aktuell gern hätte, sollte er überlegen, was er da tut: Er bricht damit das, was diese Frau einst für ihn zum Inbegriff seines Begehrens machte: ihre Eigenheit.
Foto: designritter/Quelle: PHOTOCASE
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Auch ich habe leider diese Erfahrung immer wieder machen müssen und habe mich oft gefragt, ob es wohl an mir selbst liegt, ob ich immer wieder den Eindruck vermittle, verbogen oder umerzogen werden zu müssen.
Erst sind es die Eigenheiten, die der Partner an einem liebt und die ihn so einzigartig machen. Im Laufe einer Beziehung werden auf einmal diese Dinge ins Gegenteil verkehrt. Aus “Zielstrebigkeit” wird auf einmal “Sturheit” – aus “Geradlinigkeit” wird auf einmal die “Unfähigkeit Kompromisse zu schließen”.
Für mich war das lange Zeit völlig unverständlich und hat zu heftigen Streiteren geführt. Eine Partnerschaft ist kein Kampf, aber ich hatte oft das Gefühl “an der Front” zu stehen.
Auch heute kämpfe ich oftmals noch, denn ich will mich nicht mehr verbiegen lassen, ich bin wie ich bin – ein eigenständiger Mensch – und will auch so akzeptiert werden. Nur sehe ich mich auch heute noch oft mit der Frage konfrontiert, warum es für uns Menschen eigentlich so schwierig ist, sich gegenseitig zu akzeptieren. Die eigenen Unzulänglichkeiten nicht sehen zu wollen, ist sicher ein Grund. Aber ist es nicht genauso mühsam den anderen umerziehen zu wollen als sich selbst zu erziehen?
Liebe Doris,
du fragst, ob es nicht ebenso mühsam ist, den Partner umzuerziehen wie sich selbst.
Ich glaube, beide Maßnahmen bringen wenig (Gutes). Denn jeder Mensch hat ein Grundwesen, und an dem hält er fest, mit dem ist er verbunden wie zwei Blatt Papier mit einem Klecks Uhu.
Natürlich kann und sollte man sich in Rücksicht, fairem Verhalten und Respekt üben. Aber so mancher steht vor einer solchen Übungsaufgabe, wird von dem üblen Gefühl beschlichen, da könnte Anstrengendes auf ihn zukommen und zieht es dann vor, diese Aufgabe doch lieber seinem Partner zuzuschieben.
Lieber Andreas,
ich danke dir für diese Antwort. Das ist dann wohl die Definition von “der Partner schafft”.
Du meinst “der Parter schafft” sein Gegenüber?
Soweit sollte er es nicht treiben können. Denn erstens hat das Gegenüber eine Verantwortung sich selbst gegenüber, und zweitens kann auf Dauer niemand etwas mit einer Partnerin anfangen, die sich geschafft fühlt, weil er sie geschafft hat.
Richtig, denn das ist gerade der Kampf, den ich meinte, sich ständig dagegen zu wehren, vom anderen “geschafft” zu werden. Denn das kann für mich, und ich denke, da werden mir vielleicht andere Leser zustimmen, ganz sicher nicht Sinn einer Partnerschaft sein.
Danke nochmals für die Antwort.