Liebe ART

Sprechen.  Verstehen.  Beziehung schaffen.
Dialog, der Partner schafft.
In jeder Beziehung.



Dialog-Beratung in Text und Gespräch. Themen: Persönlichkeit, Privatleben, Karriere.

Flirt mit dem Verbotenen

Geheime Lust auf Verbotenes. Die Münchner Ärztin Vivian Pramataroff-Hamburger rät Frauen, ihre geheimen lasziven, leidenschaftlichen und egoistischen Wünsche zu offenbaren.Was eine Ärztin Frauen in der Zeitschrift
emotion rät, wird so manche Leserin
erstmal verunsichern. „Das kann man
doch nicht machen!“, werden andere
denken – und insgeheim die Lust
verspüren, vielleicht doch mal das
wohlerzogene, angepasste, eigene Ich
von der Leine zu lassen.

Mit dunklen Geheimnissen locken

Dr. Vivian Pramataroff-Hamburger gibt Frauen den Tipp, sich von geheimen Wünschen verführen zu lassen. Theoretisch bedeutet das, laszive, leidenschaftliche, egoistische Züge an sich zu entdecken. Und etwas praktischer heißt es: „Gönnen Sie sich einen Flirt mit Ihrer vermeintlichen Schattenseite. Provozieren, locken, spielen Sie mit Ihrem dunklen Geheimnis.“ Und schließlich fordert die Münchner Frauenärztin, Sexualmedizinerin und Psychotherapeutin auf: „Öffnen Sie sich dem sinnlichen Abenteuer, es macht noch begehrenswerter.“

Und warum? Um es zu erklären, zieht Vivian Pramataroff-Hamburger einen Vergleich mit der Natur. Sie erwähnt Tag und Nacht, Sonne und Wolken, Hitze und Kälte. Es sei selbstverständlich, dass diese Gegensätze zum großen Ganzen gehören. Auch der Mensch sei vielseitig und manchmal voller Widersprüche. Seine Gefühle schwankten zwischen Liebe und Hass, Freude und Trauer, Verständnis und Eifersucht.

Ständig gut und nett und – langweilig

Die Münchner Ärztin sieht all diese Facetten als einen Reichtum, der Menschen lebendig mache, sie aber auch ängstigen könne. Wer immer nur „gut“ oder nett erscheinen wolle, wirke bald langweilig. Sie vertritt die Auffassung: „Besonders anziehend sind die Menschen, die unterschiedlichsten Gefühlen in sich Raum geben und sie weder missachten noch unterdrücken.“

Vivian Pramataroff-Hamburger geht es um die Sehnsüchte, die jeder Mensch hat, die er sich aber nicht zu offenbaren traut: Um die „Lust auf Verbotenes, Geheimnisvolles, Gefährliches.“ Jemanden auf übliche Weise kennzulernen, sei „eine nette Sache“, „aber viel aufregender kann ein Blick im Gedränge sein, ein vielsagendes Lächeln, zwei Menschen, die sich plötzlich intensiv wahrnehmen. Ein spontanes Date, bei dem irgendwann alles im Spiel ist. Alles.“

Wenn der Kitzel zu hoch bezahlt wird

Klingt reizvoll. – Nicht nur in Frauenohren. Doch habe ich das Gefühl, es könnte vor dem ausgelassenen Flirt mit den eigenen „Schattenseiten“ nützlich sein, mal kurz das Licht einzuschalten. Dann sieht man klarer die Grenzen der eigenen Belastbarkeit. Denn das Verbotene, Geheimnisvolle und Gefährliche zu tun, ist nicht in jedem Fall bereichernd. Es kann auch schwächen. Zum Beispiel, wenn eigene Werthaltungen für den ersehnten Kitzel über den Haufen geworfen wurden. Dann kann schon ein flüchtiger Blick in den Spiegel zur finsteren Perspektive werden. Oder wenn nach der süßen Tat Gewissensbisse quälen. Dann sieht’s auf einmal auch jenseits der attraktiven „Schattenseiten“ ganz finster aus.

Comments

  1. März 21st, 2008 | 08:0

    Sie erwähnt Tag und Nacht, Sonne und Wolken, Hitze und Kälte. Es sei selbstverständlich, dass diese Gegensätze zum großen Ganzen gehören.
    Was ja kaum mehr als ein schlechter Scherz ist, so zu argumentieren.
    Erstens sind Sonne und Wolken keine Gegensätze, zweitens werden Hitze und Kälte nur das menschliche Maß an Wärme und einer kulturell eingeschliffenen Semantik zu Gegensätzen.
    Dass Frauen sich vieles nicht zutrauen, auch heute noch nicht, nach vierzig Jahren offenem, kämpferischen Feminismus, ist natürlich schade. Und da ist es jedenfalls richtig, sich nicht nur als lieb zu verstehen, sondern auch seine grausameren, kämpferischen Seiten zu entdecken. Schließlich ist Aggression die Basis allen Lernens.
    Diese Schattenseiten aber im Dienste einer Liebschaft zu nehmen, hört sich für mich sehr nach Manipulation und Einschränkung an. Zumal eine Schattenseite nur solange eine Schattenseite ist, solange sie so bewertet wird.
    Ich empfehle hier stark, schwachsinnige Ratgeber links liegen zu lassen (oder lieber rechts), sich nicht auf die glückliche Beziehung zu konzentrieren, und statt dessen in jeglicher Richtung aktiv zu werden. Der Mensch ist ein Vielfaches, und jedes Teil dieses Vielfachen macht Sinn und ist produktiv. Warum nicht nutzen, was da ist? Warum sich selbst mit heilen oder dunklen Beziehungswünschen disziplinieren, wenn man ein Meute von Wölfen oder ein Rudel Steinböcke sein kann? Und vor allem: warum sich einreden, man habe ein Geheimnis? (Obwohl ja viele Menschen gerade deswegen ein Geheimnis haben, weil dieser Gedanke so populär ist.)

  2. Marie W.
    Mai 18th, 2008 | 03:0

    Dieser Beitrag rüttelt mich auf!
    Um den eigenen inneren Frieden zu bewahren bin ich gerne gut und nett. Wenn mir das gelingt, fühle ich mich ausgeglichener, erfahre positivere Spiegelungen. Trage zur Balance in einem Refugion bei, in dem ich mich wohler und angenommener fühle. Wer kennt nicht die Räume, die wir betreten, in denenen die Summe der Stimmungen vrunsichern? Wer möchte sich schon Aggressionen durch Aggression ausliefern?

    Bei sich selbst zu bleiben und seine Möglichkeitspalette und Erweiterungen auszutesten ist voller Kribbeln und faszinierend! Keine Frage. Diese Augenblicke, die verbinden im Vorübergehen, diese Gespräche, die unerwartet in die Tiefe gleiten, diese Gesten, die überwältigend sind, diese Begegnungen, die alle Türen öffnen …… die kenne ich.

    Wie Salz in der Suppe! Menschsein in jeder Sekunde, wenn auch so lange Zeiten oft so öde und monoton verlaufen, offen bleiben für Sonne und Wolken, Schatten und Licht. Eine schöne Vorstellung, eine gute Einstellung! Trotzdem manchmal ist auch eine Schlucht zu durchwandern, aus heiterem Himmel befinden wir uns in ihr und bahnen uns wieder und immer wieder einen Weg hinaus. Das Dasein ist bunt, vielfältig und lebens- und liebenswert.

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