Liebe ART

Sprechen.  Verstehen.  Beziehung schaffen.
Dialog, der Partner schafft.
In jeder Beziehung.



Dialog-Beratung in Text und Gespräch. Themen: Persönlichkeit, Privatleben, Karriere.

Gefesselt von Gewalt

Was hält Frauen bei ihrem gewalttätigen Partner?Sie werden kontrolliert, erpresst,
geschlagen, und dennoch trennen
diese Frauen sich nicht von ihrem
Partner und Schänder.
Warum nicht?

Gründe wie Bandagen

Gründe, in Angst zu verharren, gibt eine Menge. Wenn Frauen lange aus ihrem Beruf heraus sind, befürchten viele, keinen neuen Job zu finden und rechnen mit Diskriminierung, falls sie Arbeitslosengeld beziehen müssen. Beim Nachdenken über Trennung geht ihnen durch den Kopf, das eigene Haus und somit eventuell Heimat verlassen zu müssen. Andere fragen sich, ob ihr Plan gegenüber ihren Kindern egoistisch ist. Sie wollen ihnen den Vater nicht nehmen, denn sie wissen: „Die Kinder hängen an ihm.“ Häufig ist es auch der Druck, den Familie und Kultur ausüben. Durch ihn fühlen Frauen sich gezwungen, auszuhalten. Und nicht zuletzt löst die Vorstellung Panik aus, für den Schriftverkehr mit Gerichten und Ämtern keine Kraft mehr zu haben.

Neben diesen ganz praktischen Gründen, den Schritt in die Angstfreiheit nicht zu wagen, gibt es noch einen weiteren. Frauen, die von massiver Gewalt, Kontrolle und Angst geprägt sind, „weisen oftmals deutliche Merkmale von Traumatisierung auf.“ Von solchen Fällen berichtet das Magazin „Psychologie heute“. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von „ambivalenter Bindung“. Das Blatt schreibt, Polizei, Ärzte und andere Helfer rieten solchen Frauen zwar zur Trennung, verzweifelten aber oft auch an ihnen und zögen den Schluss: „Die gehen ja doch alle zurück.“

Schuldgefühl gegenüber dem Täter

Eva Beyer ist Konflikt- und Krisenberaterin und arbeitet seit über 20 Jahren für den Verein „Frauen helfen Frauen“ in Oberursel. Über Frauen, die ambivalent an ihren Partner gebunden sind, schreibt sie in „Psychologie heute“, sie hätten massive Angst vor ihm. „Aufgrund der lang anhaltenden Traumatisierung und des zerstörten Selbstbewusstseins fühlen sie sich aber nicht in der Lage, ihr Leben allein oder zusammen mit ihren Kindern zu bewältigen.“ Und noch etwas verhindere ihren Schritt in die Freiheit: Häufig komme das Schuldgefühl hinzu, die Gewalt zumindest mit verursacht zu haben, Angst vor dem Trennungsschmerz oder die Sorge um den Partner, wenn er im Fall einer Trennung mit Suizid drohe.

Eva Beyer erwähnt Frauen, die glauben, ihr Partner könne ohne sie nicht leben. Sie sagten: „Der kann sich ja nicht einmal ein Spiegelei selbst braten.“

Ein paradoxes Gesetz

Laut Beyers Auffassung bedarf es noch vieler gesellschaftlicher und rechtlicher Maßnahmen, um es Frauen zu erleichtern, den schweren Trennungsschritt zu gehen. Laut Gesetz, so berichtet das Magazin „Psychologie heute“, sei jeder Elternteil zum Umgang mit seinem Kind berechtigt, wenn dies nicht dem Wohl des Kindes widerspricht. Gewalt gegen die Mutter werde von Gerichten und Jugendämtern nicht immer als Gewalt gegen das Kind anerkannt. Diese Institutionen stünden auf dem Standpunkt: Ein Mann, der seine Frau misshandelt hat, kann trotzdem ein guter Vater sein. So seien Mütter gezwungen, bei der Übergabe des Kindes im Rahmen des Umgangsrechts ihrem Schänder immer wieder zu begegnen.

Comments

  1. Heike
    Mai 16th, 2008 | 04:0

    Psychische Gewalt scheint aus meiner Erfahrung heraus immer noch eine wenig bekannte Variation von Gewalt zu sein. Sie zerstört Selbstwertgefühl – ein fataler Verlust, denn der Mensch kann ohne positiven Selbstwert und ohne positives Selbstbewusstsein nie frei werden, weil die Zweifel stetig an ihm nagen. Er traut sich nichts mehr zu, beginnt alles mit Angst. Physische Gewalt geht m.E. immer auch mit psychischer Gewalt einher, psychische Gewalt hingegen funktioniert auch ohne physische. Um so erstaunlicher ist es, dass die Betroffenen (und es sind nicht nur Frauen) sich nicht trennen. Aber mit einem zerstörten Selbstwertgefühl werden sie dies auch nie tun, denn sie vertrauen weder sich, noch der Freiheit, noch den Inhalten eines freien Lebens. Der Täter erreicht sein Ziel damit auf mehreren Ebenen: Er demütigt körperlich und seelisch, zerstört den Mensch und bindet ihn gleichzeitig an sich. Ein Teufelskreis.

  2. Doris
    Mai 21st, 2008 | 03:0

    Es zeugt doch bereits von einem gestörten Selbstwertgefühl, Gewalt überhaupt zuzulassen. Häufig sind das doch Frauen, die Gewalt schon früh in der Familie oder ihrem Umfeld erlebt haben, quasi damit aufgewachsen sind. Solche Frauen geraten immer wieder an gewalttätige Männer, selbst wenn sie sich trennen, können sie oftmals die Gewaltschraube nicht durchbrechen.

    Gerade Kinder erleben Gewalt als etwas “Normales”, wenn sie täglich damit konfrontiert werden. Umso paradoxer ist die Entscheidung der Gerichte. Kein Mann, der seine Frau misshandelt, kann ein guter Vater sein. Ein Vater hat eine Vorbildfunktion, er darf seinen Kindern nicht vorleben dürfen, dass Gewalt ein “normales” Mittel der Konfliktlösung ist. Es wäre wünschenswert, wenn dies auch die Gerichte mal erkennen würden.

  3. Dana
    Juli 25th, 2009 | 03:0

    Dazu will ich folgendes sagen..

    Es gibt keine bestimmte Zielgruppe…es gibt auch kein Muster…
    Ich war selbst 22 Jahre in einer solchen Beziehung und kann bestätigen…daß die Angst einen lähmt…der Mangel an Selbstwertgefühl…das nicht vorhandene Selbstbewußtsein..
    Ich bin durchaus intelligent…in meiner Familie gab es niemals Gewalt..und trotzdem ließ die Angst mich ausharren..
    Bis ich nach 22 Jahren einen solchen Hunger nach Leben verspürte..daß ich ausgebrochen bin…
    Und garantiert würde mich niemals mehr ein Mann psychisch oder physisch misshandeln können…
    Denn jetzt habe ich meinen SELBSTWERT gefunden..
    Der es mir ermöglichen würde…SOFORT einen Schlußstrich zu ziehen..!!!!!

  4. April 25th, 2011 | 09:0

    Ein trauriges Thema, …. zu dem ich eigentlich nichts hinzufügen möchte.

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