Hält die Liebe Urlaub aus?
Können Sie es kaum noch erwarten,
im Urlaub endlich Zeit mit Ihrem
Partner zu haben? Dann passen Sie auf,
dass die nächste Reise nicht Ihr letzter
gemeinsamer Urlaub wird.
Wenn aus Freizeit Streitzeit wird
Schließlich wird in Deutschland jede dritte Scheidung nach dem Urlaub eingereicht, denn vielfach entpuppt sich die lang ersehnte Freizeit zur Streitzeit. Und das ist gar nicht seltsam, meint Dietmar G. Luchmann in einem Interview mit der Zeitschrift Allegra. Er ist Herausgeber der Online-Zeitschrift „Psychotherapie“ und Leiter des ABARIS-Instituts für Psychotherapie in Stuttgart.
Luchmann zählt auf, was das süße gemeinsame Urlaubsleben so bitter macht. Eine wesentliche Ursache für Streitereien liegt seiner Auffassung nach darin, dass deutsche Paare im Alltag kaum miteinander ins Gespräch kommen. Laut Statistik reden sie pro Tag durchschnittlich kaum zehn Minuten miteinander. Das ganze Jahr über geben Beruf und Haushalt dem Tagesverlauf nicht nur Struktur, sie geben den Partnern auch die Chance, sich bei Bedarf aus dem Weg zu gehen.
Fremde Zweisamkeit
Im Urlaub hingegen ist alles anders. Er und sie verbringen den Tag von früh bis spät gemeinsam. „Sind die Wünsche nach der Urlaubsgestaltung sehr verschieden und gelingt keine ausgewogene Lösung, so wird aus den häufig überzogenen Erwartungen leicht ein Gegeneinander,“ sagt der Diplompsychologe und Paartherapeut Luchmann. „Der Gesprächsstoff geht rasch aus, und die gewohnten wechselseitigen Kränkungen und Abwertungen potenzieren sich.“
Die stärksten Probleme haben laut Fachmann Männer im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Luchmann nennt vor allem Ärzte, Anwälte und Selbständige, weil sie außerhalb ihrer Freizeit kaum in den familiären Alltag eingebunden sind. „Sie empfinden es häufig als Diktat, typisch weibliche Beschäftigungen wie Kinder hüten, Einkaufen gehen oder das Ferienhaus putzen erledigen zu müssen.“
Unterschiediche Bedürfnisse
Schwierig wird’s auch, wenn Mann und Frau unterschiedliche Erwartungen im Reisegepäck mit sich schleppen. Wenn sie beispielsweise davon träumt, sich tagelang mit einem Buch in der Sonne zu aalen und er sich vorgenommen hat, auf Entdeckertour zu gehen, ist die Krise programmiert. Um das zu vermeiden, rät Dietmar G. Luchmann, sich auch im Urlaub realistische Ziele zu setzen. Das heißt, zur Urlaubsplanung muss es gehören, die Bedürfnisse aller Beteiligten zu erforschen und zu berücksichtigen.
Natürlich sind verschiedene Wünsche nicht immer ohne weiteres unter einen Hut zu bringen. Darum ist der Paartherapeut der Meinung: „Bei sehr unterschiedlichen Interessen kann ein getrennter Urlaub mehr Erholung und Gewinn bringen und damit der Partnerschaft dienen als der verkrampfte Versuch von Gemeinsamkeit.“ Wichtig sei es, sich der Bedeutung von Urlaub bewusst zu sein. „Urlauben heißt, sich etwas erlauben. Dazu gehören das Faulenzen ebenso wie Zärtlichkeit und Zuwendung, die im Alltagsstress oft untergehen, oder auch der Sex auf der Parkbank.“
Der Mittelweg zum Ziel
Und allen, die sich bei dem Vorschlag, getrennt zu verreisen, irritiert schütteln, schlage ich einen Mittelweg vor: Starten Sie gemeinsam, aber versuchen Sie am Urlaubsziel nicht krampfhaft, alles gemeinsam zu tun. Wenn er sich einen Trip über die Insel wünscht und sie sich eine Acht-Stunden-Siesta im Sand, ist’s doch okay. Menschen sind Individuen mit eigenen starken Bedürfnissen. Sich diese hin und wieder ohne schlechtes Gewissen gegenüber dem Partner auf eigene Faust zu erfüllen, entspricht ihrer Individualität. Zwanghafter Gleichschritt hingegen ist, als wolle die Schnecke aus Liebe zur Gazelle Sprinterin werden. Wenn beide sich den Freiraum gewähren, zu tun, was ihnen entspricht, tun sie sich selbst und ihrem Partner gut – und somit auch ihrer Beziehung.
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Ich hab ja schon zu einem ähnlichen Thema hier Stellung bezogen und kann nur selbst sagen, dass es sicherlich so ist, dass viele Paare sich nach oder während des Urlaubs noch trennen. Das kenne ich selbst, ist in vergangenen Beziehungen bei mir schon vorgekommen und leider ist es immer noch so, dass ich so gesehen eine Akklimatisierungszeit benötige, soviel Zeit mit meinem Partner zu verbringen; das ist nicht unbedingt so ungewohnt, aber in der Intensität doch besonders.
Tag und Nacht ist man zusammen, es gibt keine wirklichen Rückzugsmöglichkeiten, es sei denn, man gönnt sich in seinem Hotel mal eine Wellness-Stunde, alleine, wohlgemerkt……aber sonst ist man aufeinander irgendwie angewiesen und verbringt automatisch jede Minute gemeinsam.
Bei mir im persönlichen Fall nun ist es so, dass nach den ersten Tagen, wenn ich auch seelisch und geistig im Urlaubsland/ziel angekommen bin, es für mich urlaubstechnisch wirklich losgehen kann; dann ist es das Schönste für mich jede Minute mit meinem Mann zu verbringen, mit ihm faul am Strand zu liegen oder kulturelle Höhepunkte zu erleben; offen bin ich dann und entspannt und eigentlich genau das, was man sein sollte, wären da nur die ersten Tage nicht.
Wenn man doch einfach vom ersten Tag auf den 5. springen könnte und dort beginnen könnte, das wäre doch mal wahre Erholung. Und dann klappt es auch mit der Liebe und das Thema Scheidung ist weit entfernt, und doch leise, in den ersten Tagen, keimt es in meinem Kopf, SCHEIDUNG, einfach, weil die Dinge nicht so laufen wie sie sollten, völlig ungeachtet der Tatsache, dass mein Mann natürlich für alle Umstände rein gar nichts kann.
Aber das gebe ich natürlich NIEMALS vor meinem Mann zu.