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Dialog-Beratung in Text und Gespräch. Themen: Persönlichkeit, Privatleben, Karriere.

Internet wichtiger als Sex

Internet wichtiger als SexEs klingt geradezu unglaublich und
unseriös, was eine aktuelle Studie ans
Licht gebracht hat. Sie sagt, 46 Prozent
der Frauen und 30 Prozent der Männer
verzichteten lieber zwei Wochen auf sexuelle
Kontakte als aufs Internet. Doch beim
näheren Hindenken wird das Unglaubliche
durchaus begreifbarer.

Was steckt bloß dahinter?

Es waren der amerikanische Chiphersteller Intel und das Marktforschungsinstitut Harris Interactive, die wissen wollten, was den Menschen wichtig ist. Zu diesem Zweck befragten sie 2119 Erwachsene und fanden heraus, dass das Netz hoch oben auf der Prioritätenliste thront. Selbst in finanziellen Notlagen, so gestehen die Befragten, würden sie nicht aufs Web verzichten wollen. Da streichen sie schon lieber Kabelfernsehen, Restaurant-Besuche, neue Kleidung oder die Jahreskarte fürs Fitnessstudio.

Doch zurück zum Sex. – Beziehungsweise zum Nicht-Sex. Was steckt bloß dahinter, wenn so viele Frauen und Männer sich lieber abstinent zusammenreißen als vom Internet loszulassen? Wie kann ein Zugang zum Internet den Eintritt zum Partner ersetzen? Außerdem, das Eine ist doch mit dem Anderen gar nicht zu vergleichen. Partner und PC stehen doch allenfalls in einem Verhältnis wie Sahnetorte und Schlagbohrmaschine.

Auf diesen Mann kann sie verzichten

Doch Moment mal, das Konditoreiprodukt bringt mich auf einen Gedanken. Nehmen wir mal an, dass Elfriede ihrem Egon nicht (mehr) wie ein Sahneteilchen mundet, sondern eher wie Ingwerwurzel pur zerkaut – und das ohne Betäubung. So etwas kommt vor. Wenn dies der Fall wäre, wäre es für Egon bitter und für Elfriede Anlass zu säuerlicher Reaktion. Sie würde bald locker drauf verzichten, ihren verbitterten Egon wie einst als machtvoll durchdringende Schlagbohrmaschine einzusetzen.

Das heißt, das Interesse der zwei, sich sexuell zu vereinen, ist so groß wie das Bestreben zweier sich begegnender Boings, nicht zusammenzurasseln. Also gleich null.

Wenn das Begehren tief im Innern sägt

Doch das heißt nicht, dass jegliche sexuelle Begehrlichkeit der beiden auf dem Nullpunkt dümpelt. Diese Begehrlichkeiten sägen, tief in Egon und Elfriede verborgen, am Gefangenenstatus. Sie wollen raus, suchen Wege. Wege, über die unzählige potenzielle Ersatz-Egons und Ersatz-Elfriedes flanieren. Wege, auf denen es sich lohnt, seine Netze auszulegen. Und wo ist das? Im Netz.

Foto:Teufelchen/Quelle: PHOTOCASE

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