Liebe ART

Sprechen.  Verstehen.  Beziehung schaffen.
Dialog, der Partner schafft.
In jeder Beziehung.



Dialog-Beratung in Text und Gespräch. Themen: Persönlichkeit, Privatleben, Karriere.

Liebe im Urlaubssand verlaufen

Wenn die Liebe im Urlaubssand verläuftFür viele Paare geht im Sommer
ein Traum in Erfüllung, den sie
ein ganzes Jahr lang geträumt haben:
endlich Koffer packen, nichts wie
weg und Zeit füreinander haben.
Doch statt Harmonie in der Hazienda
gibt’s Streit um Sightseeing und
Strandkorb.

Kann Liebe so blind machen?

Wenn Interessen so unterschiedlich sind, dass Egon und Elfriede im Urlaub ihr Interesse aneinander verlieren, kreuzt die Frage auf: Wie um Gottes Willen sind die beiden jemals ein Paar geworden? So blind, dass sie elementare Unterschiede nicht sehen, kann Liebe doch gar nicht machen.

Doch, sagt Manfred Hassebrauck im Magazin “emotion”. „An solchen Sprüchen ist schon etwas Wahres dran.“ Der Professor für Sozialpsychologie von der Uni Wuppertal meint: „Frischverliebte glauben, sie seien sich ähnlicher, als sie es wirklich sind.“

Aber wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass eine Kultur-Kanone wie Egon sich in eine Elfriede verliebte, die beim Anblick von Sand und Meer schlagartig zur wochenlang in sich ruhenden Strandschildkröte mutiert?

Es muss etwas ganz Besondereres gewesen sein

Diese Frau muss etwas Besonderes an sich gehabt haben. Zumindest in den Augen von Egon. Egal, welch stählerner Charakter oder welch weiche Formen ihn und auch sie hingerissen haben. Fakt ist, beide haben dieses Etwas als so schön empfunden, dass sie mit sämtlichen Sinnen nur noch auf dieses Eine fixiert waren. Wenn der Professor aus Wuppertal erklärt, was in solchen Fällen passiert, klingt das so: „Positive Gefühle beeinflussen unsere Informationsverarbeitung, wir fällen unsere Urteile dann nicht mehr so sorgfältig.“

Von dem Sprichwort „Gegensätze ziehen sich an“ hält er nicht viel. Hassebrauck meint, Ähnlichkeit sei erheblich wichtiger und funktionaler für die Beziehung als Gegensätzlichkeit. Wenn Egon und Elfriede nämlich beide der Meinung wären, als Strandschildkröte seien sie die einzig wahren Urlaubsgenießer, hätten sie ein Problem weniger.

Ein Beispiel aus dem Leben

Außerdem sagt Hassebrauck: „Ähnlichkeit gibt Sicherheit.“ Auch dafür ein Beispiel aus dem Leben: Elfriede wendet sich in tiefster Verunsicherung an ihren Egon und fragt: „Bist du nicht auch der Meinung, dass Strandschildkröten gegen Sonnenbrand und Hautkrebs immun sind?“ Mit einer diametral entgegengesetzten Lehrmeinung würde Egon ruckzuck jegliche Harmoniebestrebungen in Elfriedes Sand setzen. Eine Antwort, die ihr Sicherheit gäbe, wäre: „Ja, Liebste, was du sagst, ist doch mein ständiges Reden.“ – Eine solche Meinungsübereinstimmung gäbe Elfriede die Sicherheit, mal wieder Egons kompetente Gesprächspartnerin zu sein.

Gegensätzlichkeit könne auch Vorteile bieten, meint der Wuppertaler Professor: „Wenn der Partner sich für Dinge interessiert, die bei einem selbst ,weiße Flecke’ sind, kann man tatsächlich voneinander profitieren: etwa wenn Sie für Reisen schwärmen, Ihre Partnerin dagegen am liebsten in die Oper geht.“ Wichtig sei, dass die Bereiche sich nicht gegenseitig ausschließen. Doch, so lautet Hassebraucks Erfahrung, solch positive Fälle „sind Ausnahmen“.

Comments

  1. Doris
    Juli 3rd, 2008 | 08:0

    Ich kann das aus eigenen Erfahrungen nur bestätigen. Am Anfang einer Beziehung sind die meisten Menschen nicht authentisch, jeder möchte den anderen beeindrucken, sich nur von seiner besten Seite zeigen, um den anderen nicht gleich wieder zu vergraulen. Wer möchte schon, dass eine neue Liebe gleich zu Anfang die eigenen vermeintlich “schlechten” Eigenschaften erkennt?

    Uns faszinieren am Anfang einer Beziehung oftmals Dinge, die sich im alltäglichen Leben dann als gar nicht mehr so wichtig herausstellen. Wir definieren den anderen nur über dieses eine faszinierende Etwas und dieser Grund, warum wir uns in den anderen verliebt haben, tritt im Laufe der Zeit immer mehr in den Hintergrund, weil man dann doch irgendwann erkennt wie der andere – oder man selbst – wirklich ist.

    Gegensätze ziehen sich nicht an, sondern Gemeinsamkeiten sind es, die Partner verbinden, was nicht heißen soll, dass man nicht auch unterschiedliche Interessen oder Meinungen haben darf. Nur wenn die Gegensätze so gravierend sind, dass es eigentlich kaum Gemeinsamkeiten gibt, dann fragt man sich schon, wie konnte man nur so blind sein.

    Oftmals versucht man dann, in einem gemeinsamen Urlaub wieder die Dinge zu finden, die man am eigenen Partner einmal so faszinierend fand. Man versucht quasi zum Ursprung zurück zu finden, doch genau das funktioniert in der Regel nicht, vergangenes lässt sich nicht zurück holen und Gemeinsamkeiten, die nie bestanden haben, lassen sich dann auch nicht finden.

  2. Juli 7th, 2008 | 07:0

    Mit Beziehungen ist es nun mal wie mit dem kreativen Schreiben: man muss nicht ähnlich sein, man muss Ähnlichkeiten auch lernen. Glücklicherweise gibt es für beides ein Medium, das uns Ähnlichkeiten erlaubt, ohne uns großartig zu verändern. Das ist die Sprache. Indem ich mit dem Partner intensiv und offen spreche, kann ich ein Abbild von ihm bekommen, das meine Gedanken seinen “ähnlich” machen kann, ohne dass ich als ganzer Mensch mich verändern muss. Und ähnlich verhält es sich mit dem Schreiben: ich muss nicht einen Stephen King nachpanschen. Es genügt, wenn ich mir intensiv Mühe gebe, seine Schreibtricks zu verstehen und kann dann besser und trotzdem anders schreiben. Sprache hat also die widersprüchliche Eigenschaft, Ähnlichkeiten zu schaffen, ohne den Sprecher mit seinem Zuhörer ähnlich zu machen. Und dann funktionieren sowohl Beziehungen, in denen sich Partner ähnlich sind, als auch Beziehungen, in denen Partner sehr ungleich sind.
    Frederik

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