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Liebende Freiheit zu dritt

Benoite Groult: Liebende Freiheit zu drittIhre Enkelin habe noch kein einziges Buch
von ihr gelesen. „In ihren Augen ist es peinlich,
dass ihre Großmutter mit 60 Jahren freizügig
über Sex schrieb,“ sagt die Autorin.

Fünf Jahrzehnte lang zwei Männer

Wie sie heute, mit 88 Jahren, über dieses Thema denkt, erzählt Benoite Groult (Foto) in einem Interview mit der Zeitschrift „Brigitte woman“.

Fünf Jahrzehnte lang hatte die französische Autorin des erotischen Romans „Salz auf unserer Haut“ zwei Männer. Ihr Ehemann Paul Guimard war Schriftsteller und Franzose – ihr Geliebter Kurt Heilbronn war ein amerikanischer Pilot, der als deutscher Jude 1925 in die USA emigrierte.

Eine Ehe kam nicht in Frage

Über ihr Zusammensein mit ihrem Liebhaber sagt sie: „Wir haben uns fünf Jahrzehnte lang getroffen, im Abstand von Monaten, manchmal sogar Jahren.“ Bei jedem Wiedersehen sei es gewesen, „als seien wir wieder jung, wie 18-Jährige.“ Benoite Groult vermutet, dies sei möglich gewesen, da ihre Leidenschaft fern vom Alltag gewesen sei. „Unser Verlangen füreinander hörte niemals auf. – Weil wir wussten, dass wir nach ein paar Tagen wieder Abschied nehmen mussten.“

Ihren Geliebten zu heiraten, sei für sie nie in Frage gekommen. Über Kurt Heilbronn sagt die Autorin, er habe „überhaupt keine Bildung“ gehabt. „Er interessierte sich nicht für Kultur, er las kein einziges Buch.“

Seine Affären

Benoite Groult machte die Erfahrung, dass Beziehung durchaus rein sexuell sein könne. Umgekehrt halte sie es für schwierig, zu einem tieferen geistigen Verständnis vorzudringen, ohne Sexualität miteinander zu erleben. Mit ihrem Mann habe sie ein tiefes gedankliches Verstehen verbunden. „Mit ihm konnte ich mich wunderbar unterhalten. Wir hatten so viele gemeinsame Interessen: Die Liebe zur Kultur und auch zur Natur, wir gingen zusammen fischen.“

Paul Guimard, ihr Mann, habe während ihrer Ehe einige Affären gehabt, und Benoite Groult gesteht, eifersüchtig gewesen zu sein. „Sehr sogar.“ Literarisch habe sie dieses Gefühl in ihrem Buch „Juliette und Marianne“ verarbeitet. Paul hingegen sei kein eifersüchtiger Mensch gewesen. Schließlich sei von ihm der Vorschlag gekommen, einen Ehevertrag à la Sartre-Beauvoir zu machen und somit eine polyamore Partnerschaft einzugehen. „Als wir heirateten, sagte er mir klipp und klar, dass er künftig keineswegs seine Augen vor anderen schönen Frauen verschließen wollte. In unsere Eheringe ließen wir das Motto ,Freiheit, Gleichheit, Treue’ eingravieren.“

Freiheit, Gleichheit, Treue: kein Widerspruch

Dies sei kein Widerspruch, sagt Benoite Groult. Man könne sich als Paar Freiheiten gönnen, vorausgesetzt, „man kann zwischen zufälligen und notwendigen Lieben unterscheiden.“ Das funktioniere nur, solange beiden bewusst sei, wer die Haupt- und wer die Nebenfigur sei.

Auf die Frage, ob das sexuelle Begehren im Alter verschwinde, sagt die 88-Jährige: „Nein, ich denke, es vergeht nie.“ Für einen Mann sei Sex im Alter schwieriger als für eine Frau, weil viele Männer unter Impotenz litten. Aber „eine Frau kann eigentlich immer Sex haben.“

Liebe ohne Zusammenleben

Benoite Groults Freund starb vor sechs Jahren, ihr Mann vor vier. Danach habe sie sechs Monate gebraucht, um sich wieder an den Schreibtisch setzen zu können, sagt die Autorin. „Das ist wie beim Tiefseetauchen, es dauert, man kann nur langsam an die Oberfläche des Meeres steigen.“

Wenn sie über eine neue Liebe nachdenkt, wird ihr klar, nicht mehr mit einem Mann zusammenleben zu wollen. „Aber ich hätte gern einen Gefährten, mit dem ich reisen könnte, mit dem ich ins Kino oder in ein Restaurant gehen würde. Ich wäre gern oft mit ihm zusammen. Aber ansonsten will ich mein Leben so leben, wie ich es will. Ich brauche meine Freiheit.“

Comments

  1. August 1st, 2009 | 07:0

    Bin mal gespannt, was dem nächsten dazu einfällt – ich bin klar dafür.

  2. Oktober 2nd, 2009 | 01:0

    In dieser Form gefällt mir das ausgezeichnet

  3. November 5th, 2009 | 10:0

    Nicht schlecht, was da abläuft

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