Liebe ART

Sprechen.  Verstehen.  Beziehung schaffen.
Dialog, der Partner schafft.
In jeder Beziehung.



Dialog-Beratung in Text und Gespräch. Themen: Persönlichkeit, Privatleben, Karriere.

Mager sucht sie Liebe (Teil III)

„In meiner Familie haben dicke Frauen nichts zu suchen.“ „Und wenn man sich dann vorstellt,“ überlegt Andrea Köster, „dass jedes Mädchen seinem Vater natürlich unbedingt gefallen möchte, dass es von ihm hübsch gefunden werden will!“ Sie geht davon aus, dass dieser Vater sich längst nicht mehr an seinen fatalen Ausspruch erinnert. „Aber seiner Tochter hat sich dieser Satz bis heute ins Gehirn gebrannt.“

Chance und Gefahr

Die Hamburger Psychologin hält etwas scheinbar Banales vor Augen, wenn sie sagt: „Bis zu einem gewissen Alter glauben Kinder, was Eltern ihnen sagen.“ Darin sieht sie „enorme Chancen“ für Erzieher aber ebenso die Gefahr, das Seelenleben von Menschen zu beeinträchtigen.“

Eine wesentliche Ursache für Bulimie liegt nach Auffassung der Psychologin auch bei den Müttern: „Die haben zum Teil ein marodes Frauenbild vorgelebt.“ Andrea Köster spricht von Müttern, die sich in ihrer Ehe überwiegend angepasst verhalten. Sie sieht allerdings auch die Gründe dafür und denkt an die Zeit, als die meisten Frauen keine höhere Bildung genossen und somit beruflich auch keine Unabhängigkeit erlangten: „Diesen Frauen musste es darum gehen, einen Mann zu kriegen. Sie haben viel dafür getan, ihm zu gefallen. Aber wer einen Versorger braucht, kann es sich nicht leisten, seine Persönlichkeit heraushängen zu lassen.“

Der tägliche Kampf ums Geliebtwerden “kostet richtig viel Geld”

Je heftiger Kindern das Selbstwertgefühl im Elternhaus genommen wird, desto verbissener sind sie später darauf aus, es sich zu beschaffen. Und das auf subtilste und unheimlichste Weise. Stefanie sagte, wie sie es machte. Weinend sagte sie es, während sie ihren Blick im Schoß vergrub: „Ich habe mich doch immer so bemüht, geliebt zu werden.“

Weingummi-b.jpgFür eine Topfigur zu hungern, um zu gefallen, erscheint mir noch nachvollziehbar. Aber warum Massen verschlingen und anschließend alles erbrechen, wollte ich von Andrea Köster wissen. Sie sagt, das sei noch nicht alles: „Bulimie kostet richtig viel Geld. Da wird ein Brot verschlungen, dann eine ganze Katjes-Tüte, dann zwei Tafeln Schokolade.“ Was solche Frauen im Grunde wollen, nennt die Psychologin Anerkennung und Liebe. „Sie versuchen ein Loch zu stopfen, das mit Nahrungsmitteln nicht zu stopfen ist. Anschließend kommt das schlechte Gewissen. Und dann versucht man, durch das Erbrechen wieder eine Kontrolle über den eigenen Körper zu erlangen.“ Magersüchtige Frauen könnten sich im Grunde selbst nicht ausstehen und kaum aushalten. „Wenn sie allerdings essen und erbrechen, gibt ihnen dies das Gefühl, zumindest Macht über ihren eigenen Körper zu haben. Hier üben sie endlich mal die Kontrolle aus, sind stark.“

Solche Komplimente kommen nicht an

Durch derartige Kontrolle täuschten sie sich selbst eine Wertschätzung vor, die ihnen kein anderer Mensch geben könne. „Männer können die tolle Figur so einer Frau noch so sehr bewundern,“ sagt Andrea Köster, „magersüchtige Frauen glauben an solche Komplimente einfach nicht.“

Die Psychologin betont das Paradoxe dieses Krankheitsbildes: „Diese Frauen wollen unbedingt einen schönen Körper, machen ihn aber kaputt. Die Organe werden geschädigt und die Zähne gehen durch ständiges Erbrechen und Übersäuerung kaputt.“

Vorstellungen vom “richtigen” Mann

Andrea Köster erfährt in ihrer Praxis immer wieder, wie sehr geringes Selbstwertgefühl eine Beziehung belastet. Hier sei die Stärke des Partners gefordert. In seiner Überlegenheit bestehe täglich die Gefahr, die Schwäche der Frau auszunutzen. Dennoch steht die Psychologin nicht auf dem Standpunkt, die Beziehung mit einer magersüchtigen Frau sei grundsätzlich zum Scheitern verurteilt. In ihren Augen sieht der „richtige“ Mann für einen solchen Fall so aus: „Es ist einer, der nicht in der Psychokiste kramt, sondern aufmerksam und liebend hinschaut, um dann mit Verstand und Herz auf die Frau einzugehen. Sie muss das Gefühl haben, ihm ihre Ängste und Sorgen erzählen zu können. Wenn sie sagen kann, was sie wirklich fühlt, kann das auf einer tieferen Ebene zueinander führen.“

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