Liebe ART

Sprechen.  Verstehen.  Beziehung schaffen.
Dialog, der Partner schafft.
In jeder Beziehung.



Dialog-Beratung in Text und Gespräch. Themen: Persönlichkeit, Privatleben, Karriere.

Qualvolle Beziehungen

Quaelende-Beziehungb.jpgSo mancher muss in seiner Beziehung täglich
damit rechnen, dass ihm Übles blüht. Aber
er unternimmt nichts dagegen. Im Gegenteil.
Ich denke an eine Frau, deren Mann Alkoholiker
ist. Sobald er angetrunken nach Hause kommt,
reicht eine falsche Bewegung von ihr, und er
schlägt zu. Und was tut sie? Sie rechtfertigt
sein Verhalten, sagt, er habe einen total miesen
Tag gehabt: „Ihm ist halt die Hand
ausgerutscht.“ Da fragt man sich, gibt es Menschen, die die
Qual brauchen?

Wenn Erlittenes gerechtfertigt wird

Zugegeben: Dies ist ein krasses Beispiel. Andere sagen: „Er ist schrecklich eifersüchtig, kontrolliert mich auf Schritt und Tritt – aber dadurch zeigt er mir ja auch, wie wichtig ich ihm bin.“

Das Verhalten derart Gepeinigter scheint völlig sinnlos, hat aber eine Ursache, sagt Dr. Marcus Damm von EliteBlog.de. Oberflächlich betrachtet geht es hier um Beziehungen, in denen einer quält und der andere die Qual aushält. Tiefenpsychologisch betrachtet entsteht mehr Klarheit. Im Fachjargon nennt man den Quälenden Sadist, den, der die Qual aushält, Masochist. In vielen Fällen halten Menschen Qualen aber auch ohne masochistische Züge aus. Sie werden bestimmt von der Angst. Beide leben „Macht und Kontrolle“ aus, jedoch tun sie es beide auf ihre Art. Und zwar, indem einer aktiv ist und der andere passiv.

Böses Verhalten hat einen Grund

Tiefenpsychologen sagen, die Ursachen beider Verhaltensweisen lägen in der Kindheit verborgen. Ich weiß, so mancher winkt bei diesem Hinweis grinsend ab, weil er es nicht mehr hören mag, dass jedes noch so unmögliche Fehlverhalten mit einer schlimmen Kindheit entschuldigt wird. Aber hier geht es nicht um eine Entschuldigung miesen Verhaltens. Hier geht es darum, zu verstehen, warum Menschen tun, was sie tun. Wer das kapiert, hat eine Chance, sich zu ändern.

Die Tiefenpsychologie geht davon aus, dass Heranwachsende stark verinnerlichen, wie ihre Eltern miteinander in Beziehung stehen. Das heißt, wenn ich angebliche Liebe jahrelang als etwas Erleidendes oder als Quälen registriere, kann es passieren, dass ich dieses Verhalten trotz aller Ablehnung übernehme. Das Fatale bei der späteren Partnersuche ist: Als Erwachsene ziehen sich Menschen, die solches vorgelebt bekommen haben, an.

Das sagt mir: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Unterbewusst tendiert er zu dem, was ihm vertraut ist. Selbst dann, wenn es sein Zutrauen zur Menschheit vollends zerstört.

Comments

  1. Juni 8th, 2007 | 08:0

    Es ist ja so: (Liebes)Beziehungen entstehen nicht in einem von heute auf morgen gefassten Entschluss, sie entwickeln sich, man gerät in sie hinein, ist irgendwann – auf eine harmonische bis traumatische Weise – miteinander verbunden bis verstrickt. Und an diesem Punkt fängt es an, kompliziert zu werden. Die einen steigen immer weiter in den Brunnen hinein, stehen irgendwann bis zur Hüfte in dem Irrtum Liebe = Leid. Die anderen lösen sich schnell und unkompliziert aus so einem Missverständnis und gehen ihren eigenen Weg weiter. Frauen sind im Aushalten von Männern, die ihnen nicht gut tun, sehr erfolgreich – vor allem, wenn es als Zeichen persönlicher Größe gewertet werden soll… Vielleicht wollen wir Frauen den Unterschied zwischen Aushalten und Geduld nicht wahrnehmen:
    Ich muss Situationen nicht aushalten, die festgefahren sind. Geduldig sollten wir hingegen sein, wenn sich eine Entwicklung abzeichnet.
    Geduld ist eine von Natur aus erwünschte Eigenschaft – vor allem der Frau.
    Geduld ist ein Ausdruck der (Selbst)Liebe. Aushalten jedoch eine Form von (Selbst)Verachtung. Der vor sich hindümpelnde Eigenwert, ist dann gerade noch wahrnehmbar, wenn man dem Beziehungshorror einen Heiligenschein überstülpt: ich bin ja so gut, ich verlasse meinen Mann / meine Frau nicht einfach, ich halte das aus… Dumm nur, dass man den Partner gerade dadurch zum Bleiben zwingt – und zum Weitermachen. Denn wer kann so einen Gutmenschen schon verlassen? Und weitermachen kann ich auch, der / die bleibt ja sowieso…

    Menschen lernen nur aus eindeutigen Ansagen und konsequentem Handeln. Wer nicht hören will muss fühlen! Alles, was einschneidende Massnahmen erwarten lässt, macht hellhörig. Bloßes Aushalten leider nicht (selbst erlebt: was war die Heulerei gross, als ich nach einigen Warnungen wirklich ging…)
    Insofern sollte man seinen Partner zur Grenzwahrung erziehen. Bis hierhin und nicht weiter!
    Erst mit klar aufgezeigten Grenzen und konsequentem Handeln genießt man/frau in einer (Liebes)Beziehung Respekt und Ansehen. Erst im Aufzeigen von Grenzen kann Liebe wirklich grenzenlos werden und sich inniges Vertrauen entwickeln – und damit dann auch gesunde Geduld.

    Iris

  2. Mai 19th, 2009 | 10:0

    Auch wenn es hart klingt, so hat doch jeder die Wahl. Sich den Partner auszusuchen und auch zu verlassen.
    Und wenn ich dann lese, dass jemand Kontrolle und Eifersucht so deutet, dass dies ein Zeichen der Wertschätzung ist, dann wird mir übel. Vielleicht auch noch Schläge akzeptieren, weil mich der andere sooooo lieb hat???
    Jeder Mensch gehört sich im Grunde nur selbst. Teilt er sich mit jemanden, ist es seine Entscheidung. Wird diese “Teilhaberschaft” vom Partner – egal ob Mann oder Frau – aber in Besitz umgewandelt, wird es gefährlich.

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