Liebe ART

Sprechen.  Verstehen.  Beziehung schaffen.
Dialog, der Partner schafft.
In jeder Beziehung.



Dialog-Beratung in Text und Gespräch. Themen: Persönlichkeit, Privatleben, Karriere.

Schlagende Männer

Schlaegerb1.jpg„Was soll ich anders tun,
als jemanden niederzuschlagen!?
Dann geht es mir wieder besser.“

 

 

 


Typisch weiblich?

Das sagte ein junger Mann, dessen Mutter gestorben war, gegenüber Christian Wiesner, der in der österreichischen Beratungsstelle „Männerwelten“ arbeitet. Wiesner von der Beratungsstelle gegen Männergewalt entschuldigt das Verhalten des geständigen Mannes nicht. In den “Salzburger Nachrichten” erklärt er aber, warum so jemand zuschlägt: „In diesem Moment spürt er die Trauer nicht. Er will sich damit nicht auseinander setzen. Er ist allein, einsam, verzweifelt und glaubt, diese Emotionen durch Gewalt wegschlagen zu können.“ Doch das sei trügerisch. Trauer müsse man durchleben können.

Immer noch hätten Männer vielfach das Problem, sich auf Angst, Verzweiflung, Trauer oder Scham einzulassen. In ihren Augen seien solche Emotionen typisch weiblich. Zu Christian Wiesners Aufgaben gehöre es, Männern verständlich zu machen, dass beispielsweise Angst wichtig fürs Überleben sei. Angst mache vorsichtig und bringe Menschen dazu, rechtzeitig Vorsorge zu treffen.

Männliche Angst

Als Pädagoge und Kommunikationswissenschaftler weiß Wiesner, dass Gewalt in der Familie häufig aus Eifersucht, also aus Angst, die Frau zu verlieren entsteht. Die Furcht, kein voller Mann zu sein, immer Recht haben zu müssen oder überfordert zu sein, spiele ebenfalls eine Rolle. Männer verdrängten ihre Angst „und machen meist ein neues Konfliktfeld auf. Statt über Eifersucht und Verlustängste zu sprechen, schlagen sie zu.“ Der Gewaltberater meint, nach dem Zuschlagen fühle sich jeder Gewalttäter für einen Moment lang wie befreit. Dieser Zustand sei aber nur von sehr kurzer Dauer. „Danach tut es ihm meist Leid, aber er ist nicht in der Lage, über seine Ängste zu sprechen, weil er die Emotionen, die nicht mit seinem Männerbild zusammenpassen, zulassen will.“

Wiesner will nicht missverstanden werden. Darum stellt er klar: „Es gibt kein zufälliges Schlagen. Gewalt passiert nicht, sie findet statt.“ Es erfordere immer eine Entscheidung, wo und wie jemand zuschlage. „Deshalb muss man dem Mann als Täter unmissverständlich die Verantwortung übergeben.“ In der Gewalttherapie von „Männerwelten“ gehe es darum, Männern klar zu machen, dass sie sich auf Emotionen in den verschiedensten Formen einlassen sollten. Es gehe darum, Begrifflichkeiten neu zu denken und neu zu besetzen. Erst wenn der Mann seiner Partnerin zeige und sage „Ich habe Angst, dich zu verlieren“, anstatt Ohrfeigen zu verteilen, entstehe Beziehung, Dialog und Partnerschaft.

Comments

  1. Januar 7th, 2008 | 11:0

    Mittlerweile bin ich von einem gewalttätigen Mann geschieden. Er kommt nicht von mir los und hält mich für die Liebe seines Lebens – das Einzige, das ihm etwas bedeutet. Nach Scheidung und neuer Beziehung seinerseits möchte er Freundschaft, denn er möchte nicht auf mich in seinem Leben verzichten. Ich weiss, dass er mich liebt. Ich weiss auch, was er getan hat. Verziehen habe ich ihm, vergessen werde ich seine Gewalt nie. Mir ist aufgefallen, dass manche Gewalttäter, die Frauen, die ihnen nichts bedeuten, nicht schlagen. Sie können mit ihnen ein ganz normales Leben führen. Warum das so ist, weiss ich nicht. Aber ich habe es im entfernten Bekanntenkreis beobachtet und auch bei meinem Ex-Mann in der Beziehung mit seiner neuen Freundin. Ich halte Gewalttäter für obsessive Partner, die eine Persönlichkeitsstörung haben. Ich halte mich für eine Frau mit Helfersyndrom. Aber die Zukunft wird anders aussehen. Lieber bleibe ich allein, als noch einmal so etwas zu erleben.

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