Liebe ART

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Dialog-Beratung in Text und Gespräch. Themen: Persönlichkeit, Privatleben, Karriere.

Wenn Frauen wüssten… (Teil I)

Bett3-b.jpg„…wie stark ihre sexuelle Macht ist, und wenn
sie diese Macht neu kultivieren würden, würden
ihre Männer sie wesentlich stärker begehren.“
Und nicht nur das. Die Berliner Diplompsychologin
Alexandra Schwarz-Schilling geht sogar so weit,
dass sie sagt, dann wäre es um das soziale Miteinander
in der Gesellschaft besser bestellt. Hinter dieser Behauptung stehen einerseits Ahnungen und Erfahrungen, die so gut wie jeder hat. Hinter ihr stehen aber auch wissenschaftliche Erkenntnisse, die wenig populär sind und die Sexualforscher anspornen, mehr zu erfahren.

Sexualität bietet Größeres als das, was Zeitschriften große Auflagen verschafft, mehr als ein kurzer Spaß und Kick, den Mann sich und seiner Partnerin mal eben verschafft. Weil Sexualität Menschen die Möglichkeit gibt, sich immer wieder mit ihrem Ursprung zu verbinden, bringt Alexandra Schwarz-Schilling einen Begriff ins Spiel, der vor allem in der Theologie zu Hause ist. Sie spricht von „re-ligio“ und ruft in Erinnerung, dass dieses Wort ursprünglich weder etwas mit einer Glaubensausrichtung noch mit einem Glaubensbekenntnis zu tun hat, sondern „Rückverbindung“ bedeutet.

Es ist viel mehr als das Eindringen

Als das eigentliche Wunder beziehungsweise Mysterium der Sexualität bezeichnet die Psychologin die Verschmelzung. Sie ist mehr als das Eindringen des Penis in die Vagina: „Hier kommen zwei Lebenskraftenergien in vollständiger Vereinigung zusammen.“ Das heißt, Frau und Mann haben jeweils ihre eigenen Energien und Körpersäfte, mit denen sie sich während der Verschmelzung beim Liebesspiel gegenseitig aufladen.

Portraet1-b.jpgAlexandra Schwarz-Schilling (links) unterscheidet scharf zwischen sexueller Erfüllung und Befriedigung. Sie lässt keinen Zweifel daran, dass Letzteres durchaus lustvoll und kurzfristig zur Spannungsentladung führt. „In der Regel geht diese reine Befriedigung aber mit Energieverlust einher. Die wesentliche Frage ist, was den Unterschied zu wirklicher sexueller Erfüllung ausmacht.

Unter dem Titel “ZU ZWEIT – Beziehungscoaching für Singles und Paare” hat die Psychologin ein Buch verfasst. Darin sagt sie: „Sexuelle Erfüllung wird im Wesentlichen durch die Frau möglich.“ Und nicht nur das: Sie spricht von einer nachhaltigen Wirkung mit „nährendem und heilendem Charakter.“ Denn ob es nicht nur zum befriedigenden Orgasmus, sondern auch zur erfüllenden Verschmelzung kommt, ist davon abhängig, „wie weit sich die Frau für den Mann öffnen und ihre Körpersäfte fließen lassen kann.“

Wenn das gelingt, wird das eigentliche Mysterium, die Religio, die Rückverbindung zum Ursprung erlebbar. Aber ob die Frau sich so leidenschaftlich und hingebungsvoll fließend öffnet, kann sie nur selbst bestimmen. „Um diese Öffnung zu erleben,“ sagt Alexandra Schwarz-Schilling, „sucht der Mann seit Jahrtausenden die Frau.“

Keine Erfüllung zum Nulltarif

Diese Erfüllung gibt es nicht „mal eben so“. Schwarz-Schilling ist der Auffassung: „Wenn wir so viel Zeit in unsere Sexualität investieren würden wie in unseren Beruf, hätte unser Sexualleben eine völlig andere Qualität.“

Was diese andere Qualität bedeutet, davon haben Matthias* und Claudia*, beide Mitte dreißig, quasi kurz vor Toresschluss eine Ahnung bekommen. Beide empfanden ihr Zusammenleben als so belastend, dass sie unmittelbar vor einer großen Krise standen. Da sie sich aber trotz aller Unzufriedenheit noch liebten und im Grunde zusammenbleiben wollten, starteten sie einen Versuch.

Im Gespräch mit der Berliner Psychologin wurde ihr Kernproblem schnell deutlich: Matthias rackerte als selbständiger Kaufmann so engagiert, dass er kaum noch zu Hause war. Claudia, Biologin, arbeitete nicht in ihrem Beruf, sondern versorgte den Haushalt und ihre zwei Kinder. Hatte ihr Mann endlich Feierabend, konnte er in Claudias Gesicht bereits lesen, was sie ihm vorwarf: „Ich stehe mit allen häuslichen Aufgaben allein da. Du hast nur noch Sinn für deinen Job. Was hier passiert, geht völlig an dir vorbei.“

Bett1-b.jpgGrauer Himmel überm Bett

Insgeheim gab Matthias ihr Recht, sah jedoch keine Möglichkeit, das zu tun, was er selbst gern getan hätte: kürzer treten. Er wusste nicht, wie er der Wettbewerbsmaschinerie entweichen sollte. Echte Verbundenheit war auch im Bett nicht mehr möglich. Claudia empfand Matthias nicht mehr als anziehend, sondern sah in ihrem Mann in erster Linie das, was sie eifersüchtig machte: Claudia wusste, dass er trotz allen Gejammers über sein Arbeitspensum seine Führungsposition genoss. Sie war eifersüchtig auf seinen Erfolg und auf seine Möglichkeit, der Familie einen gehobenen Lebensstandard zu verschaffen.

Seit Jahren spielte Claudia mit dem Gedanken, sich beruflich zu entfalten. Sie wollte Meditationskurse anbietet. Aber daraus wurde nichts. Claudia traute sich nichts mehr zu, sah sich in einem engen Loch, in dem ihr keine neue Initiative möglich war.

Sachlich zur Sprache kam das ganze Dilemma erst im Coaching-Gespräch mit Alexandra Schwarz-Schilling. In der moderierten Unterhaltung blieb beiden nichts anderes übrig, als den Partner anzuhören und auf ihn einzugehen.

Eine befreieinde Einsicht

Dabei begriff Claudia langsam, wie aussichtslos es war, ihr komplettes persönliches Glück vom Partner zu erwarten, sich ausschließlich auf ihn zu fixieren und darauf zu warten, dass er endlich Zeit für sie haben würde. Alexandra Schwarz-Schilling sagt: „Wenn sich all ihre Gedanken um den Partner drehen, überfrachtet sie alles, was mit ihm zu tun hat. Dann sind ihre Erwartungen zu hoch.“

Claudia verstand, wie sehr sie ihre Energie damit verschwendete und dass eine ausgepowerte Frau für ihren Partner kaum noch anziehend wirken kann. Die Psychologin sagt: „Ihr wurde klar, wie sie ständig ihr persönliches Glück an ihren Mann delegierte, sich selbst dadurch entmachtete und permanent schwächte.“

Stärkung erfuhr Claudia in einem Coaching-Seminar, das unter dem Titel „Erfolg und Eros“ in Berlin stattfand. Matthias sagt, dabei habe es bei ihm „endlich Klick gemacht“. Im moderierten Gespräch mit Claudia verstand er, wie verletzt sie durch ihre gemeinsame Lebensführung war.

Frauen auf Männertrip

Trotz allen Verständnisses ist jedoch Fakt, dass in der Gesellschaft das Leistungsprinzip dominiert, und dieses Prinzip ist männlichen Ursprungs. Frauen neigen zwar zu ganz anderem, geschlechtstypischem Verhalten, haben aber längst das männliche Regelwerk zu einem Teil von sich gemacht. Darum glauben vielfach auch sie, Sexualität müsse möglichst erregend, spannend und voller Höhepunkte sein.

Qualitäten des weiblichen Prinzips sind Liebe, Stille, Langsamkeit und absichtslose Präsenz, denen allerdings kaum noch jemand Wichtigkeit einräumt. „Dabei ist Ruhe und Entspannung die Voraussetzung, um die Gewässer der Frau so sehr zu erwärmen, dass sie sich öffnen und auch dem Mann neue Erfahrungen in seinem sexuellen Erleben ermöglichen kann,“ sagt die Psychologin.

Stattdessen steuert der Mann zielstrebig auf den Orgasmus zu, glaubt, seine Partnerin wolle Sex auf gleiche Weise wie er, und wenn sie den Höhepunkt nicht erreicht, beruhigt er sich mit der Erklärung: „Sie braucht halt etwas länger.“

*Name geändert
(Weiter zu Teil II)

Comments

  1. birgit b.
    Februar 27th, 2007 | 07:0

    lillian rotter(1896-1981), psychoanalytikerin aus der schule ferency`s, sprach anfang der 30-er jahre vor der ungarischen psychoanalytischen vereinigung einen vortrag über weibliche sexualität und leiblichkeit und setzte so der freud`schen these vom penisneid der frauen und dem daraus abgeleiteten mangelgefühl eine neue these entgegen:
    “frauen besitzen eine “magische”macht über männer, indem sie durch berührungen, magische gebärden, exhibition, und was noch zauberhafter ist, durch ihr ledigliches dasein, körperteile der männer bewegen können;sie haben macht über diesen körperteil ohne dass dieser ein teil ihres eigenen leibes ist, vielmehr teil eines anderen leibes ist. männer sind dieser macht ausgeliefert, selbst wenn sie nicht wollen, passiert es, und seltsamerweise gerade dann, wenn sie besonders wollen, gelingt es mitunter nicht.
    einmal entdeckt, bedeutet diese macht für mädchen und frauen allerhand. diese macht beschränkt sich nicht nur auf den mann, sie wirkt auf alle männer. sie kann sich auch auf etwas entfernteres als den eigenen körper beziehen, wirkt also auch auf distanzen. in der phantasie bekommt diese macht etwas allmächtiges, andere leute, männer dazu zu bringen, etwas zu tun, dessen diese selbst nicht mehr herr sind.”

    und- es ist wahr.
    nicht schlimm- einfach nur wahr.
    und sie wurde mit dieser these in die psychoanalytische gesellschaft aufgenommen- selbst die in der überzahl vorhandenen männer konnten die wahrheit als solche erkennen. :-) ))

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