Liebe ART

Sprechen.  Verstehen.  Beziehung schaffen.
Dialog, der Partner schafft.
In jeder Beziehung.



Dialog-Beratung in Text und Gespräch. Themen: Persönlichkeit, Privatleben, Karriere.

Wer ist die Schönste im Dreiecksland? (Teil I)

Linda* fällt nicht auf. Ihre Fassade ist wie die eines Reihenhauses – sie passt zur ordnungsgemäßen Umgebung. Durch ihre Fenster darf allerdings niemand blicken. Denn die 39-Jährige ist nicht nur Ehefrau und Mutter dreier Kinder, sondern vor allem Hüterin eines Geheimnisses.

Spiegel-b.jpgLinda liebt einen Mann, der nicht ihrer ist. Martin*, den eigenen, würde sie lieber heute als morgen verlassen. Aber Roland*, ihr Liebhaber, will kein Leben mit Linda. Er will Sex mit ihr und bekommt, was er will.

Sex ja, Partnerschaft nein

Ein gemeinsames Leben mit Linda zu führen, ist für Roland indiskutabel. Für eine dauerhafte Partnerschaft unter einem Dach zieht er eine andere Freundin vor. Mit ihr und dem gemeinsamen Kind hat er gerade ein neues Einfamilienhaus bezogen.

Linda sieht diese Fakten. Dennoch stiert sie wie auf eine grüne Ampel, steuert geradewegs einem Ziel entgegen, an dem sie nicht ankommen kann. Auf ihrem Weg hat sie nur diesen Mann vor Augen.

Manchmal hält sie an, aber nicht, um zu wenden. Sie macht Kurskorrektur beim Friseur, lässt sich ein neues, anziehenderes Outfit verpassen. Sie macht Termine im Kosmetikstudio und hofft, Roland werde ihr anschließend nicht mehr ansehen, dass sie fünf Jahre älter ist als er und drei Kinder geboren hat.

Die fremden Augen

Wenn sie in den Spiegel schaut, sind es nicht ihre eigenen Augen, von denen sie sich mustern lässt. Sie stellt sich vor, mit Rolands Augen zu sehen. Dann sieht sie eine Frau, die zu alt ist für ein Leben mit ihm. Sie blickt auf ihre Wohnung wie er es täte, schaut sich um wie eine, die möbliert mieten will.

Aber diese Wohnung besteht vor seinen Blicken nicht. Sie ist ihm zu bieder, zu spießig. Linda fühlt sich verletzt. Schließlich ist sie es, die dieses Haus zu dem gemacht hat, was es ist. Was es für sie war. Gerade eben noch: ein Heim, das ihr und allen, die hineingehen, Geborgenheit geben soll.

Linda erträgt seinen abschätzenden Blick nicht, distanziert sich von ihrem Einrichtungsstil wie eine, die bankrott ist und jeden rein lässt, der ihr aus der Patsche hilft. Linda lehnt ihre Wohnung nicht ab, sie hasst sie, schämt sich für das, was ihr jahrelang so gut tat.

Dann Szenenwechsel. (*Name geändert) (Weiter zu Teil II)

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