Liebe ART

Sprechen.  Verstehen.  Beziehung schaffen.
Dialog, der Partner schafft.
In jeder Beziehung.



Dialog-Beratung in Text und Gespräch. Themen: Persönlichkeit, Privatleben, Karriere.

Wer ist die Schönste im Dreiecksland? (Teil II)

Lindas Fokus richtet sich auf die Frau, die hat, wonach Linda sich sehnt. Sie hat Jugend, sie hat Rolands Zeit, sie hat seine Hand beim Essengehen, ohne sich um die Blicke Anderer scheren zu müssen.

Aber eines hat sie nicht: einen Roland, der ihr sagt: „Ich komm nicht von dir los. Einen Sex wie mit dir hab’ ich noch nie erlebt. Das gibt’s nur einmal.“ Doch genau diese Wertschätzung hat Linda. Sie hat sie in allen Variationen gehört. Immer wieder. Und nicht nur gehört. Was ihre Sinne und Körper zusammen erlebt haben, degradiert jeden bisher genossenen Orgasmus zur Makulatur.

Handy-b.jpgEine aussichtslose Forderung

Aber Roland reichen solche Festbanketts der Sinne nicht, um bei Linda zu bleiben. Darum will sie die Feste weiterfeiern, selbst wenn die Musiker längst abgebaut haben. Sie schickt ihm SMS, lässt darin nachklingen, was war, um ihn für eine gemeinsame Zukunft zu begeistern.

Sie trägt ihr Handy mit sich wie eine Schwangere ihr ungeborenes Kind. Wartet und wartet auf ein Signal, das nach Leben klingt. Ihr Handy schweigt. Linda weiß, wie aussichtslos es wäre, eine dauerhafte Partnerschaft von ihm zu fordern. Seine Antwort wäre: „Von Partnerschaft war nie die Rede. Du hast immer genau gewusst, worauf du dich einlässt.“

Linda hielt Rolands Stille nicht aus und bald auch ihre eigene nicht. Ihre Tage wurden nicht mehr hell, ihre Eifersucht führte sie in depressive Dunkelheit. Licht tat sich für sie erst auf, als sie sich durchgerungen hatte, psychotherapeutische Hilfe zu suchen.

Christiane-b.jpgMit solchen Fragen hatte sie nicht gerechnet

Dr. Christiane Seidenberg (Foto links), Ärztin mit einer Praxis für Kurzzeitberatung, hörte sich an, was Linda nach und nach zu erzählen wagte. Irgendwann stellte sie Fragen. Auch solche, mit denen Linda nicht gerechnet hatte. Während sie als Auspackende ständig das Gefühl hatte, von der Therapeutin verstanden zu werden, glaubte sie nicht richtig zu hören, als Christiane Seidenberg sie fragte: „Was meinen Sie, was ist wohl das Gute an Ihrer Eifersucht?“

Linda empfand diese Frage wie einen schrägen Ton in konzertanter Harmonie. Erschreckt schaute sie mit weitem Blick ins Nichts, brachte kein Wort heraus. Christiane Seidenberg stört solch schweigendes Entsetzen nicht. Im Gegenteil. Als Misserfolg hätte sie es eher empfunden, wenn Linda die Frage wie aus der Pistole geschossen mit barscher Ablehnung quittiert, sich an den Kopf gefasst und gesagt hätte: „Das Gute an meiner Eifersucht? Das ist doch Quatsch!“

Die Chancen im Chaos

„Hätte sie so reagiert,“ sagt die Therapeutin, „hätte sie sich die Möglichkeit verbaut, über diese Frage nachzudenken.“ Christiane Seidenberg ist der Meinung: „Je länger die erschreckt schweigende Phase, umso besser.“ Denn bereits die Überlegung, ob das, was sich völlig unmöglich anhört, für etwas gut sein kann, bewirke etwas Positives.

Die Therapeutin sieht zwar klar, wie sehr Außenbeziehungen und Eifersucht Partnerschaften belasten, aber sie sieht auch die Chancen, die gerade in solch kritischen Lebensereignissen liegen. (Weiter zu Teil III)

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