Liebe ART

Sprechen.  Verstehen.  Beziehung schaffen.
Dialog, der Partner schafft.
In jeder Beziehung.



Dialog-Beratung in Text und Gespräch. Themen: Persönlichkeit, Privatleben, Karriere.

Wer zahlt beim Date?

Zum Wohl! Auf die Höflichkeit!Sie meinen, diese Frage stelle sich überhaupt
nicht? Doch, denn wenn Egon mit Elfriede essen
geht und davon träumt, es wieder und wieder
zu tun, dann sollte er ein höflicher Egon sein.
Und das kann bedeuten, sein Geld in der Tasche
zu lassen.

Was Männer wollen

Eine PARSHIP-Untersuchung belegt, was die Hälfte der deutschen Männer für Gentleman-Manier hält: 52 Prozent von ihnen sehen es für selbstverständlich an, beim Date die Rechnung zu begleichen. Schließlich wollen sie sich großzügig zeigen, Eindruck machen.

Mit solchem Verhalten bei Elfriede anzukommen, liegt für Egon klar auf der Hand. Und mehr noch: Beim Griff ins Portemonnaie spürt er regelrecht zwischen den Fingern, was er ist: total Mann. In diesem Moment wird er sich seiner so sehr bewusst wie selten. Denn zu zahlen, zeugt von (finanzieller) Potenz. Selbst Stärke wird für diesen Egon spürbar. Die eigene. Und wenn er so recht darüber nachdenkt, beschert ihm der Griff zu den Scheinen sogar den Anschein von Überlegenheit.

Und plötzlich steht der Mann im Dunkel

Als großzügig zahlender Egon fühlt sich der Mann regelrecht geblendet. Geblendet von sich selbst. Nicht, dass ihm sein Rampenlicht nicht zu gönnen wäre. Doch er sollte sich zumindest ein wenig darauf gefasst machen, dass sein Licht plötzlich ausgeht. Nämlich dann, wenn Elfriede ihm liebevoll souverän sagt: „Lass dein Geld mal sitzen. Dieser Abend geht auf meine Rechnung.“

Wenn das passiert und wenn diese Elfriede sich auf Biegen und Brechen nicht davon abbringen lässt, zu verwirklichen, was sie angekündigt hat, kann’s um Egon herum ruckzuck finster werden. Er tapert durchs Dunkel, sucht händeringend nach seiner Männlichkeit.

Überraschender Fund auf Suche nach der Männlichkeit

Apropos Männlichkeit: Auf Suche nach derselben geht Egon irgendwann ein Licht auf. Ein nahezu himmlisches Licht. Und was er auf diese Weise beschienen so klar wie nie zuvor vor Augen hat, heißt Elfriede. Es fällt ihm wie Lamellen von den Augen, dass Elfriede mehr ist als das, was er über Frauen gelernt hat. Die ist nämlich beruflich mindestens so erfolgreich wie er, allemal potent und überhaupt in jeder Hinsicht eine starke Frau.

„Klar,“ denkt er, „dass die heute zahlen will. – Der geht’s wie mir. - Gewissermaßen.“

Nach dieser Einsicht kommt Egon sogleich die nächste. Er begreift: Höflichkeit bedeutet nicht, dass der Mann immer zahlt. Höflichkeit ist relativ und von der jeweiligen Situation abhängig.

Das wäre Egoismus

Sobald Egon sich mit diesem Gedanken angefreundet hat, kommt ihm noch einer. Er überlegt, was es bedeuten würde, wenn er darauf bestünde, die Rechnung zu begleichen. Dann sieht er ein: „Das wäre Egoismus.“ Und weil er sich daran erinnert, dass Kant den Egoismus als „Urquell des Schlechten“ erklärt, zieht Egon es vor, sich schleunigst und auf der Stelle auf die Seite der Tugendhaften zu schlagen.

„Dort lässt sich’s aushalten,“ denkt Egon, „und dort steht’s mir rundum gut, mich hin und wieder von Elfriede aushalten zu lassen.“

Das schafft sogar die Queen

Angst davor, von Kollegen seiner männlichen Spezies zurechtgewiesen zu werden, hat er nicht. In einem solchen Fall würde er einfach den französischen Philosophen André Comte-Sponville zitieren. Der befasst sich beruflich mit Höflichkeit und Tugend, und sein Buch „Petit traité des grandes vertus“ (Kleine Abhandlung über die großen Tugenden) ist international ein Renner. Comte-Sponville sagt, Anstandsregeln seien nicht starr und nicht absolut. „Es ist ein Beweis höchster Höflichkeit, wenn man sich an die jeweilige Situation anzupassen weiß.“ Und als gekröntes Beispiel nennt er die englische Königin, „die den Fisch ebenfalls mit der Gabel zerdrückt haben soll, als ein einfacher geladener Gast dies tat.“

Foto: hoellisch/Quelle: PHOTOCASE

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