Wo beginnt eigentlich Untreue?
Ist jemand erst dann untreu, wenn er
neben seiner festen Partnerschaft andere
sexuelle Kontakte hat?
Mehr Nähe zum Freund als zum Ehemann
„Offiziell sprechen wir von Untreue, wenn jemand neben einer festen Beziehung eine sexuelle Außenbeziehung eingeht,“ sagt der Leipziger Sexualforscher Professor Kurt Starke in „GesundheitPro.de“. „Der Verkehr mit einer Prostituierten gehört im Grunde genommen ebenfalls dazu, selbst wenn viele Männer das nicht so empfinden.“ Aber auch wenn ein Mann beim Spaziergang mit seiner Frau einer anderen nachschaue, könne ihm das bereits als Untreue ausgelegt werden.
Diesbezüglich erzählt die Oldenburger Psychotherapeutin Gisela Runte (links) von einer Erfahrung: „Zu mir kam kürzlich eine Frau, die hat seit einiger Zeit einen Freund – einen Seelenverwandten, wie sie es nennt. Der steht ihr emotional viel näher als ihr Ehemann.“ Diese Frau habe das Gefühl, ihrem Mann untreu zu sein, „obwohl da sexuell nichts passiert“, sagt Gisela Runte.
Männer denken anders
Genau diese Aussage scheint einen elementaren Unterschied zwischen Frauen und Männern zu markieren: Die Klientin glaubt, ihrem Mann Grund zur Eifersucht zu geben, weil sie einem anderen im geistigen Austausch näher steht.
Diese Auffassung deckt sich mit Erfahrungen der Oldenburger Familienberaterin Dr. Christiane Seidenberg (links). Sie stellt fest, dass eifersüchtige Frauen sich in einer anderen Opferhaltung sehen als Männer. Ihre Klientinnen plage in erster Linie die Angst, verlassen zu werden und nie wieder einen vergleichbaren Partner zu finden. Was ebenso Not auslöse, sei die Angst, die gemeinsamen Freunde zu verlieren sowie das Bewusstsein, belogen worden zu sein und nicht zuletzt die Vorstellung, ihr Mann pflege mit einer anderen Frau einen vertrauteren geistigen Austausch als mit ihr.
Männliche Selbstkritik ist gefragt
Als „worst case“ erlebten Männer hingegen in erster Linie die bildliche Vorstellung, „dass ihre Frau Sex mit einem anderen Mann hat.“ Und in einem solchen Fall komme Mann zum Beispiel nicht umhin, sein eigenes Prestigebewusstsein kritisch zu betrachten.
Zudem haben Männer laut Auffassung Gisela Runtes „eine andere innere Toleranz der Untreue gegenüber: Wir sind in einer Tradition aufgewachsen, die dem Mann zugesteht, dass er von seinen Hormonen gesteuert wird und sich sexuell austoben muss.“
Was Frauen verschweigen
Aber heißt das, dass Männer öfter fremdgehen als Frauen? „Das wäre schon aus statistischen Gründen unmöglich, denn zum Seitensprung gehören immer zwei“, sagt der Leipziger Professor Kurt Starke (links). „Dass es trotzdem so aussieht, liegt vor allem daran, dass Frauen eine Affäre eher verschweigen oder verdrängen, während Männer mit ihren Eroberungen oft noch prahlen.“ Einen wesentlichen Unterschied, berichtet der Sexualforscher, gebe es dennoch: Männer neigten dazu, mehrfach, aber kurz fremdzugehen; Frauen dagegen möchten mit einem „Außenpartner“ möglichst oft zusammen sein.
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Am Ende kann ich Frau Runte nur zustimmen, ich denke auch, daß Fremdgehen schon vor dem eigentlichen sexuellen Akt stattfindet, auf einer rein geistigen Ebene; wann immer ich so in meinen Freundeskreis reinhorche und das Thema flammt auf, weil wieder jemand neben seiner Ehe etwas anderes laufen hat/te, dann kann ich wohl sehen, daß Frauen das Fremdgehen schon da definieren, wo sie sich geistig mehr verstanden fühlen und wenn das ausserhalb der Ehe stattfindet, dann sehen sie sich da schon in einer Position der Fremdgängerin, obwohl noch nichts weiter passiert ist, kein Kuss, kein gemeinsamer Sex mit dem geistigen Partner, den sie neben ihrem Ehemann gefunden haben;…
aus meiner Erfahrung heraus fängt das Fremdgehen eben schon mental an; lasse ich mich auf sexuelle Phantasien ein, verbal, schriftlich….lasse ich mich auf die Phantasie ein, wie es wohl mit einem anderen wäre und ist dieser andere dann auch noch geistig attraktiv für mich? Gibt er mir etwas, was in meiner eigenen Ehe schon länger kein Thema mehr war, weil der Alltag einen mitgerissen hat und man die Qualitäten vielleicht selbst nicht mehr erkennt?
Ist da ausserhalb der Ehe jemand, der mich als FRAU wahrnimmt, mit all ihren Gedanken, Gefühlen und daraus resultierend so attraktiv für mich, daß ich dann auch mit ihr sexuelle Erfahrungen machen möchte?
Darin fusst wohl schon das eigentliche Fremdgehen, der Akt als solcher dann ist wohl nur das Tüpfelchen auf dem I.
Es gibt aber auch durchaus viele Männer, die das ähnlich sehen; die nicht nur aus reinem Triebverhalten heraus, weil es in der Ehe langweilig geworden ist, sich den Sex woanders suchen, sondern viele Männer haben ebenfalls Parallelbeziehungen und leben diese aus, weil sie sich dort verstanden fühlen, weil sie dort etwas bekommen, was in ihrer Ehe eben nicht mehr auf diese Weise vorhanden ist.
Es hält sich am Ende wohl die Waage, die Fragestellung, wer mehr fremdgeht ist am Ende irrelevant, wie ich meine,….vielmehr sollte man sich fragen, welche Defizite einen dazu bewegen, daß man sich seine Bedürfnisse bei anderen Menschen befriedigt sehen will, als bei dem eigenen Partner.
Zumal es ist ein Risikospiel, dessen ich ständig ausgesetzt bin.
Er vergnügt sich in irgendwechen Chats oder per E-Mail Kontakt, lässt sie wahrhaben an seine Gefühlen und Gedanken, seinen Sehnsüchten und Itimsphäre… Und Zuhause wird gemauert und es läuft nichts. Wie lange soll sowas gut gehen? Die schönen Dinge der Welt lebt er wo anders aus, wofür dann noch eine Ehe oder Beziehung führen?
Und ich als seine Frau darf dann warten, bis er auf der anderen Seite ernst macht oder er die Richtige gefunden hat?