Liebe ART

Sprechen.  Verstehen.  Beziehung schaffen.
Dialog, der Partner schafft.
In jeder Beziehung.



Dialog-Beratung in Text und Gespräch. Themen: Persönlichkeit, Privatleben, Karriere.

“Sie gibt mir alles von sich”

color_taille-b.jpgWenn Günter Ludwig über eine Frau spricht,
die ihn fasziniert, geht seinem Zuhörer
die Frage durch den Kopf: „Wer ist dieser
Günter Ludwig eigentlich?“
Die Frage stellt sich, weil er einen Klartext spricht,
der nicht üblich ist. Er spricht klar aus, was ihn
fasziniert, beschäftigt, inspiriert. Aus seinem Mund
kommen Wörter wie „Ausstrahlung“, „Brüste“, „Schenkel“. Aber wenn er über Körperteile spricht, die Männer anmachen, verziehen sich seine Mundwinkel nicht wie die eines Theken-Tigers, der seinen Bierfreunden zeigen will, auf welch femininer Klaviatur seine Finger sich auskennen.

Gabriele-b.jpgEr spricht über Vagina und Brust, dies aber auch nicht wie ein Arzt im diagnostisch neutralen bis coolen Ton. Günter Ludwig spricht über diese Attribute fraulicher Anziehung mit der selbstverständlichen Achtung eines Juweliers, der es gewohnt ist, Hochkarätiges mit seinen Händen zu formen und zu präsentieren.

Die Erotik ist für ihn als Maler neben Landschaft und Porträt zentrales Thema. Die, die ihn und seine Arbeiten lange kennen, sagen: „Bei dir ist eigentlich überall Erotik drin. Auch in deinen Landschaften.“

ludwig_schatten-b.jpgGünter Ludwig (rechts) erwidert dem nichts. Er erklärt es: „Wenn ich malerisch eine Stelle der Haut aufritze und sie klafft auf, dann ist das Erotik.“ Er sagt, ein Mensch der ein solches Motiv als Mann beziehungsweise als Frau betrachte, „dem tut sich dieses Thema eigentlich immer auf.“

Wenn eines seiner Bilder nicht verständlich ist…

imhinterenSinne-b.jpgEr ist als Künstler von keiner Mission beseelt, will keine Botschaft vermitteln. Eher will er zeigen, was in ihm passiert. Und was er zeigt, nennt er selbst „entweder provokant oder nicht verständlich.“ Und nach kurzer Überlegung fügt er hinzu: „Wenn eines meiner Bilder nicht verständlich ist, steckt besonders viel von mir drin.“

Im Grunde ist dieser Mann gar nicht schwer zu verstehen. Jedenfalls dann nicht, wenn man in ihn hineinhorcht. Ludwig erwähnt seine „Wildheit“, seine „Leidenschaft“, dies jedoch nicht wie ein wild Gewordener, sondern eher wie einer, der seine Eigenschaften akademisch analysiert und seziert auf dem Tisch betrachtet.

Sie schafft es, ihm “alles von sich zu geben”

Kamelya1-b.jpgKamelya2-b.jpgDie Wildheit, die er meint, bekommt allenfalls seine eigene Frau zu erleben. Nicht sein Model. Was letztere Dame betrifft, spricht er von einer, nach der er lange gesucht hat. Er hat Kamelya (links), sein neues „Anschauungsobjekt“ endlich gefunden und ist darüber froh wie einer, der jahrelang für die Erfüllung eines Wunsches Geld auf die Seite gelegt hat und jetzt genießt.

Günter Ludwig beschreibt das neue Model als sympathisch, ausgesprochen hübsch und als eine Frau, die es schafft, ihm „alles von sich zu geben.“ Er geht davon aus, „dass sie dadurch ein anderer Mensch wird – und ich auch.“

sw_rohr3-b1.jpgSie sprechen offen darüber

Seine Frau (links) hört es, und auf die Frage, ob sie dies nicht unruhig mache, antwortet sie: „Ja, das könnte es. Aber wir sprechen offen darüber.“ Und wie sie es sagt, klingt es, als habe sie nicht nur seine Worte begriffen, sondern auch all das, was er seit Jahren fotografiert oder mit Kohle und Pastell auf Papier fetzt. Was sie fühlt, wenn sie an die Inspiration ihres Mannes denkt, beschreiben wohl am besten jene drei Worte, die sie für ihn im Vorwort eines Ausstellungskatalogs formulierte: „Es zeichnet mich.“

Was sie sonst kaum tut

Aber was erhofft sich der Künstler von einem sw_haendehinten-b.jpgModel, von dem er sagt: „Die schafft es, mir alles von sich zu geben.“? Günter Ludwig erklärt es mit dem, was er in der Literatur über Zen-Buddhismus erfahren und was seinen Blick als Maler geprägt hat. Das Resultat ist für ihn, „den Blick von innen aus zu beginnen.“ Darum legt er keinen Wert darauf, sein Model sogleich zu entblättern. Er wünscht sich Kommunikation, will sein Gegenüber sprechen lassen, will, dass diese Frau sich inhaltlich so weit öffnet, wie sie es ansonsten kaum tut, will sie dabei betrachten, erfahren.

Günter Ludwig strebt mit seinen Arbeiten keine blanke Präsentation von Tabuzonen an. Er sagt: „Es sollen durchaus Elemente des sw2-b.jpgKörpers zu sehen sein, aber nicht so, dass es den männlichen Genussseher bedient. Ich fordere die Fantasie des Betrachters.“

Hände können mehr als befriedigen

Die Hand ist diesem Künstler so wichtig, dass er sagt: „Ich liebe sie.“ Erotische Malerei bedeutet für ihn aber nicht, die Hand in Selbstbefriedigung treiben zu lassen. Das wäre ihm „zu wenig.“ Ihn fasziniert das Vielfältige, das durch die Hand passiert: „Sie spricht, weist die Richtung, ordnet an…“

Wer Günter Ludwig bei der Arbeit auf die Finger schaut, kann durchaus den Eindruck gewinnen, einen Verwandten Horst Janssens zu beobachten. Allerdings besteht hier keinerlei familiäre Beziehung. Allenfalls eine Seelenverwandtschaft. Und aus dieser Nähe macht Günter Ludwig kein Geheimnis, indem er sagt, sich in seiner Anfangsphase stark an Janssens Radierungen orientiert zu haben. Was dabei herausgekommen ist, ist ein Strich, der bei genauem Hinsehen an den berühmten dasBild_zum_Ende-b.jpgMeister erinnert. Mehr aber auch nicht. Denn jedes Mehr wäre für Günter Ludwig ein künstlerisches Auf-den-Strich-Gehen, mit dem er nicht leben und schon gar nicht zeichnen könnte.

Mehr zu Günter Ludwig bei Artgalerie Europe.

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