Vom eigenen Mann verzaubert
Männer müssen sich gar nicht ein pralles
Bankkonto erschuften und sich im Haushalt
abrackern, um Ehefrauen glücklich zu machen.
Das sagt W. Bradford Wilcox und verkündet so
den befreienden Teil seiner Nachricht.
Was für Frauen ausschlaggebend ist
Der Mann arbeitet als Soziologe an der University of Virginia. Dort hat er die Daten von über 5000 Paaren ausgewertet. Dabei fand er heraus, was Ehefrauen wirklich glücklich macht. Er nennt es das „emotionale Engagement des Mannes“. Das heißt, für Frauen ist es ausschlaggebend, wie herzlich und verständnisvoll ein Mann ist und wie viel Zeit er mit ihr verbringt.
Bradford Wilcox’ Erkenntnis mag dazu verführen, sie wie ein (allzu simples) Glücklichmacher-Rezept zu lesen. So mancher Egon könnte sich sagen: „Okay, das krieg’ ich hin. Ab heute plane ich jeden Abend eine Stunde ein. Und zwar nur für sie. Ich setz’ mich nicht vor den PC, verzichte auf Sport und Fernsehen, erzähl’ nichts von meinem Job, behalte für mich, dass es mir stinkt, am Wochenende schon wieder zu ihrer Mutter zu fahren, übersehe auch, dass meine Hemden immer noch nicht gebügelt im Schrank hängen. Ich sitze nur bei ihr, gucke sie ganz lieb an und lasse mir einfach mal was sagen. Ich halte sogar den Mund, wenn sie mir meine abendlichen Bierchen madig macht, indem sie ihre Lippen den meinen entzieht und mich anblafft: ,Ich küss’ doch keine Kneipe!’.“
Diesem Mann fehlt was
Aber solches Bemühen kommt bei Egons Elfriede ganz anders an als Egon will. Selbst wenn diese Frau nicht zu den Hellsten ihrer Art gehören würde, so würde ihr innerer Seismograph exakt registrieren, was ihrem Egon fehlt. Ihr wäre klar: „Der Mann hat ein höchst merkwürdiges Anliegen, doch eines hat er nicht: Interesse an mir.“
Und genau hier zappelt der Frosch in der Blumenvase: Egon strampelt sich ab, aber sein Bemühen ist nicht zweckfrei. Es ist ihm kein Bedürfnis, seiner Elfriede gut zu tun. Und das merkt sie.
Egon meint, sein brennendes Interesse von einst sei längst futsch: „Ich kenn’ doch schon alles an der Frau,“ seufzt er. „Ich kenne mehr von ihr als mir lieb ist.“
Diese Blicke fressen Kraft
Doch wer sich lange kennt, weiß noch längst nicht alles voneinander. Je länger wir mit einem Menschen zu tun haben, desto stärker fokussieren wir unseren Blick auf ein paar Auffälligkeiten. Besonders auf die, was uns nerven. Egons genervter Blick frisst so viel Kraft, dass keine Lust mehr bleibt, unbekannte Neigungen, Sehnsüchte oder Leidenschaften seiner Elfriede aufzuspüren.
Wenn Egon auch nur die blasseste Ahnung hätte, noch längst nicht alles über seine Elfriede zu wissen, entstünde bei ihm Interesse. Der Mann wäre in aufrichtiger Weise ganz bei ihr. Solch innere Nähe ist übrigens der eigentliche Sinn des Wortes Interesse. Wer sich dessen lateinische Bedeutung klarmacht, sieht, was „inter“ heißt: „zwischen, inmitten“. Und „esse“ heißt „sein“.
So verzaubert er sie
Derartiges Inter-esse muss Egon nicht sogleich in aller Großartigkeit haben. Bereits in dem Moment, wo er es anstrebt, gibt es ihm eine andere Ausstrahlung. In den Augen Elfriedes kommt ihr Egon wie runderneuert daher. Denn dieser Mann hört ihr zu, weil er sie erfahren möchte. Was sie indes spürt, ist Aufmerksamkeit und Anteilnahme – zwei Geschenke, mit der er diese Frau mehr verzaubert als mit Karriere, Kapital und kostbaren Klunkern.
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