Neue Ursache für Schwangerschaft
Wenn Vierzehnjährige schwanger werden,
müssen ihre Eltern sich künftig kaum noch
mit selbstkritischen Gedanken quälen. Die
Frage: „Haben wir in der Erziehung etwas
versäumt?“ rückt nun weit, weit in den
Hintergrund. Wissenschaftler haben jetzt
nämlich herausbekommen, was Jugendliche
verführt.
Was Mädchen befürchten müssen
Die Generation der Erwachsenen wuchs noch mit dem pädagogischen Hinweise auf: „Vom Fernsehen bekommst du eckige Augen.“ Die Gefahr solch körperlicher Entstellung ist nun Schnee von gestern. Die aktuelle Warnung lautet: Mädchen müssen befürchten, einen dicken Bauch zu bekommen, wenn sie zu viel „Verbotene Liebe“, „Friends“ oder „Sex and the City“ schauen.
Laut einer US-Studie werden Heranwachsende frühzeitig schwanger, wenn sie zu viele Sendungen über Flirten, Sex und Partnerschaft sehen. Die Wissenschaftler sind zu dem Schluss gekommen, solche Rezeptionen würden Jugendliche in ihrem Sexualverhalten beeinflussen. Mit den sexuellen Inhalten im Fernsehen habe auch die Zahl der Teenager-Schwangerschaften zugenommen, berichtet Forscherin Anita Chandra im Fachblatt der amerikanischen Akademie für Kinderheilkunde.
Schnelle Lösung bereits gefunden
Diese Auffassung ist entstanden, weil Forscher der unabhängigen Rand Corporation drei Jahre lang mehr als 700 Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren zu ihrem Fernsehverhalten und Sexualleben befragt haben. Das Ergebnis: 58 schwangere Mädchen und 33 werdende Väter. 25 Prozent derer, die regelmäßig Flirtshows, Romanzen und pornographische Filme sehen, wurden im Untersuchungszeitraum schwanger oder waren verantwortlich für eine Schwangerschaft.
Eine “Lösung” des Problems wurde in Amerika schnell gefunden. Die Vertreter des “National Abstinence Education Center” melden sich mit einer Forderung zu Wort: “In den Schulen müssen Schüler verstärkt Abstinenz lernen.”
Freibrief für Eltern
Funktioniert Erziehung wirklich so einfach? Wenn ja, müsste der Begriff „Eltern“ neu definiert werden. Eltern zu sein, würde dann nicht mehr bedeuten, Kindern Vorbild, Gesprächspartner, Wertevermittler und Erzieher zu sein. All diese Anstrengungen wären so gut wie überflüssig. Paare mit Kinderwunsch bräuchten sich nur noch auf die freud- bis lustvolle Tätigkeit beschränken, als Erzeuger aktiv zu werden. Denn als Vorbild, Gesprächspartner, Wertevermittler, Erzieher und Abstinenztrainer können sich doch die verausgaben, die es gelernt haben und damit ihr Geld verdienen: die Lehrer.
Was passiert, wenn Eltern so denken, wird bereits täglich in Schulen plakativ: Da wollen Lehrer ihren Schülern Rechnen und Schreiben beibringen, doch daraus wird nichts. Jedenfalls nicht einfach so und sogleich zu Unterrichtsbeginn. Bevor die eigentliche Wissensvermittlung eine Chance hat, sind Lehrer damit beschäftigt, Kindern das kleine Einmaleins sozialen Verhaltens beizubringen. Aber diese pädagogische Aufgabe wird häufig zur Sisyphos-Arbeit, denn Lehrer können Kindern kaum beibiegen, was deren Eltern ihnen nie wertschätzend vermittelt haben.
Das falsche Fazit
So gesehen ist die amerikanische Studie keineswegs überflüssig. Doch aus ihr das Fazit zu ziehen, Fernsehen mache schwanger, ist verantwortungslos und falsch. Wer die Studie so auslegt, verhält sich wie einer, der mit 210 in die Kurve brettert, anschließend aus seiner Schrottkarre krabbelt und das Straßenbauamt wegen schlechter Wegführung verklagt.
Foto:mathias the dread/Quelle: PHOTOCASE
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Lieber Andreas,
als leidenschaftliche Mama von zwei Teenagern möchte ich gern auch ein paar Worte zu diesem Thema hier lassen:
Die Aufmerksamkeit der besagten Altersgruppe wird durch häufigen “Konsum” dieser Unterhaltungsform eindeutig auf das Thema Sex gelenkt und dann erscheint es mir mehr als verständlich und logisch, dass das auch im “real-life” dieses Thema entsprechende Wichtigkeit (Energie) erfährt. (Soweit ich das beurteilen kann, spannt sich dieser Bogen viel weiter und betrifft weitaus mehr Menschen aus allen Altersgruppen).
Was Eltern (in meinem Fall die Mutter) tun können, ist bessere Unterhaltungsangebote zur Verfügung stellen und dadurch die Aufmerksamkeit auf wertvollere (wertschöpfende) Themen zu lenken. Verbote sind nach meiner Auffassung in jeder Form denkbar ungeeignet (ganz besonders wenn Mama “Sex in the city” ebenfalls “stark” oder “geil” findet).
Die Verantwortung an Lehrer gebe ich auf keinen Fall (und schon gar nicht an die Lehrer!) ab, denn ebenso wie die Kids mit mir wachsen, wachse ich täglich an ihnen.
Jede Form der Beziehung (auch die Eltern-Kinder-Beziehung) erfordert nach meiner Auffassung viel Energie, in Form von Aufmerksamkeit.
Werte und Grenzen entwickeln sich nicht durch Ver- oder Gebote, sondern durch leben.
Im Übrigen denke ich, dass nicht alles zu beeinflussen und zu kontrollieren ist.
Nach meiner Auffassung geschieht nichts im Leben zufällig, sondern für alles gibt es einen Sinn. So auch die Wege, die Kids und Teens für sich wählen und entscheiden.
Abschließend mein eigenes “Erziehungsrezept”: So viel Liebe wie nur irgend möglich.
Besser und besser,
Gaba