Sexualassistenz rührt an Tabus
„Zärtlichkeit kenne ich nur aus Filmen.
Ich wünsche mir, dass mich auch
jemand streichelt und mit mir so tut,
wie mit einer richtigen Frau.“
Aus diesem anonym zitierten Satz
klingt eine Traurigkeit, gegen die
die österreichische Organisation
„Alpha Nova“ etwas unternehmen will.
Mehr Lust im Leben
Alpha Nova sagt über sich selbst: „Wir sind ein innovatives, wirtschaftlich geführtes Unternehmen, das im Bereich sozialer Dienste arbeitet.“ Dessen Ziel ist es, „die Qualität menschlichen Lebens durch persönliche Assistenz- und Hilfeleistungen zu verbessern.“ Die Angebote des Unternehmens richten sich an Menschen, die auf Grund einer Behinderung oder ihrer Lebenssituation Unterstützung benötigen.
Margit Schmiedbauer betreut innerhalb von „Alpha Nova“ das Projekt „Libida … mehr Lust im Leben“. Und das bedeutet, „Sexualassistenz für behinderte Menschen“ zu leisten. Dazu gehören beispielsweise zärtliche Berührungen, erotische Massagen und auch die Begleitung beim Einkauf von sexuellen Hilfsmitteln.
Eine mehrheitlich gewünscht Dienstleistung
Die Oberösterreichischen Nachrichten berichten von Recherchen unter 3000 Personen, die ergeben haben, dass Sexualassistenz „eine von behinderten Menschen sowie deren Angehörigen und Betreuern mehrheitlich gewünschte Dienstleistung ist.“ Dennoch rüttelt Libida an einem Tabu – nämlich an dem Thema, dass Sexualität auch von behinderten Menschen gelebt werden will und soll.
Margit Schmiedbauer sagt: „Sexualität zu leben, heißt, Entspannung zu finden in einem inneren Getriebensein.“ Ein Behindertenbetreuer berichtet: „Mein Klient versucht täglich, sich selbst zu befriedigen, aber es klappt nicht. Er braucht jemanden, der ihm am eigenen Körper zeigt, wie es geht.“
Ein rechtliches Problem
Am politischen Willen zur Ausbildung von Sexualbegleitern für Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung scheint es in Österreich nicht zu mangeln. Soziallandesrat Kurt Flecker von der SPÖ befürwortet das Projekt Libida. Probleme bereitet jedoch die rechtliche Situation. Obwohl diese Dienstleistung keinen Geschlechtsverkehr beinhaltet, fallen Sexualbegleiter unter das Prostitutionsgesetz der Steiermark.
In einer Petition wurden mittlerweile gesetzliche Grundlagen für die „neue professionelle Dienstleistung“ gefordert. Ein Arbeitskreis hat die Haltung, die hinter dieser Tätigkeit steht, definiert: „Jede Begegnung ist individuell und würdevoll.“
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Also Sexualbegleiter für körperlich behinderte Menschen finde ich schon etwas absurd. Ich glaube nicht, dass das die Aufgabe eines Unternehmens sein kann…
Dafür gibt es Prostituierte…
Es ist schon traurig genug, dass in unserer Gesellschaft ein körperlich oder geistig behinderter Mensch kaum Zärtlichkeiten erfährt, von einem normalen Sexualleben ganz zu schweigen. Aber ist es nicht noch trauriger, dass es Menschen, sprich Unternehmen gibt, die daraus Kapital schlagen wollen? Denn oberstes Ziel eines wirtschaftlich geführten Unternehmens ist es Gewinne zu erzielen.
Diese “soziale Dienstleistung” ist mehr als absurd.
Vorab: Mir ist klar, dass ich hier einen uralten Beitrag kommentiere, aber als eins der ersten Suchergebnisse bei Google hat er doch eine gewisse Aktualität.
zu der Antwort von Doris:
Im Kontext von Dienstleistungen für behinderte Menschen ist die Aussage über ein “wirtschaftlich geführtes Unternehmen” als Gegenbegriff zu Helferleistungen im Sinne eines barmherzigen Samaritertums zu sehen.
Solches Samaritertum versetzt den Empfänger von Hilfe in eine grundsätzlich schwächere Position, als wenn er der Kunde eines (wirtschaftlich orientierten) Dienstleisters ist, den er selbstbestimmt auswählt und für seine Arbeit entlohnt.
zu Mathias:
Der Maßstab der für jedwede Assistenz angelegt wird ist üblicherweise das, was ein gesunder “nichtbehinderter” Mensch kann.
Wenn du und ich lernen konnten uns selbst zu befriedigen, dann sollte auch ein behinderter Mensch dazu die Möglichkeit bekommen, ohne auf die auf vielen Ebenen problematische Dienstleistung einer Prostituierten zurückgreifen zu MÜSSEN.
Hallo!
“Absurd” “traurig” usw. Ich finde es immer interessant was Leute zu Themen, ohne sich damit wirklich damit auseinander zusetzen, zum schreiben haben.
Die Alpha Nova hat aufgrund ihrer langen Beratungstätigkeit und denen daraus gewonnen Erfahrungen eine Ausbildung zusammen gestellt.
Dabei konnte die Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen ihre Wünsche an die Ausbildungsleitung und in der Folge auch an die zukünftigen Sexualbegleiterinnen und Sexualbegleiter weitergeben. Warum ich das so genau weiß?
Weil ich das Glück hatte mit sieben ganz tollen Frauen diese Ausbildung,die einen starkem Praxisbezug hatte, machen zu dürfen. Dabei hatten wir die Möglichkeit direkt mit den Betroffenen über Wünsche und Sehnsüchte und ihre Versuche zum erreichen derselben zu befragen.
Eines kann ich meinen Vorschreiben noch mitgeben:
“Wir Libida-Sexualbegleiter sind sicher keine Prostituierten”
Liebe Grüße!
Ronald
Lieber Ronald, Ich komme noch später zu diesem Themenblock und kann Deine Erfahrungen nur bestätigen. Ich stecke zurzeit noch in der Ausbildung bei Lothar Sandfort in Treben/DE und habe aber schon eine ganze Reihe wunderschöner Erfahrungen machen dürfen. Wir arbeiten mit Achtsamkeit und respektieren die jeweilige Persönlichkeit der Menschen – jeder medizinische Masseur, jede Fusspflegerin etc. usw. usf. lässt sich ihre Dienstleistungen ebenfalls entschädigen – warum also ausgerechnet in diesem Sektor Samaritertum verlangen? Warum andererseits die berechtigten Bedürfnisse von beeinträchtigten Mitmenschen ausgerechnet in die Prostitution verweisen? Prostituierte leisten übrigens grandiose Arbeit auch für Behinderte, doch bei schweren körperlichen Beeinträchtigungen empfiehlt sich halt schon jemand, der auf die individuellen Bedürfnisse geschult wurde und sich in jeder Situation zurecht finden kann. Liebe Grüsse, Daniela